Die Annahme des Marktes, strengere KI-Regulierung werde lediglich die Entwicklung führender Modelle bremsen und die Nachfrage nach Halbleitern schwächen, greift nach Einschätzung von Strategen der Bank of America "zu kurz". Regulierung könnte Ausgaben stattdessen in eine breitere Palette von Hardware-Kategorien umlenken.
Die Bank weist darauf hin, dass Regulierung zwar die Häufigkeit großer Trainingsläufe für Spitzenmodelle verringern könnte. Produktive KI-Agenten würden jedoch Überwachung, Verifikation, Eindämmung und Prüfbarkeit über Prompts, Ausgaben und Tool-Aufrufe hinweg benötigen. BofA verwies auf Untersuchungen von Anthropic, denen zufolge der Einsatz von Claude 3.5 Haiku als Sicherheitsfilter für Claude 3.5 Sonnet die Inferenzkosten um rund 25 Prozent erhöhte. Zugleich betonte die Bank, dieser Wert sei "architekturspezifisch" und kein Branchendurchschnitt, da die Wiederverwendung von Repräsentationen den Mehraufwand deutlich senken könne.
Die Bank verwies außerdem auf das Guardrail-Rahmenwerk von OpenAI, das Eingabe-, Ausgabe- und Tool-Kontrollen umfasst. Tool-Prüfungen könnten dabei vor und nach jedem Funktionsaufruf stattfinden. Dies deute darauf hin, dass "Überwachungs-Workloads mit der Komplexität der Agenten skalieren könnten und nicht einfach mit dem Volumen der Nutzeranfragen", erklärte BofA. Dadurch könnten sich Ausgaben von konzentriertem Frontier-Training hin zu verteilter Inferenz-, Kontroll- und Konnektivitätsinfrastruktur verschieben.
Dieser Wandel könnte laut BofA kundenspezifische ASICs, CPUs, Netzwerkswitches, optische Verbindungen und Speicher begünstigen. Die Bank erklärte, CPUs dürften an Bedeutung gewinnen, weil agentische Inferenz Planung, Routing, Richtlinienlogik, Speicherverwaltung und Sicherheitsprüfungen erfordere. Zugleich dürfte die Netzwerkintensität steigen, da Agenten mit Modellen, Abrufspeichern, Tools, Sicherheitsdiensten und anderen Agenten kommunizieren.
In diesem Rahmen nannte BofA Nokia und STMicroelectronics als mögliche Profiteure. Nokia gilt als "potenzieller europäischer Profiteur über Rechenzentrums-Switching und optischen Transport". Die Bank verwies dabei auf das erweiterte Portfolio an Hochgeschwindigkeitsswitches mit 1,6-Terabit-Ethernet-Schnittstellen, die für KI-Training und Inferenz-Workloads ausgelegt sind. STMicroelectronics wurde wegen seiner Exponierung im Bereich Optik genannt.
BofA erklärte zudem, sicherer Transport zwischen Rechenzentren könnte wertvoller werden, wenn regulierte Workloads Datenschutz, Widerstandsfähigkeit und Verschlüsselung über verteilte Infrastrukturen hinweg erfordern.
Die Bank ging auch auf Hersteller von Halbleiterausrüstung ein. Diese Gruppe sieht sie gegenüber einer möglichen Verschiebung der Ausgaben als weitgehend neutral. Gleichwohl könne sich längerfristig ein Vorteil ergeben, falls kundenspezifische ASICs und Konnektivitätschips zunehmend auf modernste Fertigungsknoten setzen.
Als zentrale Risiken für ihre These nannte die Bank zwei Punkte: Eingebettete Schutzmechanismen könnten den zusätzlichen Rechenbedarf minimieren. Oder die Regulierung könnte den Einsatz von KI stärker bremsen, als der Ausbau der Überwachungsinfrastruktur dies ausgleicht.