Bitcoin (BTC) hat sich am Mittwoch kaum bewegt, während Aktien zulegten und Gold nachgab. Das deutet laut einem Bericht des Analysehauses Glassnode darauf hin, dass der Markt derzeit zwischen einer schwachen institutionellen Nachfrage und ersten Anzeichen einer Erschöpfung der Verkäufer feststeckt.
Nach Einschätzung von Glassnode steht die Kursentwicklung von Bitcoin damit in deutlichem Kontrast zu den breiten Gewinnen an den internationalen Finanzmärkten. Wichtige Aktienindizes erreichten neue Höchststände, während Gold seine Rally fortsetzte.
„Alles hat sich bewegt - außer dem Vermögenswert, um den es in diesem Bericht geht“, schrieb Glassnode.

Der Bericht untersucht auch die Marktreaktion auf die Kompromittierung mehrerer selbst verwahrter Coldcard-Hardware-Wallets und den Diebstahl von Kryptowerten. Obwohl der Vorfall deutliche Aktivitäten auf der Blockchain auslöste, blieb der Bitcoin-Kurs nahezu unbeeinflusst.
Nach dem Vorfall stieg die Bewegung von Bitcoins, die zuvor mindestens ein Jahr lang nicht transferiert worden waren, innerhalb von drei Tagen auf 119.000 BTC. Das entspricht rund dem 200-Fachen der gestohlenen Menge. Viele Wallet-Besitzer verschoben ihre Bestände vorsorglich auf neue Adressen.
Allerdings gelangte nur etwa ein Zehntel dieser Bitcoins an Börsen. Gleichzeitig normalisierte sich die Zahl neu angelegter Wallets bereits nach wenigen Tagen wieder. Zugleich nahm das Angebot in Wallets mit einem Alter von weniger als einem Monat weiter zu. Das deutet darauf hin, dass Anleger ihre Bestände lediglich in neue Cold-Wallets übertrugen, anstatt sie zu verkaufen.
„Die größte erzwungene Bewegung alter Coins in diesem Zyklus führte weder zu messbarem Verkaufsdruck noch zu einer erkennbaren Kursreaktion“, erklärte Glassnode.
Dem Bericht zufolge zeigt Bitcoin zunehmend Merkmale, die typischerweise mit einer Bodenbildung verbunden sind. Anders als in früheren Marktzyklen entstehen diese Signale jedoch nicht durch Panikverkäufe, sondern durch eine anhaltende Phase geringer Aktivität.
Historisch wurden größere Tiefpunkte meist von starken Kursverlusten und kräftigen Volatilitätssprüngen begleitet. Diesmal sei die Profitabilität über Monate einer Seitwärtsbewegung schrittweise gesunken, während die Schwankungsbreite ungewöhnlich niedrig geblieben sei.
Nach Angaben von Glassnode ist der sogenannte „Seller Exhaustion Constant“ auf den niedrigsten Stand des aktuellen Marktzyklus gefallen und befindet sich inzwischen in jenem Bereich, in dem frühere Marktböden entstanden. Allerdings liegt der Indikator weiterhin rund ein Drittel über den Niveaus früherer Bärenmarkttiefs.

Glassnode verweist zudem auf die anhaltend schwache institutionelle Nachfrage. US-Spot-Bitcoin-ETFs und Unternehmen, die Bitcoin für ihre Unternehmensreserven kaufen, hätten den Markt in den vergangenen Monaten gemeinsam nicht spürbar gestützt. Allein im Juni verzeichneten Spot-ETFs Nettoabflüsse von rund 65.800 BTC - der höchste monatliche Mittelabfluss seit ihrer Einführung. Die Käufe von Unternehmen reichten nicht aus, um diese Abflüsse auszugleichen.
„Was auch immer den Boden bildet - es wird sich ohne die strukturelle Nachfrage entwickeln müssen, die den Markt in den vergangenen beiden Jahren getragen hat, bis diese Nachfrage zurückkehrt“, ergänzte Glassnode.
Trotz des verhaltenen Ausblicks verweist das Analysehaus darauf, dass sich der Optionsmarkt weiterhin ungewöhnlich ruhig zeigt. Die implizite Volatilität auf der Oberseite ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gefallen, während die erwartete Abwärtsvolatilität vergleichsweise normal geblieben ist. Das deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer derzeit weder auf stark steigende noch auf deutlich fallende Kurse setzen.

Zwar hätten sich Phasen extrem geringer Volatilität in der Vergangenheit häufig nach oben aufgelöst, doch nach Einschätzung von Glassnode fehlt dem aktuellen Marktumfeld die Nachfrage, die frühere Erholungen getragen habe.
Bitcoin notierte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei 64.900 US-Dollar und damit rund ein Prozent höher als 24 Stunden zuvor.