Befinden wir uns in einer Rezession und wie erkennt man sie überhaupt?

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Aktualisiert um 23. Mai 2024 01:42
Mitrade Team

In den Nachrichten hört man häufig, dass die USA oder Europa in eine Rezession schlittern könnten. In Deutschland ist bereits seit langem von einer Rezession die Rede. Einige Analysten behaupten, wir befinden uns bereits in einer Rezession und verweisen auf die hohe Inflation, hohe Arbeitslosenzahlen und andere Indikatoren. Andere Experten wollen nichts von einer Rezession wissen, da die Börsen weltweit nach wie vor steigen und Unternehmen Rekordumsätze erzielen. 


Was ist eine Rezession und wie kann man sie erkennen?

Was bedeutet Rezession?

Eine Rezession ist ein deutlicher, weit verbreiteter und langanhaltender Abschwung der Wirtschaftstätigkeit. Eine gängige Faustregel besagt, dass zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eine Rezession bedeuten. Eine gesunde Wirtschaft wächst im Laufe der Zeit, so dass zwei Quartale in Folge mit schrumpfender Produktion auf ernsthafte Probleme hindeuten. 


In Deutschland gibt es daneben auch eine etwas andere Definition der Rezession. Hier wird das Produktionspotenzial als Kennzahl eingesetzt und es wird die Frage gestellt, wie hoch die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Optimalfall wäre, wenn also alle Geräte und Mitarbeiter optimal eingesetzt würden. Je weiter die tatsächliche Zahl unter der optimalen liegt und der Abstand dabei noch zunimmt, desto eher befinden wir uns in einer Rezession.

Ursachen einer Rezession

Alle Rezessionen haben unterschiedliche Ursachen und Auswirkungen. In Volkswirtschaften, die ein Wachstum verzeichnen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie im Rahmen der Wirtschaftszyklen in eine Rezession geraten. Allerdings können auch andere Faktoren eine Rezession verursachen, von denen viele nicht vorhergesehen oder verhindert werden können.


Rezession Inflation: Wenn die Inflation steigt, erhöhen die Zentralbanken die Zinssätze, um die Wirtschaft zu bremsen und die Inflation zu senken. Mit höheren Zinssätzen steigt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession, was zu Entlassungen, weniger Arbeitsplätzen und geringeren Ausgaben von Verbrauchern und Unternehmen führt, neben anderen Effekten, die in einer sich verlangsamenden Wirtschaft auftreten.


Wenn Unternehmen und Verbraucher sich Sorgen um die Wirtschaft machen, halten sie ihr Geld zurück und kürzen ihre Ausgaben. Die Unternehmen sind gezwungen, ihre Ressourcen umzuschichten, die Produktion zu drosseln, Verluste zu begrenzen und Mitarbeiter zu entlassen, wenn sich der wirtschaftliche Abschwung verstärkt.


Überangebot: In einer Hochkonjunktur neigen Unternehmen dazu, ihre Produktion zu steigern, um die Nachfrage der Verbraucher zu befriedigen. Wenn die Nachfrage ihren Höhepunkt erreicht und zu sinken beginnt, kann das Überangebot an Waren und Dienstleistungen, die nicht konsumiert werden, zu einer Rezession führen, bei der Unternehmen weniger produzieren und Stellen abbauen, während die Menschen an Kaufkraft verlieren und der Konsum weiter sinkt.


Ungewissheit: Nicht zu wissen, wie sich die Wirtschaft verändern wird, macht unternehmerische Entscheidungen risikoreicher. Kriege und Pandemien sind zwei Situationen, die die Verbrauchertrends kurz-, mittel- und langfristig unvorhersehbar machen und so zu wirtschaftlicher Unsicherheit führen können. Da Unternehmen und Menschen Ausgaben- und Investitionsentscheidungen zurückhalten, geht die Wirtschaftstätigkeit zurück. Dies kann eine Kettenreaktion auslösen, die die Wirtschaftstätigkeit senkt und zu einer Rezession führt.


