Der Devisenexperte Michael Pfister von der Commerzbank sieht die Schweizerische Nationalbank (SNB) angesichts der niedrigen Inflation und eines unwahrscheinlichen erneuten Schocks wie 2022/2023 zunehmend auf die Stärke des Frankens fokussiert. Die aktuellen Markterwartungen deuten zwar auf nahezu eine Zinserhöhung bis Jahresende hin, doch könnte die Notenbank der Stabilität des Wechselkurses Vorrang einräumen. Die jüngsten Zugewinne des Euro zum Franken sowie der kurze Rückgang unter die Marke von 0,90 prägen die geldpolitische Diskussion.
"Vor diesem Hintergrund sollten die aktuellen Markterwartungen von nahezu einer vollständigen Zinserhöhung bis zum Jahresende bewertet werden. Die SNB ist in der Tat eine sehr aktive Zentralbank und versucht, Inflationsrisiken so schnell wie möglich im Keim zu ersticken."
"Wir gehen daher stark davon aus, dass die SNB derzeit stärker über den festen Franken besorgt ist als über mögliche Inflationsrisiken."
"In den vergangenen Tagen hat EUR/CHF wieder langsam zugelegt, und der Rückgang unter die Marke von 0,90 scheint zumindest vorerst nur ein kurzer Ausflug gewesen zu sein."
"Seit Beginn des Krieges hat der Franken gegenüber dem Euro nun 'nur' noch um einen halben Rappen zugelegt, und gegenüber dem US-Dollar hat er sogar deutlich an Wert verloren."
"Dennoch dürften angesichts der jüngst ungewöhnlichen Androhung von Interventionen die heutigen Fragen auch darauf abzielen, ob die SNB in den kommenden Monaten stärker am Devisenmarkt eingreifen wird."
"Wir vermuten, dass sie sich mit klaren Aussagen zurückhalten wird und möglicherweise auf Aufwärtsrisiken bei der Inflation verweist. Die SNB ist jedoch immer auch für eine Überraschung gut."