Kupfer vor dem nächsten Preisschock? Rally auf Rekordniveau wird zum Risiko

Quelle Fxstreet

Die ING-Rohstoffstrategin Ewa Manthey verweist darauf, dass der Kupferpreis wieder bis in die Nähe seiner Rekordstände gestiegen ist. Händler beschleunigen ihre Lieferungen in die USA, bevor mögliche Importzölle in Kraft treten. Dadurch verknappt sich das physische Angebot an anderen Märkten, während die Lagerbestände an der London Metal Exchange (LME) sinken. Manthey verweist zudem auf ein begrenztes Wachstum des Minenangebots, niedrige Schmelz- und Raffinierlöhne sowie eine starke Nachfrage im Zusammenhang mit der Elektrifizierung. Sie warnt jedoch davor, dass enttäuschende politische Maßnahmen oder weniger weitreichende Zölle als erwartet eine Korrektur auslösen und einen Teil der jüngsten Kursgewinne wieder zunichtemachen könnten.

Zollerwartungen und angespannte Marktlage

„Kupfer wird bei über 14.000 Dollar je Tonne gehandelt und liegt damit nahe an seinem Rekordhoch. Gleichzeitig sind die LME-Lagerbestände weiter gesunken, während sich der Abstand zwischen dem Kassapreis und dem Dreimonatspreis noch stärker in Richtung Backwardation bewegt hat. Dies unterstreicht die zunehmend angespannte Lage am physischen Markt.“

„Die Kupferlieferungen in die USA haben sich im Vorfeld einer möglichen Zollentscheidung beschleunigt und die COMEX-Lagerbestände auf ein Rekordhoch getrieben. Allein im Juli überstiegen die US-Kupferimporte 200.000 Tonnen - der höchste Monatswert seit mindestens zwölf Jahren.“

„Gleichzeitig mehren sich am Londoner Kupfermarkt die Anzeichen für eine zunehmende Angebotsknappheit. Die LME-Lagerbestände sind auf den niedrigsten Stand seit fünf Monaten gefallen, während sich die Backwardation zwischen Kassa- und Dreimonatspreis auf rund 120 Dollar je Tonne ausgeweitet hat - nach etwa 40 Dollar vor einer Woche und damit auf den höchsten Stand seit Oktober. Dies deutet auf eine Verknappung des kurzfristig verfügbaren Angebots hin.“

„Das Wachstum des Minenangebots bleibt begrenzt, während die niedrigen Schmelz- und Raffinierlöhne weiterhin auf eine knappe Verfügbarkeit von Kupferkonzentrat hindeuten. Auch die Nachfrage im Zusammenhang mit Elektrifizierung, Investitionen in Stromnetze und KI-Infrastruktur bleibt unterstützend. Wir gehen weiterhin davon aus, dass der weltweite Markt für raffiniertes Kupfer 2026 ein Defizit von rund 35.000 Tonnen verzeichnen wird.“

„Ein großer Teil der jüngsten Rally beruht auf der Erwartung, dass die Zölle weitgehend wie erwartet umgesetzt werden. Sollten die endgültigen Maßnahmen jedoch verschoben werden, weniger weitreichend ausfallen als erwartet oder raffiniertes Kupfer ausnehmen, könnte ein Teil der jüngsten Rally wieder verpuffen. Die Vorratskäufe in den USA würden nachlassen, die Warenströme und Lagerbestände würden sich allmählich normalisieren und ein Teil der derzeitigen Angebotsknappheit außerhalb der USA würde sich entspannen. Eine mögliche Korrektur könnte zusätzlich verstärkt werden, wenn Anleger Positionen auflösen, die sie aufgrund der Zollerwartungen aufgebaut haben.“

Haftungsausschluss: Nur zu Informationszwecken. Die bisherige Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
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