Das britische Office for National Statistics (ONS) wird am Mittwoch um 06:00 GMT die Verbraucherpreisindex (VPI)-Zahlen für Juni veröffentlichen, ein Ergebnis, das für die Märkte von Bedeutung sein wird. Die Konsenserwartungen deuten darauf hin, dass der Inflationsdruck weiterhin über dem Ziel der Bank of England (BoE) liegt, jedoch weiter an Schwung verliert.
Die britische Verbraucherpreisinflation bleibt einer der wichtigsten Faktoren für die BoE und hat typischerweise erhebliches Gewicht für das britische Pfund (GBP). Nach der jüngsten vorsichtigen Zinspause der BoE am 18. Juni bevorzugen Anleger nun eine ruhige Hand der „Old Lady“ bei ihrer Sitzung am 30. Juli.
Es wird erwartet, dass der Gesamt-VPI im Vereinigten Königreich im Jahresvergleich bis Juni 2,7 % erreicht, etwas niedriger als der Wert im Mai. Auf Monatsbasis wird ein Anstieg der Inflation um 0,1 % erwartet, zusätzlich zu dem im Vormonat verzeichneten Anstieg von 0,2 %.
Die Kerninflation, die die volatileren Komponenten Lebensmittel und Energie ausschließt und daher von der BoE genauer beobachtet wird, wird auf Jahresbasis mit 2,5 % prognostiziert, ein Rückgang um ein Zehntel Prozent gegenüber Mai.

Die BoE erfüllte die Erwartungen und beließ den Leitzins am 18. Juni unverändert bei 3,75 %. Die Abstimmung fiel mit 7 zu 2 Stimmen jedoch etwas hawkischer aus, wobei Megan Greene sich Huw Pill anschloss und eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte unterstützte. Die größere Botschaft ist jedoch Geduld, da die Geldpolitik weiterhin im Abwarten verharrt und die Marktbewertungen diese Haltung widerspiegeln.
In seinen jüngsten Äußerungen letzte Woche sagte Gouverneur Andrew Bailey, dass die erneuten Konflikte im Golf die Instabilität der Weltwirtschaft verdeutlichten. Für das Vereinigte Königreich argumentierte er, dass das Land sowohl durch seinen fiskalischen Rahmen als auch durch die Geldpolitik gestützt werde, wobei er betonte, dass die zentrale Herausforderung weiterhin das Wirtschaftswachstum sei.
Bailey fügte hinzu, dass das Kernbankensystem des Vereinigten Königreichs widerstandsfähig sei und die Schuldenstände nicht überdehnt seien. Er warnte jedoch, dass nachhaltiges Wirtschaftswachstum ohne finanzielle Stabilität nicht möglich sei.
Die impliziten Zinssätze deuten derzeit auf eine Straffung von fast 43 Basispunkten bis zum Jahresende hin, während der Konsens davon ausgeht, dass die Zentralbank ihren Leitzins bei der nächsten Sitzung am 30. Juli unverändert lässt.
Zurück zur technischen Analyse: Der Senior Analyst bei FXStreet, Pablo Piovano, stellt fest, dass die jüngste mehrwöchige Erholung von GBP/USD offenbar auf erste Hürden im Bereich von 1,3550–1,3560 nahe den Höchstständen im Juli gestoßen ist. „Sollten die Bullen die Oberhand zurückgewinnen, ergibt sich die nächste Barriere am Höchststand vom Mai bei 1,3653 (11. Mai), gefolgt von der Jahresobergrenze bei 1,3868 (27. Januar),“ fügt er hinzu.
Auf der Unterseite sieht Piovano erste Unterstützung bei den aktuellen Jahrestiefs nahe 1,3140 (24. Juni). „Eine weitere Schwäche von hier aus könnte eine Bewegung in Richtung der Basis vom November 2025 bei 1,3010 (5. November) freilegen,“ ergänzt Piovano.
Piovano weist zudem darauf hin, dass die Momentum-Indikatoren derzeit noch etwas bullisch sind, da der Relative Strength Index (RSI) knapp unter 54 liegt, während der Average Directional Index (ADX) nahe 18 darauf hindeutet, dass dem aktuellen Trend die Kraft fehlt.
Zinssätze sind der Preis für das Leihen von Geld und werden sowohl von Finanzinstituten an Kreditnehmer als auch an Sparer ausgezahlt. Zentralbanken beeinflussen sie durch ihre Leitzinsentscheidungen, um die Wirtschaft zu stabilisieren und die Inflation im Zielbereich von etwa 2 % zu halten.
Höhere Zinssätze stärken in der Regel die Währung eines Landes, da sie es für globale Investoren attraktiver machen, ihr Geld dort anzulegen.
Hohe Zinsen setzen den Goldpreis unter Druck, da Anleger höhere Renditen bei zinstragenden Anlagen erzielen können. Ein starker US-Dollar, der oft mit steigenden Zinsen einhergeht, senkt zusätzlich den Goldpreis, da Gold in Dollar notiert wird und ein stärkerer Dollar die Kaufkraft anderer Währungen verringert.
Der Fed-Funds-Zins ist der Übernachtzins, zu dem sich US-Banken gegenseitig Geld leihen. Dieser Leitzins wird in den geldpolitischen Sitzungen der Federal Reserve festgelegt und beeinflusst maßgeblich das Verhalten der Finanzmärkte. Die Markterwartungen in Bezug auf künftige Zinssätze werden durch das CME FedWatch Tool erfasst, das eine Orientierungshilfe für Investoren bietet.
Der Verbraucherpreisindex (VPI) des Vereinigten Königreichs wird monatlich vom Office for National Statistics veröffentlicht und misst die Inflationsrate – also die Veränderung der Preise für Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten gekauft werden. Die Berechnung erfolgt nach internationalen Standards. Der VPI ist zugleich das offizielle Inflationsmaß, das für das geldpolitische Ziel der britischen Regierung verwendet wird. Der Monatsvergleich (Month-over-Month, MoM) zeigt, wie sich die Preise im aktuellen Berichtsmonat im Vergleich zum Vormonat entwickelt haben. Ein hoher VPI-Wert wird in der Regel als positiv (bullish) für das britische Pfund (GBP) gewertet, ein niedriger Wert hingegen als negativ (bärisch).
Mehr lesenNächste Veröffentlichung: Mi Juli 22, 2026 06:00
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Quelle: Office for National Statistics