Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jan Hatzius: Markterwartungen für Fed-Zinserhöhungen zu aggressiv, Anhebung im September 'äußerst unwahrscheinlich'

Quelle Tradingkey

TradingKey – Goldman Sachs (GS) – Chefvolkswirt Jan Hatzius erklärte in einem am 16. August veröffentlichten Forschungsbericht, dass die Erwartungen der Anleger hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen der US-Notenbank weiterhin „zu aggressiv“ seien. Angesichts schwächelnder Einzelhandelsumsätze und schwacher Arbeitsmarktdaten, kombiniert mit einer anhaltenden Verlangsamung der Inflation, sei eine Zinserhöhung der Fed im September nun „äußerst unwahrscheinlich“.

Hatzius führte in dem Bericht aus: „Auf der Grundlage unserer wirtschaftlichen Basisprognose dürfte sich der Inflationsausblick eher weiter verbessern als verschlechtern. Wir sind weiterhin der Ansicht, dass die Markteinpreisung für den Leitzins der US-Notenbank übermäßig hawkish ist.“

Händler haben die Erwartungen für die nächste Zinserhöhung der Fed um 25 Basispunkte auf Januar nächsten Jahres verschoben, während der Markt noch vor einer Woche sicher von einer Anhebung im Dezember ausging. Dies signalisiert, dass sich die Erwartungen allmählich lockern. Goldman Sachs schätzt jedoch ein, dass sich die Markterwartungen zwar zurückverschoben haben, die Anpassung aber noch nicht weit genug gegangen ist.

Diese Einschätzung wird durch mehrere jüngst veröffentlichte Wirtschaftsdaten untermauert. Daten des US-Handelsministeriums vom 14. August zeigten, dass die Einzelhandelsumsätze im Juli im Monatsvergleich um 0,6 % fielen – der stärkste Rückgang seit Mai 2025 –, während am Markt ein Plus von 0,1 % erwartet worden war. Online-Umsätze sowie Verkäufe von Kraftfahrzeugen und Fahrzeugteilen gaben um 2,2 % bzw. 1,8 % nach und erwiesen sich damit als Hauptbelastungsfaktoren.

Auch die Arbeitsmarktdaten zeigten Schwäche. Daten des US-Arbeitsministeriums ergaben, dass die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft im Juli um 23.000 Stellen sank und damit weit hinter den Markterwartungen eines Zuwachses von 80.000 zurückblieb. Zudem wurden die Zahlen für Mai und Juni um insgesamt 103.000 nach unten revidiert.

Goldman Sachs schätzt, dass sich der Trend des Stellenaufbaus auf rund 5.000 pro Monat verlangsamt hat und damit weit unter den etwa 50.000 liegt, die für das Halten einer stabilen Arbeitslosenquote erforderlich wären. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Juli im Jahresvergleich um 3,2 %, was die niedrigste Wachstumsrate seit knapp fünf Jahren darstellt.

An der Inflationsfront wird für den US-Kern-PCE im Juli ein Anstieg von 0,2 % gegenüber dem Vormonat erwartet, was über den 0,13 % im Juni liegt. Der Bericht wies darauf hin, dass mehr als die Hälfte des Anstiegs auf umstrittene Teilkomponenten wie Portfoliomanagement-Dienstleistungen zurückzuführen ist, für die bis Ende September eine kräftige Abwärtsrevision erwartet wird.

Darüber hinaus erklärte Goldman Sachs, dass auch andere vorübergehende Inflationstreiber wie Zölle, Software und Zubehör sowie Energiepreise nachlassen und die Kern-PCE-Inflation bis 2027 allmählich wieder in die Nähe von 2 % zurückgehen wird.

In dem Bericht wurde zudem darauf hingewiesen, dass taubenhafte Währungshüter nach zwei aufeinanderfolgenden Monaten mit sichtlich schwachen Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten wenig Grund haben, zur Unterstützung von Zinserhöhungen überzugehen. Ebenso sind die Risiken auf der Verbraucherseite nicht zu vernachlässigen: Sollte die Straße von Hormus geschlossen bleiben und die Benzinpreise erneut nach oben treiben, würden Haushalte mit geringem und mittlerem Einkommen die Hauptlast tragen.

Die politiksensitive Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen ist auf rund 4,1 % gefallen. Insgesamt liefert dieser Bericht neue Unterstützung für die Ansicht, dass die „langfristigen Zinsen ihren Höchststand erreicht haben“.

Haftungsausschluss: Nur zu Informationszwecken. Die bisherige Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
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