TradingKey – Das Rennen um die KI-Infrastruktur heizt sich weiter auf, und Südkorea versucht, diese Chance zu nutzen, um von einer führenden Chipnation zu einer KI-Großmacht aufzusteigen.
Am 25. Juli Ortszeit besuchte der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung, der sich derzeit zu einem Besuch in den USA aufhält, nacheinander mehrere Branchenveranstaltungen im Silicon Valley und kündigte an, dass Südkorea seine nationale KI-Strategie umfassend vorantreiben werde, in der Hoffnung, das KI-Zeitalter zu nutzen, um sich von einem „technologischen Nachzügler“ zu einem „globalen Vorreiter“ zu entwickeln.
Fast zeitgleich kündigten auch südkoreanische Technologieunternehmen und die US-amerikanische KI-Lieferkette in rascher Folge eine Reihe hochkarätiger Partnerschaften an. Nach Informationen des südkoreanischen Präsidialamtes haben sich Unternehmen wie Samsung Electronics, die SK Group und NAVER mit Nvidia ( NVDA ), Broadcom ( AVGO ), OpenAI, Anthropic und anderen US-Technologieunternehmen zusammengeschlossen, um mehrere langfristige Vereinbarungen zu treffen, wobei das Gesamtvolumen der Zusammenarbeit 950 Milliarden US-Dollar erreicht.
Dies stellt nicht nur einen neuen Rekord für die südkoreanisch-amerikanische Zusammenarbeit in der KI-Industrie auf, sondern stärkt auch die strategische Position Südkoreas in der globalen KI-Lieferkette weiter.
Angetrieben von diesen Nachrichten legten die Aktien der südkoreanischen KI-Lieferkette auf breiter Front zu. Zum Handelsauftakt am Montag stieg SK Hynix um fast 2 %, Samsung Electronics legte um knapp 3 % zu und NAVER schoss um über 8 % nach oben.
Auf dem in San Francisco stattfindenden KI-Gipfel verglich Lee Jae-myung die KI mit einem weiteren zivilisatorischen Sprung seit der Beherrschung des Feuers durch die Menschheit.
Er erklärte, dass sich die zukünftige Gesellschaft der Entwicklung der KI nicht mehr entziehen könne, und Südkorea hoffe, das durch diese Welle der technologischen Revolution eröffnete Zeitfenster zu nutzen, um die KI zu einem neuen Motor für die nationale Wettbewerbsfähigkeit auszubauen.
Lee schlug vor, dass Südkorea nicht nur seinen Vorsprung im Halbleiterbereich wahren sollte, sondern auch darauf abzielt, ein maßgeblicher Akteur bei der globalen KI-Innovation zu werden, anstatt lediglich eine reine Produktionsrolle einzunehmen. Zudem betonte er, dass ein transparentes, stabiles und berechenbares institutionelles Umfeld ebenso entscheidend sei, um Technologieinvestitionen anzuziehen und industrielle Innovationen zu fördern.
Um mehr internationales Kapital und innovative Unternehmen nach Südkorea zu locken, plant die Regierung zudem, das Startup-Umfeld weiter zu optimieren. Dazu gehören die Verbesserung des Visasystems, die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen und Unternehmen sowie die Förderung des Einstiegs von langfristigem Kapital wie Pensionsfonds in den Risikokapitalmarkt, um eine nachhaltige finanzielle Unterstützung für die KI-Branche zu gewährleisten.
Während dieses Besuchs steht die Aufmerksamkeit des Marktes zweifellos im Zeichen der groß angelegten Kooperationsprojekte, die von südkoreanischen und US-amerikanischen Unternehmen gemeinsam angekündigt wurden.
Dem südkoreanischen Präsidialamt zufolge haben südkoreanische Unternehmen, darunter Samsung Electronics und die SK Group, Kooperationsvereinbarungen mit US-amerikanischen Technologieunternehmen im Gesamtwert von rund 950 Milliarden US-Dollar unterzeichnet, wobei sich die große Mehrheit auf KI-Chips, hochentwickelte Speicherchips, Foundry-Dienstleistungen und den Bau von Rechenzentren konzentriert.
