Die Analystin Tatha Ghose von der Commerzbank verweist auf einen deutlichen Anstieg der Volatilität des rumänischen Leu, nachdem die Regierung in Bukarest ein Misstrauensvotum verloren hat. Ministerpräsident Ilie Bolojan ist seither nur noch geschäftsführend im Amt. Der Zusammenbruch der proeuropäischen Koalition belastet die Aussichten auf Haushaltskonsolidierung und den Zugang zu EU-Mitteln. Aufgrund des gesteuerten Wechselkurssystems und der begrenzten Beteiligung ausländischer Investoren bewegt sich der EUR/RON-Kurs normalerweise wenig, doch in Phasen politischer Krisen kann es zu stärkeren Ausschlägen kommen.
"Die rumänische Währung, der Leu, hat in der vergangenen Woche deutlich an Volatilität gewonnen, nachdem die Regierung mit einem Misstrauensvotum konfrontiert war und dieses gestern verlor. Die Koalitionsregierung von Ministerpräsident Ilie Bolojan ist damit Geschichte. Die Abstimmung erfolgte nur zehn Monate, nachdem Bolojan ein Vier-Parteien-Bündnis gebildet hatte, um dem Aufstieg der extremen Rechten entgegenzuwirken."
"Die scheidende Koalition war proeuropäisch ausgerichtet und setzte Sparmaßnahmen um, mit dem Ziel, den Zugang zu EU-Mitteln zu erleichtern – dieses Vorhaben geriet jedoch in Konflikt mit innenpolitischen Interessen und scheiterte letztlich. Damit steht die Umsetzbarkeit von Haushaltskonsolidierung, Reformen und der Zugriff auf EU-Gelder in Rumänien mittelfristig infrage."
"Die Unsicherheiten dürften zunächst anhalten, weshalb es noch einige Zeit dauern könnte, bis sich die Volatilität des Leu beruhigt. In der Regel gibt es nur wenige Ereignisse, die diese Währung in dieser Form erschüttern, da es sich um ein gesteuertes Wechselkurssystem handelt. Gleichzeitig ist die internationale Investorenbeteiligung begrenzt, sodass die Zentralbank im Normalfall die Kontrolle behält. Der EUR/RON-Kurs wird nur in bedeutenden Krisensituationen volatil – und genau eine solche Phase liegt derzeit vor."