Beim Silberpreis herrscht gerade Stillstand - aber genau das macht die Lage so spannend. Der Future notiert aktuell bei rund 66,73 US-Dollar und steckt damit mitten in einer breiten Seitwärtszone fest. Weder Käufer noch Verkäufer haben derzeit wirklich die Kontrolle. Der ADX liegt bei schwachen 17,4 Punkten und signalisiert: Ein klarer Trend fehlt.
Für Anleger bedeutet das zunächst vor allem eines: Geduld.
Denn solange der Silberpreis zwischen den entscheidenden Marken festhängt, ist das Risiko von Fehlsignalen höher als die Chance auf einen sauberen Trend. Gerade in solchen Phasen werden Ausbrüche schnell gekauft oder Rücksetzer voreilig verkauft - nur damit der Kurs kurz darauf wieder in die alte Spanne zurückkehrt.
Spannend wird es erst, wenn Silber diese Zone verlässt.

Der technische Aufbau ist derzeit ziemlich klar.
Auf der Unterseite liegt der 50-Tage-Durchschnitt bei 62,81 US-Dollar und fungiert als wichtige Unterstützung. Auf der Oberseite wartet der 200-Tage-Durchschnitt bei 72,36 US-Dollar als Widerstand.
Der aktuelle Silberpreis von 66,73 US-Dollar liegt ziemlich genau dazwischen.
Das erklärt auch, warum der Markt momentan kaum eine Richtung findet. Die Käufer schaffen es nicht, den langfristigen Widerstand zu überwinden. Gleichzeitig reichen die Verkäufe bislang nicht aus, um Silber unter die wichtigen Unterstützungen zu drücken.
Der ADX bestätigt diese Pattsituation. Mit 17,4 liegt der Indikator deutlich unter der Schwelle, die üblicherweise für einen belastbaren Trend spricht.
Ganz chancenlos sind die Bullen trotzdem nicht.
Der SuperTrend liefert bei 61,24 US-Dollar eine weitere Unterstützung. Gleichzeitig bewegt sich der Silberpreis rund um die Ichimoku-Cloud bei 66,90 US-Dollar. Das spricht zumindest dafür, dass die Käufer im Hintergrund noch nicht komplett verschwunden sind.
Auf längere Sicht bleibt das Bild allerdings durchwachsen.
Silber notiert weiterhin unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Auch der MACD liefert bislang kein überzeugendes Kaufsignal. Der aktuelle Wert von 1,02 liegt unter dem Signalwert von 1,29 und zeigt damit negatives Momentum.
Hinzu kommt ein schwacher Money Flow Index.
Der MFI liegt bei lediglich 20,85. Das deutet darauf hin, dass momentan nicht besonders viel Kapital mit Überzeugung in den Markt fließt.
Und genau das ist aktuell das Problem.
Für einen nachhaltigen Ausbruch fehlt bislang der Druck.
Besonders heikel ist die Zone zwischen etwa 65 und 69 US-Dollar.
Dort ist der VWAP flach, während der ADX unter 20 bleibt. Technisch gesprochen ist das eine typische Seitwärtsphase ohne echte Führungsrichtung.
Für Anleger heißt das: Der Markt kann jederzeit kurz nach oben oder unten ausbrechen, ohne dass daraus ein echter Trend entsteht.
Genau solche Bewegungen sind gefährlich.
Ein kurzfristiger Sprung nach oben lockt Käufer an, der Kurs dreht wieder zurück und Stopps werden ausgelöst. Dasselbe funktioniert auf der Unterseite.
Diese sogenannten Whipsaws treten besonders häufig dann auf, wenn Volumen und Momentum fehlen.
Und genau das ist derzeit der Fall.
Solange Silber in dieser Zone bleibt, ist die Gefahr groß, einer Bewegung hinterherzulaufen, die sich kurz darauf wieder in Luft auflöst.
Die wichtigste Marke auf der Oberseite liegt bei 72,50 US-Dollar.
Ein Tagesschluss darüber wäre ein starkes technisches Signal.
Warum?
Weil Silber damit gleichzeitig den Widerstandsbereich rund um den 200-Tage-Durchschnitt bei 72,36 US-Dollar überwinden würde.
Dann könnte sich das aktuelle Seitwärtsbild relativ schnell in einen neuen Aufwärtstrend verwandeln.
Das nächste größere Kursziel liegt in diesem Fall bei 81,12 US-Dollar.
Je nach Einstieg ergibt sich daraus ein mögliches Chance-Risiko-Verhältnis von bis zu 4,82 zu 1.
Für aggressivere Anleger gibt es allerdings auch früher Ansatzpunkte.