Steigende Energiepreise: Energie treibt die Wirtschaft an und wenn sie zu teuer wird, schmerzt das die Wirtschaft sehr. Ein plötzlicher Anstieg der Ölpreise aufgrund zunehmender geopolitischer Spannungen kann den rohölimportierenden Volkswirtschaften sehr schaden. Ein Land wie Deutschland, das Öl und andere Energieerzeuger importiert, kann von plötzlich steigenden Öl- oder Gaspreisen schwer getroffen werden, wie man aktuell gut sehen kann. 


Spekulation: Im Allgemeinen bilden sich Wirtschaftsblasen, wenn der Preis eines Gutes aufgrund von Spekulationen, Markttrends oder Verbrauchervertrauen plötzlich ansteigt. Die Anleger kaufen es in der Hoffnung, durch den Preisanstieg eine Rendite zu erzielen. Wenn sie jedoch mit dem Verkauf beginnen, übersteigt das Angebot die Nachfrage (d. h. es gibt weniger neue Käufer) und die Preise sinken, so dass die Blase platzt. Solche Wirtschaftsblasen gab es in den Jahren 2000 mit der Dotcom-Blase und 2008 mit der Immobilienblase in den USA. 


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Die Immobilienblase von 2008 führte direkt zu einer weltweiten Finanzkrise, die wiederum in eine Rezession führte. Ein kurzer Einblick in diese Krise zeigt, wie das Platzen einer Blase direkt in eine Rezession führt:


Im Jahr 2007 boten Banken und Kreditinstitute niedrige Zinssätze für Hypotheken an und ermutigten viele Hausbesitzer, Kredite aufzunehmen, die sie sich nicht leisten konnten. Die Banken begannen, rücksichtslos Kredite an Familien und Einzelpersonen zu vergeben, die nicht über die nötigen Mittel verfügten, um die ihnen gewährten Hypotheken zu bedienen. Solche risikoreichen (Subprime-)Kredite wurden dann gebündelt und weitergereicht.


Als die Zahl der Subprime-Hypothekenbündel in einem überwältigenden Ausmaß zunahm und ein großer Prozentsatz in Verzug geriet, gerieten die Kreditinstitute in finanzielle Schwierigkeiten. Dies führte zu den desolaten finanziellen Bedingungen in der ganzen Welt während des Zeitraums 2008-2009 und setzte sich in den folgenden Jahren fort.


Viele Menschen, die Subprime-Hypotheken aufnahmen, gerieten schließlich in Verzug. Als sie nicht zahlen konnten, mussten die Finanzinstitute große Verluste hinnehmen. 


Der Immobilienmarkt wurde von der Krise stark in Mitleidenschaft gezogen. Innerhalb weniger Monate kam es zu Zwangsräumungen und Zwangsversteigerungen. Der Aktienmarkt stürzte daraufhin ab, und weltweit gingen große Unternehmen in Konkurs und verloren Millionen. Dies führte natürlich zu weit verbreiteten Entlassungen und längerer Arbeitslosigkeit weltweit. Die abnehmende Verfügbarkeit von Krediten und das schwindende Vertrauen in die finanzielle Stabilität führten zu weniger und vorsichtigeren Investitionen, und der internationale Handel kam zum Erliegen.


Diese Rezession wurde erst durch einschneidende Maßnahmen der Regierungen beendet.

Rezession in Deutschland?

Da wir nun wissen, was eine Rezession ist und wie sie entsteht, können wir uns anschauen, ob sich Deutschland zurzeit (April 2024) in solch einer Rezession befindet, oder ob sich die Deutschen einfach nur gerne beschweren. 


Wir sprechen von einer Rezession, wenn das BIP in zwei Quartalen in Folge gefallen ist, es sollte also einfach sein, dies herauszufinden. Im Jahr 2023 ist die das BIP im ersten Quartal gestiegen, aber stagnierte dann im zweiten und dritten Quartal und fiel schließlich im vierten Quartal. Auch wenn man die zwei Quartale, in denen das BIP unverändert blieb, nicht mitrechnet, kann man von einer Rezession in Deutschland sprechen, wenn das erste Quartal 2024 ebenfalls gefallen ist.


Leider gibt es zurzeit keine offiziellen Daten über das erste Quartal 2024, aber das ifo-Konjunkturinstitut geht von einem negativen BIP für Q1 aus. Hier  heißt es:


Alles in allem dürfte die Wirtschaftsleistung im laufenden Quartal ihren Rückgang zunächst fortsetzen und um 0,1% im Vergleich zum Vorquartal sinken. Anders als erwartet, befindet sich die deutsche Wirtschaft im Winterhalbjahr 2023/24 in einer Rezession.


