Das dezentrale Finanzprotokoll (DeFi) Morpho hat am Freitag den Abschluss einer Finanzierungsrunde über 175 Millionen US-Dollar bekanntgegeben. Angeführt wurde die Runde von Paradigm, dem Krypto-Investmentarm von Andreessen Horowitz (a16z Crypto) sowie Ribbit Capital.
An der Finanzierungsrunde beteiligten sich zudem Apollo Funds, Circle Ventures, VanEck, Ledger, Cathay Innovation sowie eine breite Gruppe strategischer Investoren.
Die neue Finanzierung erfolgt vor dem Hintergrund eines weiter wachsenden institutionellen Interesses an tokenisierten Finanzlösungen und Onchain-Krediten. Morpho erklärte, dieser Trend stehe für den Übergang von einer Experimentierphase hin zur praktischen Nutzung, da Finanzinstitute zunehmend prüfen, wie sich Onchain-Infrastruktur in ihre langfristigen Produktstrategien integrieren lässt.
„Da sich immer mehr Finanzaktivitäten auf die Blockchain verlagern, wächst die Chance, sich von kryptospezifischen Kreditmärkten hin zum deutlich größeren globalen Kreditmarkt zu entwickeln“, erklärte das Protokoll am Freitag.
Morpho ergänzte, seine Mission bestehe darin, „menschlichen Ehrgeiz durch offenen Zugang zu Kapital zu fördern“, indem eine offene Infrastruktur geschaffen werde, die einen effizienten Kapitalfluss über Plattformen und Ländergrenzen hinweg ermögliche.
Neben der neuen Finanzierung verwies Morpho auf die anhaltende Verbreitung seiner Kreditinfrastruktur sowohl bei kryptobasierten Plattformen als auch im traditionellen Finanzsektor.
Nach Angaben des Protokolls bildet die Technologie bereits die Grundlage für Kreditangebote von Coinbase, Robinhood und Kraken. Morpho positioniere sich dabei als neutrale Infrastrukturebene, die Fintech-Unternehmen und Finanzinstitute in ihre eigenen Produkte integrieren können.
Anstatt direkt mit DeFi-Anwendungen zu interagieren, könnten Nutzer über bereits bekannte Plattformen auf Kredit-, Darlehens- und Renditeangebote zugreifen.
Morpho gab außerdem bekannt, dass sich die globale Gehaltsplattform Deel dem Netzwerk angeschlossen hat. Dadurch erhalten Auftragnehmer die Möglichkeit, mit ungenutzten Stablecoin-Guthaben Erträge zu erzielen.
Die Einführung startet zunächst in Argentinien und soll anschließend auf weitere Märkte ausgeweitet werden. Dies verdeutliche, dass Fintech-Unternehmen Blockchain-basierte Finanzdienstleistungen zunehmend in bestehende Produkte integrieren.
Das Unternehmen erklärte zudem, dass sich die Gespräche mit institutionellen Marktteilnehmern im vergangenen Jahr deutlich verändert hätten. Beim jüngsten Vault Summit in New York, der gemeinsam mit S&P Global veranstaltet wurde, habe sich der Fokus von Machbarkeitsstudien auf den Einsatz produktionsreifer Onchain-Finanzprodukte verlagert. Gleichzeitig räumte Morpho ein, dass sich die institutionelle Nutzung weiterhin in einem frühen Stadium befinde.
Die Mitteilung folgt nur wenige Tage nachdem Standard Chartered die Beobachtung von Morpho aufgenommen und prognostiziert hatte, dass der hauseigene Token bis Ende 2030 auf 60 US-Dollar steigen könnte.
Die Bank begründete ihren Ausblick mit der Kombination aus dezentralen Kreditmärkten und der Vaults-Infrastruktur für das Onchain-Asset-Management. Diese eröffne dem Protokoll nach ihrer Einschätzung mehrere Wachstumsmöglichkeiten.
Standard Chartered erwartet, dass sich das in dezentralen Finanzanwendungen gebundene Vermögen bis 2030 etwa auf das 37-Fache erhöhen wird. Dadurch entstehe ein deutlich größerer adressierbarer Markt für Anbieter von Kreditinfrastruktur.
Ungeachtet der Ankündigung notierte der MORPHO-Token zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei 1,97 US-Dollar und damit rund vier Prozent unter dem Niveau der vergangenen 24 Stunden.