Die Europäische Union verschärft ihre Bemühungen, die Industrie im Euroraum zu stärken und die Abhängigkeit vom Ausland zu verringern. Ökonomen von RaboResearch erläutern, dass Brüssel gezielt strategische Branchen fördern, handelspolitische Schutzinstrumente ausbauen und Lieferketten breiter aufstellen will. Gleichzeitig könnten Gegenmaßnahmen der USA und Chinas sowie Meinungsverschiedenheiten innerhalb der EU die Umsetzung verzögern und das Wachstum im Euroraum belasten.
„Die Stärkung und der Schutz der europäischen Industrie stehen in Brüssel bereits seit geraumer Zeit weit oben auf der politischen Agenda. Der Sektor steht unter Druck durch den zunehmenden Wettbewerb aus China, hohe Energiepreise sowie die kurzfristigen Kosten der Dekarbonisierung. Das belastet sowohl das aktuelle als auch das langfristige Wirtschaftswachstum.“
„Neben der Förderung der heimischen Industrie will die EU ihre Unternehmen auch besser vor ‚schädlichen‘ Importen schützen, die die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie beeinträchtigen.“
„Die Europäische Kommission und viele Mitgliedstaaten bekennen sich ausdrücklich zu einer offenen Volkswirtschaft und bevorzugen den Dialog mit Handelspartnern gegenüber protektionistischen Maßnahmen. So führt die EU derzeit Gespräche mit China. Gleichzeitig wird jedoch geprüft, wie handelspolitische Schutzinstrumente künftig stärker genutzt werden können.“
„Die Europäische Kommission, Kommissar Séjourné und die Mitgliedstaaten wollen zusätzliche Möglichkeiten schaffen, um die heimische Wirtschaft vor den Auswirkungen des Außenhandels zu schützen. Dazu gehört sowohl eine breitere Anwendung der bestehenden Instrumente als auch eine Erweiterung des handelspolitischen Instrumentariums.“
„Vorschläge der Europäischen Kommission werden im Herbst erwartet. Bis eine Einigung erzielt und die Maßnahmen umgesetzt werden, dürfte jedoch noch einige Zeit vergehen.“