Damit hat Deutschland also zwei Quartale fallende BIPs zu verzeichnen und befindet sich in einer Rezession, sollten die offiziellen Zahlen nach Veröffentlichung mit der ifo-Prognose übereinstimmen.


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Man könnte vielleicht sogar argumentieren, dass die zwei Quartale im letzten Jahr, in denen das BIP unverändert blieb, zwar nicht offiziell eine Rezession eingeläutet haben, aber doch so schwach waren, dass es sich wie eine Rezession anfühlte. Man darf auch nicht vergessen, dass wir hier über Deutschland sprechen, die größte Volkswirtschaft Europas und historisch ein ökonomisches Powerhouse.


Wie konnte es passieren, dass Deutschland, das Land des Wirtschaftswunders und der fleißigen Bürger, in eine Rezession schlitterte?

Ursachen der Rezession in Deutschland

Mit den oben genannten Ursachen für Rezessionen können wir nun herausfinden, welche Deutschland in eine Rezession gezogen haben.


Deutschland hatte in den letzten Monaten mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen, die das Wirtschaftswachstum beeinträchtigten. Eines der drängendsten Probleme ist der Rückgang der Bau- und Wohnungsbautätigkeit. Der HCOB-Einkaufsmanagerindex für das Baugewerbe in Deutschland ist im Oktober 2023 auf ein Dreijahrestief gefallen, was darauf zurückzuführen ist, dass die deutschen Wohnungsbauprojekte so schnell zurückgingen wie seit 1999 nicht mehr.


Auch die Anhebung der Zinssätze durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Kapital verteuert, so dass mehr laufende Projekte verschoben oder gestrichen wurden.


Die anhaltenden Auswirkungen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine sind auch in Deutschland durch ihre Auswirkungen auf die Energiepreise noch immer zu spüren. Obwohl die derzeitige Regierungskoalition in Deutschland Preispakete zur Unterstützung des verarbeitenden Gewerbes bei den Energierechnungen geschnürt hat, ist die langfristige Wirksamkeit dieser Maßnahmen noch nicht abzusehen.


Entsprechend der allgemein vorsichtigen Stimmung sind auch die Nachfrage und die Ausgaben der ausländischen Industrie zurückgegangen. Dies wirkt sich auf die Verbraucherausgaben aus, die sich noch immer von den höheren Urlaubsausgaben und den gestiegenen Energiekosten in der Winterzeit erholen.

Hohe Energiepreise, vor allem aufgrund des Kriegs in der Ukraine, hohe Zinsen und geringe Investitionen aufgrund der Unsicherheit über die deutsche Wirtschaft sind also die Hauptgründe für die aktuelle Rezession in Deutschland. 


Wie fühlt sich jedoch eine Rezession an und wie wirkt sie sich auf die Menschen einer Volkswirtschaft aus?

Bedeutung einer Rezession für den Bürger

Eine bedauerliche Tatsache bei Rezessionen ist, dass viele Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Wenn die Ausgaben sinken und die Wirtschaft schrumpft, sinken auch die Unternehmensgewinne. Um ihre Gewinnmargen zu halten, stellen sie oft weniger Leute ein und entlassen, um das Budget zu kürzen. Mit zunehmender Arbeitslosigkeit sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen einstellen, was die Suche nach einer neuen Stelle erschwert.


Eine Nebenwirkung eines schrumpfenden Arbeitsmarktes ist, dass die Arbeitnehmer ihre Verhandlungsmacht verlieren. Wenn weniger Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen, können die Arbeitgeber niedrigere Löhne und geringere Sozialleistungen festlegen. Boni und Gehaltserhöhungen werden unter Umständen gekürzt. In der Rezession könnten Arbeitnehmer sogar die Möglichkeit verlieren, flexible Arbeitszeiten oder Fernarbeit zu beantragen.


Aber auch wer seine Arbeit behält, wird von hohen Preisen getroffen, die die Kaufkraft senken. Die Löhne halten nicht mit der steigenden Inflation mit und der Verbraucher wird ärmer. 


