Der US-Dollar erhält laut Einschätzung von Brown Brothers Harriman (BBH) kurzfristig Rückenwind durch die Nachfrage nach sicheren Anlagen im Zusammenhang mit den Schifffahrtsrisiken in der Straße von Hormus. Gleichzeitig bleibt die Bank beim Greenback auf längere Sicht neutral positioniert. Der Devisenstratege Elias Haddad erwartet, dass sich der Dollar-Index (DXY) wieder in einer Spanne zwischen 96,00 und 100,00 Punkten bewegen wird, während strukturell weiterhin eine eher schwache Dollarentwicklung gesehen wird – unter anderem wegen Zweifeln an der wirtschaftspolitischen Verlässlichkeit der USA.
„Die Finanzmärkte wurden in der vergangenen Woche weiterhin von kriegsbezogenen Schlagzeilen bestimmt. Maßstab für die Risikostimmung war dabei vor allem die Sicherheit der Schifffahrt durch die strategisch wichtige Straße von Hormus. Der Preis für Brent-Rohöl stieg wieder über 100 US-Dollar je Barrel, während der Dollar gegenüber allen wichtigen Währungen zulegte und den DXY auf den höchsten Stand seit fast zehn Monaten trieb.“
„Taktisch kann der US-Dollar weiter von der Nachfrage nach sicheren Anlagen profitieren, die durch den Bedarf an Dollar-Finanzierung ausgelöst wird – zumindest so lange, bis die Sorgen um die Schifffahrt durch die Straße von Hormus ihren Höhepunkt erreichen. Die Nachfrage nach kurzfristiger Dollar-Finanzierung steigt in Stressphasen typischerweise deutlich an, da der Dollar im globalen Finanzsystem eine dominierende Rolle spielt – etwa bei der Fakturierung im Welthandel, bei grenzüberschreitenden Krediten, internationalen Anleiheemissionen und als Währungsreserve.“
„Zyklisch bleiben wir beim Dollar neutral und erwarten, dass der DXY wieder innerhalb einer Spanne von 96,00 bis 100,00 Punkten gehandelt wird. Der Dollar-Index ist derzeit über das Niveau hinaus gestiegen, das durch die Zinsdifferenzen zwischen den USA und anderen großen Volkswirtschaften gerechtfertigt wäre.“
„Strukturell halten wir jedoch an unserer seit Langem bestehenden negativen Einschätzung des Dollars fest. Gründe sind das schwindende Vertrauen in die Handels- und Sicherheitspolitik der USA, eine sich verschlechternde fiskalische Glaubwürdigkeit sowie die zunehmende Politisierung der US-Notenbank Fed.“