TradingKey – Stand 14. Juli (US-Ostküstenzeit) lag der jüngste Aktienkurs von IBM ( IBM) bei 217,07 US-Dollar, was einem Einbruch von 25,21 % an diesem Tag entsprach, wobei das Intraday-Tief auf 213,22 US-Dollar sank. Dieser seltene Absturz des IBM-Aktienkurses wurde direkt durch die vorzeitige Warnung des Unternehmens ausgelöst, dass der Umsatz im zweiten Quartal hinter den Markterwartungen zurückbleiben würde. Dabei wurde darauf verwiesen, dass sich die Investitionsausgaben der Kunden von traditioneller Software und Dienstleistungen auf die Infrastruktur von Rechenzentren verlagern.
Die Warnung von IBM deutet darauf hin, dass das Unternehmen für das zweite Quartal einen Umsatz von rund 17,2 Milliarden US-Dollar erwartet, was einem Anstieg von nur etwa 1 % im Jahresvergleich entspricht und die Erwartungen des Marktes von 17,86 Milliarden US-Dollar verfehlt. Der bereinigte Gewinn je Aktie wird voraussichtlich bei 2,93 US-Dollar liegen, was ebenfalls unter der Marktschätzung von 3,02 US-Dollar liegt. Für ein Unternehmen, das vom Markt lange Zeit als Sinnbild für stabilen Cashflow und Unternehmenssoftware angesehen wurde, hat dieses gleichzeitige Verfehlen der Erwartungen bei Umsatz und Gewinn das Vertrauen der Anleger direkt erschüttert.
Noch schwerer wiegt, dass die Erklärung des IBM-Managements für die schwächer als erwartet ausgefallene Entwicklung am Markt Sorgen über strukturelle Veränderungen bei den IT-Ausgaben von Unternehmen ausgelöst hat. Angesichts rasant steigender Investitionen in die KI-Infrastruktur priorisieren Unternehmenskunden die Beschaffung von Servern, Speichern, Arbeitsspeichern und Hardware für Rechenzentren, um sich gegen potenzielle künftige Lieferengpässe und Preiserhöhungen abzusichern. Dies bedeutet, dass Budgets, die ursprünglich für traditionelle Software, Beratung und IT-Dienstleistungen vorgesehen waren, teilweise in Infrastrukturbereiche umgelenkt werden, die die KI-Rechenleistung und den Bau von Rechenzentren direkter unterstützen.
Aus Marktperspektive basierte die Handelslogik für IBM in den letzten Jahren primär auf Hybrid Cloud, Red Hat, Automatisierung, Beratungsdienstleistungen und KI-Software für Unternehmen. Da die Software- und Beratungssparten höhere Margen und relativ stabile Umsätze aufweisen, war der Markt bereit, dem Unternehmen einen gewissen Bewertungsaufschlag zuzugestehen. Wenn Unternehmenskunden jedoch ihren Ausgabenschwerpunkt vorübergehend auf KI-Server und die zugrunde liegende Infrastruktur verlagern, könnten dem margenstarken Softwaregeschäft und den Beratungsprojekten von IBM Auftragsverzögerungen, Projektverschiebungen und eine langsamere Umsatzrealisierung drohen, was den Aktienkurs nach unten ziehen dürfte.
Der Kern des jüngsten Kurssturzes von IBM liegt in den Sorgen des Marktes, dass die KI-Ausgaben von Unternehmen an traditionellen Softwarehäusern vorbeigehen und stattdessen bevorzugt in die Rechenzentrumsinfrastruktur fließen. Kurzfristig belastet dies die Bewertungslogik der Software-, Beratungs- und Hybrid-Cloud-Geschäfte von IBM, während es Investoren zugleich dazu veranlasst, die Substanz der KI-Transformation des Unternehmens neu zu bewerten.
Ob sich der Aktienkurs von IBM künftig stabilisieren kann, hängt von drei Schlüsselfaktoren ab: Erstens, ob der offizielle Quartalsbericht am 22. Juli zeigt, dass die Software- und Beratungsbereiche lediglich vorübergehende Auftragsverzögerungen verzeichnen und nicht etwa eine generelle Verschlechterung des Nachfragetrends vorliegt; zweitens, ob das Management erklären kann, wie sich die KI-Ausgaben von Unternehmen künftig in den Software-, Hybrid-Cloud- und Automatisierungsumsätzen von IBM niederschlagen werden; und drittens, ob der Aktienkurs die Unterstützung nahe 212 US-Dollar halten und die Marke von 243 US-Dollar zurückerobern kann.

IBM-Aktienkurs Wochenchart, Quelle: TradingView
Mit Blick auf die jüngste Entwicklung des IBM-Aktienkurses verzeichnete das Papier gestern eine deutliche Kurslücke nach unten, wobei die Verluste zeitweise 25 % überstiegen, was auf einen konzentrierten Verkaufsdruck am Markt hindeutet. Zugleich fiel der Aktienkurs unter das am 18. Juni markierte Tief von 243,68 US-Dollar. Damit wurde der kurzfristige Aufwärtstrend gebrochen, und das kurzfristige technische Bild hat sich deutlich verschlechtert.
Derzeit ist der Aktienkurs bis nahe an das Maitief von 212,34 US-Dollar gefallen – ein Niveau, das eine gewisse Unterstützung bietet. Sollte die Aktie diese Marke nicht halten können, drohen weitere Kursverluste in Richtung der Unterstützung bei 204 US-Dollar. Setzt sich der Abwärtstrend fort, könnte der Kurs bis auf rund 190 US-Dollar zurückgehen. Gelingt es der Aktie hingegen, sich über 212 US-Dollar zu stabilisieren, könnte es kurzfristig zu einer technischen Gegenbewegung kommen. Dabei dürfte das erste Aufwärtsziel darin bestehen, den Widerstand bei 243 US-Dollar zu testen. Darüber hinaus könnte die Aktie die gestrige Kurslücke schließen und einen Ausbruch nach oben in Richtung 290 US-Dollar anstreben.