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Eine weitere Auswirkung von Rezessionen auf den Durchschnittsbürger besteht darin, dass der Zugang zu Krediten oft erschwert wird. Selbst wenn man über das nötige Einkommen verfügt, um einen Kredit zu erhalten, sind die Kreditgeber vorsichtiger, wenn es um die Sicherheit des Arbeitsplatzes geht. Sie werden die Finanzen, Kreditwürdigkeit und die Kreditvergangenheit des Kreditnehmers genauer unter die Lupe nehmen. Der eingeschränkte Zugang zu zinsgünstigen Krediten kann Verbraucher dazu zwingen, größere Anschaffungen wie Immobilien, Autos oder Haushaltsgeräte aufzuschieben.


Eine der häufigsten Auswirkungen von Rezessionen auf den Durchschnittsbürger ist, dass sein Stress aufgrund der finanziellen Lage zunimmt. Die Lebensfreude sinkt und das hat nicht nur persönliche Auswirkungen, sondern letztlich auch wirtschaftliche.

Fazit und Ausblick

Deutschland befindet sich also in einer Rezession und die Volkswirtschaften anderer Länder schneiden nicht unbedingt viel besser ab. Für den durchschnittlichen Bürger bedeutet dies, seinen Job zu wertschätzen, solange er ihn noch hat. Er sollte sich auch nach Fortbildungsmöglichkeiten umschauen, um seinen Wert auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. 


Auch ein Nebenjob ist ein Weg, sich gegen den wirtschaftlichen Abschwung zu sichern. In diesem Zusammenhang ist das Trading eine wirklich gute Option, da man es nach Feierabend ausüben und leicht im Internet erlernen kann. Broker wie MiTrade bieten Schulungen für neue Trader an und helfen beim Einstieg in die Materie.


Für die Gesamtwirtschaft ist es zwar nicht gut, aber der Verbraucher sollte seinen Gürtel enger schnallen, um über die Runden zu kommen. Wer Geld übrig hat, sollte seine Schulden schnell abbezahlen, bevor die Zinsen weiter steigen.


Experten sind skeptisch, dass sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland bald verbessert. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet für 2024 beim Bruttoinlandsprodukt mit einem Minus von 0,3 Prozent. ifo-Präsident Clemens Fuest zufolge sind Deutschlands wirtschaftliche Aussichten für 2024 "eher bescheiden".


Für einen Trader muss eine Rezession jedoch nicht unbedingt negativ sein, da er auch auf fallende Kurse setzen kann. Dadurch bietet der Aktienmarkt auch in einer Abwärtsphase die Möglichkeit, profitabel zu sein. Wie der berühmte Investor, Warren Buffet, einmal schrieb: "Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere ängstlich sind". 


Das bedeutet im Wesentlichen, dass man, wenn andere Angst haben, Geld zu investieren - etwa vor oder während einer Rezession -, die Vorteile nutzen sollte, indem man Aktien und andere Vermögenswerte zu günstigen Preisen aufkauft.


Es gibt jedoch noch viele weitere Investitionsmöglichkeit, wie zum Beispiel Gold, das vor einigen Wochen einen neuen Rekordpreis erreichte. Kriege und Naturkatastrophen bieten unabhängig von einer Rezession immer kurzfristige Trading-Chancen, aber auch die US-Wahlen im November 2024 könnten Tradern einige gute Optionen eröffnen. 


Für einen Trader gibt es also keinen Grund, seine Lebensfreude zu verlieren. Im Gegenteil, ein Trader kann sich darüber freuen, dass die Märkte in Bewegung sind, was ihm Gelegenheiten für Trades gibt. Die Richtung der Märkte ist für Trader im Prinzip unerheblich. Das Wichtigste ist, dass sie sich bewegen. 

Dieser Text spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider. Leser sollten diesen Artikel nicht als Grundlage für Investitionen betrachten. Bevor Sie eine Investitionsentscheidung treffen, sollten Sie den Rat eines unabhängigen Finanzberaters einholen, um sicherzustellen, dass Sie die Risiken verstehen. Differenzkontrakte (CFDs) sind Hebelprodukte, die zum Totalverlust Ihres Kapitals führen können. Diese Produkte sind nicht für jeden geeignet, investieren Sie daher vorsichtig. Für weitere Details informieren Sie sich bitte.