Der deutsche Leitindex gibt am Mittwoch im Nachmittagshandel nach und notiert knapp eine halbe Stunde vor Handelsschluss bei 25.775,33 Punkten, ein Minus von 215 Punkten oder 0,80 %. Auslöser ist ein erneuter Anstieg der Ölpreise: US-Streitkräfte haben iranische Tanker zerstört, Teheran reagierte mit Raketenangriffen auf Jordanien. Die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts im Nahen Osten treibt Brent um rund 2,6 % auf 100,51 Dollar je Barrel, WTI legt 2,3 % auf 95,01 Dollar zu.
Bei den Einzelwerten verliert Rheinmetall 3,6 %, Siemens fällt 2,7 %, Merck gibt 2,2 % ab. Beiersdorf verliert nach einer Abstufung durch die Deutsche Bank 1,6 %. Heidelberg Materials, Deutsche Börse, MTU Aero Engines, Daimler Truck, Deutsche Bank, Siemens Energy, Continental und Allianz büßen zwischen 1,4 % und 2 % ein. Auf der Gewinnerseite steht SAP mit plus 2,3 %, RWE legt knapp 2 % zu, E.ON gewinnt knapp 1 %. BASF und Deutsche Telekom notieren moderat im Plus.
Hinzu kommt Zurückhaltung vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Laut FXStreet-Wirtschaftskalender wird das Ergebnis um 14:15 Uhr MESZ veröffentlicht, die Pressekonferenz mit Präsidentin Christine Lagarde folgt um 14:45 Uhr. Der Markt rechnet nahezu einstimmig mit einer Anhebung um einen Viertelprozentpunkt. In einer Reuters-Umfrage unter 65 Ökonomen erwarten 90 %, dass der Einlagensatz danach bis Jahresende bei 2,50 % bleibt.
David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton, sieht darin womöglich den letzten Schritt: "Wir gehen davon aus, dass die EZB die Zinsen am Donnerstag um 25 Basispunkte auf 2,50 % anheben wird, doch könnte dies die letzte Zinserhöhung in diesem Zyklus sein, sofern die Energiepreise nicht weiter steigen." Die Kombination aus höheren Anleiherenditen und Energiekosten dürfte das Wachstum in Europa kurzfristig belasten, so Zahn. Der nächste Schritt könnte aus seiner Sicht eine Zinssenkung Ende 2027 sein.
Am Anleihemarkt steigt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 3,409 % und bewegt sich damit in der Nähe ihres 52-Wochen-Hochs. Am Freitag folgen um 14:30 Uhr die US-Verbraucherpreise für August, die den Ausblick für die Fed mitbestimmen dürften.
Der DAX handelt im Tagesverlauf bis auf 25.570 Punkte abwärts und hat damit das Ende August bei rund 26.600 Punkten markierte Rekordhoch deutlich hinter sich gelassen. Das Chartbild zeigt zwei Hochs im August und Anfang September im Bereich von 26.500 bis 26.600 Punkten, seither reihen sich rote Kerzen aneinander. Der Index notiert aber weiter über dem 100-Tage-Durchschnitt bei 25.222 Punkten und dem 200-Tage-Durchschnitt bei 24.708 Punkten, der übergeordnete Aufwärtstrend seit dem März-Tief ist damit intakt.

Nach unten bildet die Zone um 25.500 Punkte, das Ausbruchsniveau von Anfang August, die erste Unterstützung. Darunter rückt der 100-Tage-Durchschnitt bei 25.220 Punkten in den Fokus, ein Tagesschluss darunter würde den Weg in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts bei 24.700 Punkten öffnen. Auf der Oberseite liegt der erste Widerstand bei der psychologisch wichtigen Marke von 26.000 Punkten, gefolgt von der Zone um 26.250 bis 26.300 Punkte. Erst ein Anstieg über das Rekordhoch bei 26.600 Punkten würde das Bild wieder klar bullisch drehen.