Der Goldpreis (XAU/USD) steht am frühen Mittwoch im asiatischen Handel nahe 4.480 US-Dollar unter Verkaufsdruck. Das Edelmetall fällt auf den niedrigsten Stand seit dem 30. März, da anhaltende Inflationsängste die Erwartungen an Zinserhöhungen und die Renditen von Staatsanleihen hoch halten.
Die Renditen der 30-jährigen US-Staatsanleihen stiegen am Dienstag um bis zu sieben Basispunkte auf 5,20 %, ein Niveau, das zuletzt am Vorabend der globalen Finanzkrise 2007 erreicht wurde. Gleichzeitig kletterten die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen um bis zu zehn Basispunkte auf 4,69 %, den höchsten Stand seit Anfang 2025, bevor sie sich auf rund 4,66 % zurückbewegten.
„Wir sehen weltweit in mehreren Ländern einen Anstieg der Realzinsen, und das belastet vor allem Gold. Der Dollar ist ebenfalls stärker, was negativ ist“, sagte Edward Meir, Analyst bei Marex.
Ein Mangel an Fortschritten bei der Wiedereröffnung der Straße von Hormus schürte weiterhin Inflationsängste und erhöhte die Wetten, dass die globalen Zentralbanken die Zinssätze anheben könnten. Bloomberg berichtete am Dienstag, dass US-Präsident Donald Trump gedroht habe, die Angriffe auf den Iran in den kommenden Tagen im Rahmen der Bemühungen um eine Beendigung des Krieges wieder aufzunehmen, nachdem er zuvor einen US-Angriff abgesagt hatte.
Gold hat in der Geschichte der Menschheit stets eine zentrale Rolle gespielt – als universelles Tauschmittel und sicherer Wertspeicher. Heute wird das Edelmetall vor allem als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten geschätzt. Gold dient nicht nur als Schmuck oder Anlageobjekt, sondern wird auch als Absicherung gegen Inflation und Währungsabwertungen betrachtet. Sein Wert ist unabhängig von staatlichen Institutionen oder einzelnen Währungen, was es in unsicheren Zeiten besonders attraktiv macht.
Zentralbanken zählen zu den größten Goldkäufern weltweit. Um ihre Währungen in Krisenzeiten zu stützen, kaufen sie Gold, um die wirtschaftliche Stabilität und das Vertrauen in ihre Währungen zu stärken. 2022 kauften Zentralbanken laut World Gold Council 1.136 Tonnen Gold im Wert von rund 70 Milliarden US-Dollar – ein Rekordwert. Besonders schnell wachsende Schwellenländer wie China, Indien und die Türkei erhöhen ihre Goldreserven in hohem Tempo.
Gold steht traditionell in einer inversen Beziehung zum US-Dollar und zu US-Staatsanleihen – beide gelten als bedeutende Reservewährungen und sichere Häfen für Anleger. Wenn der Dollar abwertet, steigt der Goldpreis häufig, was Investoren und Zentralbanken in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit dazu veranlasst, ihre Portfolios zu diversifizieren. Ebenso ist Gold gegenläufig zu risikobehafteten Vermögenswerten. Während ein Aufschwung an den Aktienmärkten den Goldpreis oft drückt, profitieren Goldinvestoren in Zeiten von Börsenturbulenzen.
Der Goldpreis unterliegt einer Vielzahl von Einflussfaktoren. Geopolitische Spannungen oder die Sorge vor einer tiefen Rezession können den Preis des Edelmetalls schnell in die Höhe treiben, da Gold als sicherer Hafen gilt. Ohne eigene Rendite steigt der Wert des Metalls häufig in Phasen niedriger Zinsen, während hohe Zinskosten den Preis drücken. Die Entwicklung des Goldpreises ist jedoch stark vom US-Dollar abhängig, da das Edelmetall in Dollar (XAU/USD) gehandelt wird. Ein starker Dollar übt in der Regel Druck auf den Goldpreis aus, während ein schwächerer Dollar zu einer Verteuerung führen kann.