TradingKey – Angesichts der anhaltenden Eskalation der Spannungen im Nahen Osten wurde der internationale Rohölmarkt erneut schwer getroffen. Angetrieben durch steigende geopolitische Risiken verzeichneten die internationalen Ölpreise am 22. einen kräftigen Anstieg, wobei die WTI-Rohöl-Futures ( UKOIL-F) zeitweise um 4,28 % auf 88,17 US-Dollar pro Barrel stiegen; die Brent-Rohöl-Futures ( USOIL-F) die Marke von 95 US-Dollar pro Barrel durchbrachen und damit erstmals seit dem 11. Juni wieder auf dieses Niveau zurückkehrten.

Quelle: TradingView

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Während des ASEAN-Außenministertreffens auf den Philippinen betonte US-Außenminister Marco Rubio, dass für die USA diplomatische Kanäle weiterhin Priorität haben. Gleichzeitig warf er dem Iran vor, gegen frühere Vereinbarungen zur Sicherheit der Meerengen verstoßen zu haben, und warnte, dass die USA die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Interessen der USA und ihrer Verbündeten ergreifen werden, falls Teheran keine Absicht zeigt, substanzielle Verhandlungen voranzutreiben.
Unterdessen haben die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Trump die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erneut von der Straße von Hormus auf den Atomstreit mit dem Iran gelenkt.
Er erklärte, dass die USA die jüngsten Entwicklungen bezüglich der Atomanlagen des Irans genau beobachten. Sollte der Iran den Bau entsprechender Nuklearanlagen wieder aufnehmen, würden die USA nicht zögern, Schläge auszuführen, die sich nicht nur gegen die sogenannte unterirdische Atomanlage „Kuh-e Kolang Gaz“ richten würden, sondern gegen jedes Ziel, das dem iranischen Atomprogramm dienen könnte.
Der Iran reagierte prompt. Das Zentrale Hauptquartier Chatam al-Anbija der iranischen Streitkräfte erklärte, dass jeder US-Angriff auf iranische Atomanlagen als eine weitere Eskalation des regionalen Konflikts gewertet würde und eine militärische Reaktion größeren Ausmaßes auslösen könnte. Während sich die Rhetorik auf beiden Seiten verschärft, nehmen die Sorgen der Märkte über eine weitere Verschlechterung der Lage im Nahen Osten weiter zu.
Die von Trump erwähnte Anlage „Kuh-e Kolang Gaz“ liegt etwa 220 Kilometer südlich von Teheran und nur rund zwei Kilometer von der Urananreicherungsanlage Natanz entfernt. Natanz war in der Vergangenheit im Zuge regionaler Konflikte zweimal das Ziel von Angriffen, und der Bau der Anlage „Kuh-e Kolang Gaz“ begann genau nach den Beschädigungen in Natanz.
Öffentlichen Aufzeichnungen zufolge begann der Bau des Projekts im Jahr 2020, wobei der Iran hoffte, die natürliche Barriere des Berges zu nutzen, um sicherere Nuklearanlagen für die Produktion und den Einsatz fortschrittlicher Zentrifugen zu bauen.
Eine Analyse der US-Denkfabrik Institute for Science and International Security (ISIS) legt nahe, dass die Anlage mehr als 100 Meter tief unter der Erde liegt, über mehrere Ein- und Ausgänge verfügt und wahrscheinlich eine mehrschichtige Struktur aufweist. Ihre Schutzwirkung ist jener von gewöhnlichen unterirdischen Anlagen weit überlegen, weshalb sie seit langem als wichtiger Bestandteil des iranischen Atomprogramms gilt.
Da Trump die Anlage öffentlich gezielt herausgegriffen hat, wächst die Sorge, dass der Atomstreit mit dem Iran erneut zum Auslöser für eine weitere Eskalation der regionalen Spannungen werden könnte.
Analysten sind der Ansicht, dass vor dem Hintergrund der seit langem ausbleibenden substanziellen Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran die Handelslogik des Marktes wieder zu Angebotsrisiken und Inflationserwartungen zurückgekehrt ist.
Deutsche-Bank-Analyst Jim Reid wies darauf hin, dass Brent-Rohöl nach mehr als einem Monat wieder die Marke von 90 US-Dollar pro Barrel zurückerobert und kurzzeitig die 92 US-Dollar durchbrochen habe, was zeige, dass der Markt die geopolitische Risikoprämie für den Nahen Osten wieder einpreist.
Unterdessen sorgt die kontinuierliche Ausweitung der Militäroperationen des US-Militärs auch dafür, dass den Ölpreisen kurzfristig die Dynamik für einen klaren Rücksetzer fehlt, während sich die Sorgen der Anleger über ein Wiederaufflammen der globalen Inflation und Stagflationsrisiken verschärft haben.
Allerdings hat der Iran weiterhin nur verhaltene Signale der Deeskalation gesendet. Ein Sprecher des iranischen Innenministeriums erklärte, dass beide Seiten derzeit zwar keine formellen Verhandlungen aufgenommen haben, eine Kommunikation über informelle Kanäle jedoch weiterhin möglich sei. Dies bedeutet, dass das diplomatische Fenster zwar nicht vollständig geschlossen ist, eine substanzielle Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und dem Iran kurzfristig jedoch unwahrscheinlich bleibt und die internationalen Ölpreise weiterhin von den Entwicklungen im Nahen Osten getrieben werden dürften.