Darunter kündigte Samsung Electronics eine langfristige Absichtserklärung (MOU) mit Broadcom über die Zusammenarbeit bei hochentwickelten Speicherchips, KI-Beschleunigern und Foundry-Dienstleistungen in den kommenden Jahren an, wobei die Vereinbarung einen geschätzten Wert von rund 200 Milliarden US-Dollar hat. Samsung wird nicht nur High-End-HBM-Produkte liefern, sondern auch seine fortschrittlichen Prozesse und Advanced-Packaging-Kapazitäten öffnen, um Broadcom bei der Herstellung von KI-Chips der nächsten Generation zu unterstützen.
Eine weitere, noch größere Kooperation geht von der SK Group aus. Den veröffentlichten Informationen zufolge plant die SK Group, in den nächsten fünf Jahren hochentwickelte Speicherchips im Wert von rund 750 Milliarden US-Dollar an US-Technologieunternehmen, darunter Nvidia, zu liefern und eine langfristige Zusammenarbeit im Bereich der KI-Infrastruktur aufzubauen.
Angesichts des anhaltenden Ausbaus globaler KI-Server liegt die Nachfrage nach High Bandwidth Memory (HBM) weiterhin weit über dem Angebot. Langfristige Aufträge helfen US-Tech-Konzernen nicht nur dabei, sich Schlüsselkomponenten zu sichern, sondern bedeuten auch, dass sich die Umsatzvisibilität von SK Hynix für die nächsten Jahre weiter verbessert.
Neben der Chipbeschaffung baut Nvidia seine Investitionen in die südkoreanische KI-Infrastruktur weiter aus.
Nvidia gab bekannt, gemeinsam mit der SK Group einen Kooperationsplan im Wert von über 500 Milliarden US-Dollar voranzutreiben, der mehrere Bereiche wie KI-Rechenzentren, KI-Fabriken sowie die Forschung und Entwicklung von HBM der nächsten Generation abdeckt.
Dem Plan zufolge wird SK Telecom in Südkorea Rechenzentren mit einer Gesamtkapazität von 2 GW errichten. Dabei sollen die neueste Vera-Rubin-Rechenplattform von Nvidia sowie HBM4-Produkte von SK Hynix zum Einsatz kommen; das erste Projekt soll voraussichtlich 2027 in Betrieb gehen.
Unterdessen kündigte Nvidia auch seine Beteiligung an dem Projekt zur Erweiterung von Rechenzentren des südkoreanischen Internetunternehmens NAVER an.
Nach dem neuesten Plan wird das von NAVER und Brookfield gemeinsam errichtete Rechenzentrum vollständig auf der GPU-Plattform von Nvidia basieren. Nvidia wird hierfür Unterstützung im Wert von rund 1 Milliarde US-Dollar bereitstellen, während Brookfield eine Finanzierung von bis zu 9 Milliarden US-Dollar plant, wodurch sich das Gesamtvolumen des Projekts auf mehr als das Dreifache des ursprünglichen Plans erhöht.
Jensen Huang erklärte, dass Südkorea mit seiner weltweit führenden Halbleiterindustrie, seinem ausgereiften Rechenzentrumsnetzwerk und seinem umfassenden Fertigungssystem ein wichtiger Partner beim Aufbau der globalen KI-Infrastruktur sei.
Dieser KI-Gipfel im Silicon Valley brachte nicht nur führende Köpfe US-amerikanischer KI-Unternehmen wie Jensen Huang, Sam Altman und Anthropic-CEO Dario Amodei zusammen, sondern zog auch südkoreanische Branchenvertreter an, darunter den Chairman von Samsung Electronics, Jay Y. Lee, den Chairman der SK Group, Chey Tae-won, den Executive Chair der Hyundai Motor Group, Euisun Chung, und den NAVER-Gründer Lee Hae-jin.
Die südkoreanische Regierung nutzte diese Gelegenheit, um offiziell die „San Francisco AI Declaration“ zu veröffentlichen, in der sie die Schaffung eines engeren Rahmens für die KI-Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und den Aufbau eines offenen KI-Ökosystems vorschlägt.
Für Südkorea signalisiert dies, dass sich seine nationale Strategie im Wandel befindet.
In der Vergangenheit stützte sich Südkorea in erster Linie auf Speicherchips, Unterhaltungselektronik und die Fertigungsindustrie, um seinen globalen Wettbewerbsvorteil aufzubauen. Da KI nun zur zentralen Triebkraft der künftigen industriellen Entwicklung wird, hofft das Land, weiter in die Infrastruktur für Rechenleistung, KI-Plattformen und fortschrittliche Fertigung zu expandieren, um sich eine höherwertige Position in der globalen KI-Wertschöpfungskette zu sichern.