Das Währungspaar AUD/USD zieht nach einem Intraday-Anstieg in die Angebotszone bei 0,7180 am Mittwoch frische Verkäufe an und verliert im Verlauf der ersten Hälfte der europäischen Sitzung weiter an Boden. Die Abwärtsbewegung zieht die Kassakurse im letzten Handelsstunde auf ein neues Wochentief bei rund 0,7135 und scheint von einem leicht schwächeren US-Dollar (USD) kaum beeinflusst zu werden.
Die Anleger bleiben hoffnungsvoll hinsichtlich vorsichtiger Fortschritte in den diplomatischen Gesprächen zwischen den USA und Iran, was die Befürchtungen schwerer Energieversorgungsunterbrechungen mindert und zu einem moderaten Rückgang der Rohölpreise führt. Der daraus resultierende Rückgang der Renditen von US-Staatsanleihen schwächt den USD, doch das Paar AUD/USD hat Schwierigkeiten, Käufer anzuziehen, da die Wetten auf weitere Zinserhöhungen der Reserve Bank of Australia (RBA) zurückgehen.
Das Australian Bureau of Statistics (ABS) berichtete, dass der Verbraucherpreisindex (CPI) von 4,6 % im Jahresvergleich im März auf 4,2 % im April zurückging. Zudem dämpfen ein unerwarteter Anstieg der australischen Arbeitslosenquote auf 4,5 % im April und ein Rückgang der Beschäftigtenzahlen die hawkischen Erwartungen an die RBA. Tatsächlich preisen Händler nun nur noch eine etwa 10%ige Chance für eine Zinserhöhung im Juni ein.
Darüber hinaus verschieben sich die Markterwartungen weitgehend in Richtung einer möglichen Zinspause oder einer einzigen Zinserhöhung um 25 Basispunkte (bps) später im Jahr, was den Australischen Dollar (AUD) stark belastet. Unterdessen bleiben die USA und der Iran uneins über das Nuklearprogramm Teherans und die Straße von Hormus. Zudem dämpften erneute US-Angriffe auf den Iran die Hoffnungen auf eine Einigung zur Beendigung des seit drei Monaten andauernden Krieges.
Dies hält die geopolitische Risikoaufschläge im Spiel, die zusammen mit Wetten auf mindestens eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte durch die US-Notenbank (Fed) im Jahr 2026 die USD-Bullen begünstigen und darauf hindeuten, dass der Weg des geringsten Widerstands für das Paar AUD/USD nach unten führt. Daher erscheint ein weiterer Abwärtsdruck mit einem erneuten Test des Monatstiefs unterhalb der Marke von 0,7100 als wahrscheinliche Möglichkeit.
Die Reserve Bank of Australia (RBA) legt die Geldpolitik des Landes fest und strebt eine Inflationsrate von 2-3 % an. Zinssatzerhöhungen stärken in der Regel den australischen Dollar, während Zinssenkungen ihn schwächen.
Traditionell galt Inflation als nachteilig für Währungen, da sie den Wert des Geldes mindert. In modernen Volkswirtschaften hat sich jedoch gezeigt, dass moderate Inflation zu Zinserhöhungen durch Zentralbanken führt, was wiederum Kapitalzuflüsse aus dem Ausland anzieht. Investoren suchen nach höheren Renditen, was die Nachfrage nach der lokalen Währung – im Fall Australiens den Australischen Dollar – stärkt.
Makroökonomische Daten wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und der Einkaufsmanagerindex (PMI) haben direkten Einfluss auf die Währungen eines Landes. Eine starke Wirtschaft zieht Kapital an und stärkt die heimische Währung.
Quantitative Lockerung (QE) ist ein geldpolitisches Instrument, das in Krisenzeiten eingesetzt wird, wenn Zinssenkungen allein nicht ausreichen, um die Kreditvergabe in der Wirtschaft wieder anzukurbeln. Die Reserve Bank of Australia (RBA) nutzt QE, indem sie australische Dollar druckt, um damit Vermögenswerte – in der Regel Staats- oder Unternehmensanleihen – von Finanzinstituten aufzukaufen. Damit wird den Banken dringend benötigte Liquidität zur Verfügung gestellt. Eine solche Maßnahme führt in der Regel zu einer Abwertung des australischen Dollars.
Quantitative Straffung (QT) stellt das Gegenstück zur quantitativen Lockerung (QE) dar und wird eingeleitet, sobald sich die Wirtschaft erholt und die Inflation wieder anzieht. Während die Reserve Bank of Australia (RBA) im Rahmen der QE Staats- und Unternehmensanleihen aufkauft, um den Finanzmärkten Liquidität zuzuführen, beendet sie bei QT diese Käufe und reinvestiert nicht in fällige Anleihen. Diese geldpolitische Maßnahme wird in der Regel als positiv für den australischen Dollar bewertet.