TradingKey – Im europäischen Handel am 24. August setzte Gold (XAUUSD) seine starke Dynamik aus der Vorwoche heute fort, hielt sich im Tagesverlauf solide über 4.600 US-Dollar und erreichte in der Spitze 4.659,92 US-Dollar, den höchsten Stand seit knapp drei Monaten. In der vergangenen Woche verzeichnete der Goldpreis ein kumuliertes Plus von über 5 %, und auch nach dem Auftakt der neuen Handelswoche dominierten die Bullen weiterhin den Markt. Die wesentlichen Treiber für den jüngsten anhaltenden Anstieg des Goldpreises sind die anhaltende Schwäche des US-Dollars sowie die durch US-Finanz- und Schuldensorgen ausgelöste Nachfrage nach sicheren Häfen.
Aus fundamentaler Sicht ist die anhaltende Schwäche des US-Dollars der Kernfaktor, der den jüngsten kontinuierlichen Anstieg des Goldpreises stützt. Nachdem das US-Finanzministerium zuvor eine Ausweitung seines Rückkaufprogramms für US-Staatsanleihen angekündigt hatte, verstärkten sich am Markt die Sorgen über die US-Finanzlage, die Staatsverschuldung und die langfristige Kaufkraft des Dollars. Der US-Dollar verharrt derzeit nahe einem Mehrmonatstief, was in Dollar denominiertes Gold für ausländische Anleger günstiger macht und anhaltende Kapitalzuflüsse in den Edelmetallmarkt auslöst.
Zuletzt gerieten das Ausmaß der US-Staatsverschuldung und die langfristigen Kreditaufnahmekosten in den Fokus des Marktes. Obwohl die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen weiterhin auf hohem Niveau verharren, hat Gold dennoch deutlich zugelegt. Nach Einschätzung von ING verstärken die Unsicherheiten rund um den US-Finanzausblick sowie die Marktsorgen hinsichtlich der Kaufkraft des US-Dollars die Attraktivität von Gold als Wertaufbewahrungsmittel.
Blickt man nach vorne, liegt der wichtigste Einflussfaktor für Gold bei der Federal Reserve. Diesen Mittwoch werden in den USA die PCE-Daten für Juli veröffentlicht. Sollte der PCE-Index weiterhin eine Abkühlung der Inflation anzeigen, dürfte dies die Markterwartungen hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen der Fed weiter schwächen, was die Renditen von US-Staatsanleihen sowie den US-Dollar belasten und somit einen anhaltenden Anstieg des Goldpreises stützen könnte. Fällt der Kern-PCE-Wert hingegen deutlich höher als erwartet aus, könnte der Markt seine Zinserhöhungswetten erneut hochfahren, was Gold nach den raschen Gewinnen unter Druck setzen würde.
Zudem ist anzumerken, dass US-Notenbankchef Kevin Warsh am Freitag, dem 28. August (US-Ostküstenzeit), eine Rede auf dem Wirtschaftssymposium in Jackson Hole halten wird. Dies wird Warshs erste große Rede in Jackson Hole seit seinem Amtsantritt als Fed-Vorsitzender sein. Der Markt achtet besonders darauf, wie er die Verlangsamung des Beschäftigungswachstums, die Inflationsrisiken und den künftigen Zinspfad beurteilt. Zuletzt hat Warsh explizite Hinweise zur künftigen Geldpolitik merklich zurückgefahren; daher könnte diese Rede ein entscheidender Zeitpunkt für den Markt sein, um die Zinserwartungen für September und das Jahresende neu auszurichten.
Sollte Warsh steigende Risiken für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung einräumen und gleichzeitig die Notwendigkeit weiterer Zinserhöhungen herunterspielen, könnte Gold seinen Ausbruch nach oben fortsetzen. Sollte er jedoch betonen, dass die Inflation weiterhin über dem 2 %-Ziel liegt, und sich die Möglichkeit einer weiteren Zinsanhebung ausdrücklich vorbehalten, könnten der US-Dollar und die Renditen von US-Staatsanleihen wieder anziehen, woraufhin es bei Gold zu deutlichen Gewinnmitnahmen kommen könnte.

Goldpreis im Tageschart, Quelle: TradingView
Ein Blick auf den Tageschart des Goldpreises zeigt, dass Gold zuletzt einen deutlichen und starken Aufwärtstrend verzeichnete und kurzzeitig die Marken von 4.500 und 4.600 US-Dollar durchbrach. Da der Schlusskurs der vergangenen Woche oberhalb von 4.600 US-Dollar konsolidierte, überwand Gold auch den gleitenden 144-Tage-Durchschnitt und etablierte sich darüber. Dies hat die kurzfristige bullische Dynamik weiter gestärkt und den Ausbruch aus der seit März dieses Jahres anhaltenden Korrekturphase bewirkt, was darauf hindeutet, dass Gold seinen langfristigen Aufwärtstrend wiederaufnehmen könnte.
Derzeit dürfte der Goldpreis seinen Aufwärtstrend kurzfristig beibehalten. Das erste Ziel auf der Oberseite könnte ein Test des Mai-Erholungshochs bei 4.773,53 US-Dollar sein, gefolgt von der Marke von 4.800 US-Dollar. Stabilisiert sich Gold oberhalb von 4.800 US-Dollar, wird als Nächstes die Widerstandszone bei 4.890–4.900 US-Dollar getestet.
Auf der Unterseite ist als wichtigste Unterstützung die Marke von 4.600 US-Dollar zu beachten. Sollte diese Marke nicht halten, könnte der Goldpreis die Unterstützung des 20-Perioden-SMA im 4-Stunden-Chart testen. Ein Rutsch unter den SMA20 könnte zu einem weiteren Rücksetzer von Gold in Richtung 4.450 US-Dollar führen.