Ein möglicher Einstieg innerhalb der aktuellen Handelsspanne läge im Bereich von 64,50 US-Dollar. Der Stop würde in diesem Szenario bei rund 61,05 US-Dollar liegen.
Als erste Kursziele kommen 70,15 und 72,36 US-Dollar infrage.
Das ist jedoch klar die riskantere Variante.
Wer konservativer vorgeht, wartet auf einen bestätigten Ausbruch über 72,50 US-Dollar.
Der Nachteil: Man kauft später.
Der Vorteil: Das Signal ist deutlich stärker.
Genauso wichtig wie die Oberseite ist die Marke von 63,50 US-Dollar.
Fällt der Silberpreis darunter und schließt auch auf Tagesbasis unter diesem Niveau, würde sich das technische Bild klar verschlechtern.
Dann wäre der Weg zunächst in Richtung 56 US-Dollar offen.
Sollte auch diese Unterstützung nicht halten, könnte Silber im nächsten Schritt sogar bis etwa 50 US-Dollar zurückfallen.
Auch hier gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten.
Aggressivere Anleger könnten bereits im Bereich von 70,15 US-Dollar auf eine erneute Abwärtsbewegung setzen, falls Silber dort erneut scheitert.
Die konservative Variante wäre dagegen, den Bruch unter 63,50 US-Dollar abzuwarten und erst danach auf fallende Kurse zu setzen.
Ein möglicher Stop läge in diesem Szenario bei rund 73,60 US-Dollar.
Je nach Zielmarke ergeben sich mögliche Chance-Risiko-Verhältnisse von etwa 1,78, 4,10 oder sogar 5,84.
Das klingt attraktiv.
Aber auch hier gilt: Ohne bestätigten Ausbruch bleibt die Wahrscheinlichkeit von Fehlsignalen hoch.
Viele Anleger schauen in solchen Situationen nur auf den Kurs.
Das greift aber zu kurz.
Mindestens genauso wichtig sind jetzt Volumen und Momentum.
Ein echter Ausbruch sollte idealerweise von einem deutlichen Anstieg des Handelsvolumens begleitet werden. Gleichzeitig wäre ein Anstieg des ADX über 25 ein wichtiges Zeichen dafür, dass sich tatsächlich ein neuer Trend bildet.
Auf der Oberseite wäre zusätzlich ein positiver MACD-Crossover ein starkes Signal.
Erst wenn mehrere Indikatoren gleichzeitig in dieselbe Richtung zeigen, wird aus einem kurzfristigen Ausschlag ein überzeugender Ausbruch.
Genau deshalb sollte man aktuell nicht jeden kleinen Sprung beim Silberpreis überinterpretieren.
Die große Bewegung kommt möglicherweise erst noch.
Aber sie ist bislang nicht bestätigt.
Die Ausgangslage lässt sich relativ einfach zusammenfassen.
Solange der Silberpreis zwischen 63,50 und 72,50 US-Dollar bleibt, befindet sich der Markt technisch gesehen weiter in einer Seitwärtsphase.
Innerhalb dieser Spanne ist Vorsicht gefragt.
Aggressive Anleger können versuchen, an den Rändern der Range auf Gegenbewegungen zu setzen. Das erhöht aber gleichzeitig das Risiko, von einem Fehlausbruch erwischt zu werden.
Wer konservativer vorgeht, wartet ab.
Ein nachhaltiger Ausbruch über 72,50 US-Dollar würde die Chancen auf eine Bewegung in Richtung 81,12 US-Dollar deutlich erhöhen.
Ein Bruch unter 63,50 US-Dollar würde dagegen den Weg Richtung 56 und möglicherweise sogar 50 US-Dollar öffnen.
Wer bereits in einer Position steckt, kann nach Erreichen des ersten Kursziels darüber nachdenken, den Stop auf den Einstiegskurs nachzuziehen.
Damit lässt sich das Risiko reduzieren, falls der Markt erneut dreht.
Beim Silberpreis herrscht aktuell ein klassisches Tauziehen.
Die Käufer haben genug Kraft, um größere Rücksetzer bislang abzufangen. Für einen echten Ausbruch nach oben reicht es aber noch nicht.
Die Verkäufer wiederum können Silber unter Druck setzen, schaffen es bislang aber ebenfalls nicht, die entscheidenden Unterstützungen zu brechen.
Genau deshalb ist diese Phase so wichtig.
Je länger Silber in dieser Spanne bleibt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste echte Ausbruch kräftiger ausfällt.
Für Anleger sind deshalb vor allem zwei Marken entscheidend: 72,50 US-Dollar auf der Oberseite und 63,50 US-Dollar auf der Unterseite.
Dazwischen bleibt Silber anfällig für Fehlsignale.
Darüber würde sich das Bild deutlich aufhellen.
Darunter könnte es schnell ungemütlich werden.
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