XRP kommt einfach nicht vom Fleck. Während viele Anleger zum Jahresende nervös auf ihre Krypto-Depots blicken, steht der Token weiter unter Verkaufsdruck. Die Kurse wirken müde, der Markt verunsichert, die Stimmung angeschlagen. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Unter der Oberfläche passiert etwas, das es in dieser Form nur extrem selten gibt. Und genau das macht XRP jetzt so brisant.
Denn obwohl der Kurs schwach aussieht, mehren sich die Hinweise darauf, dass der Abverkauf an Kraft verliert. Nicht morgen. Nicht übermorgen. Aber strukturell.
Auf dem 3-Wochen-Chart ist bei XRP etwas passiert, das selbst erfahrene Marktbeobachter aufhorchen lässt. Der Stochastic RSI ist auf null gefallen. Ein Wert, der auf so hohen Zeitebenen kaum erreicht wird. Zuletzt geschah das beim großen Krypto-Bärenmarkt 2022 – genau am Tiefpunkt.
Solche Signale entstehen nicht über Nacht. Sie sind das Resultat eines langen, zermürbenden Verkaufsprozesses. Wochen, Monate, in denen Verkäufer Schritt für Schritt Druck aufgebaut haben. Wenn der Indikator dann komplett auf null fällt, bedeutet das vor allem eines: Das Momentum der Verkäufer ist weitgehend aufgebraucht.
Wichtig ist dabei: Das ist kein Garant für einen sofortigen Kurssprung. Aber es ist häufig ein Zeichen dafür, dass das Schlimmste bereits eingepreist ist. Historisch folgten auf solche Phasen oft längere Seitwärtsbewegungen – bevor der Markt überhaupt wieder an steigende Kurse denken konnte.
Aktuell notiert XRP bei rund 1,85 US-Dollar. Auffällig ist dabei nicht der Preis selbst, sondern das Verhalten. Trotz der Schwäche rutscht XRP nicht panisch nach unten. Keine massiven Abverkaufswellen, keine scharfen Einbrüche, keine Kapitulation. Stattdessen: zähes Ringen, langsames Gleiten, Stabilisierungstendenzen.
Die wichtige Zone um 1,90 US-Dollar wurde zuletzt verloren. Dort waren Verkäufer klar stärker. Seitdem richtet sich der Blick auf 1,85 und 1,82 US-Dollar. Interessant: Immer wenn der Kurs versucht, nach oben auszubrechen, nimmt das Handelsvolumen zu. Das zeigt, dass in der Nähe von Widerständen weiterhin Angebot auf den Markt kommt.
Aber gleichzeitig sieht man auch: Käufer sind da. Langfristige Investoren scheinen die angebotenen Coins aufzunehmen, statt in Panik zu verkaufen. Genau dieses Verhalten passt zu einer Phase, in der Märkte anfangen, einen Boden auszubilden.
Ein entscheidender Faktor bleibt der Gesamtmarkt. Bitcoin gibt weiterhin die Richtung vor und lässt Altcoins kaum Raum für eigene Dynamik. Dazu kommt die extrem dünne Liquidität rund um die Feiertage. Wenige Orders bewegen viel, Ausschläge wirken größer, Trends weniger sauber.
Das Ergebnis: nervöse Seitwärtsbewegungen, scheinbar chaotische Tagesverläufe – ohne echten Richtungsentscheid. Für XRP heißt das: wenig Momentum, aber auch kein freier Fall.
Während der langfristige Chart das große Bild zeigt, liefert der Tageschart ein wichtiges Detail. XRP bildet dort seit einiger Zeit eine bullische Divergenz aus. Der Kurs markiert zwar noch tiefere Tiefs, doch der RSI zieht bereits nach oben.

Das bedeutet: Der Preis fällt noch – aber mit immer weniger Druck. Besonders relevant ist, dass sich dieses Muster über mehrere Bewegungen aufgebaut hat. Solche Divergenzen gelten als deutlich zuverlässiger als kurzfristige Zufallssignale.
Allerdings bleibt auch hier Vorsicht geboten. XRP liegt weiterhin unter einer abwärts gerichteten Trendlinie. Solange diese nicht überwunden wird, ist der Abwärtstrend formal intakt. Die Divergenz zeigt keine Trendwende, sondern eines: Der Verkaufsdruck lässt nach.
Kurzfristig erwarten viele Marktbeobachter eine klare Range. Wahrscheinlich ist eine Seitwärtsbewegung zwischen 1,82 und 1,98 US-Dollar. Genau dieses Bild spiegelt sich auch in den täglichen Schlusskursen wider. Keine klare Richtung, kein Durchbruch – aber auch kein Einbruch.
Die Zone um 1,97 fungiert als Widerstand, 1,82 als zentrale Unterstützung. Solange Bitcoin keine klare Richtung vorgibt und die Liquidität niedrig bleibt, dürfte XRP genau dort festhängen.
Auch das Sentiment rund um XRP ist deutlich vorsichtiger geworden. Anleger sind skeptisch, viele haben genug von fallenden Kursen. Historisch betrachtet traten solche Stimmungsbilder jedoch oft nicht am Beginn großer Abstürze auf – sondern kurz vor Phasen der Stabilisierung.
Das bedeutet nicht, dass der Boden garantiert erreicht ist. Aber es zeigt: Der Markt wird zunehmend leer verkauft.
Kurzfristig bleibt XRP technisch unter Druck. Der Verlust der 1,90-Marke ist ein Warnsignal, und solange die Abwärtstrendlinie nicht gebrochen wird, bleibt Vorsicht angebracht. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise, dass der Markt in eine neue Phase eintritt.
Ein extrem seltenes Langfrist-Signal, nachlassendes Momentum im Tageschart, fehlende Panikverkäufe und eine klar definierte Seitwärtsrange sprechen eine deutliche Sprache: Das Risiko weiterer harter Abverkäufe sinkt.
Noch ist das keine Trendwende. Aber oft entstehen genau in solchen Phasen die Grundlagen für den nächsten großen Move. Wer nur auf Schlagzeilen schaut, übersieht das. Wer tiefer blickt, erkennt: XRP steht an einem Punkt, an dem Geduld wichtiger wird als Aktionismus.