EUR/GBP legt am Mittwoch leicht zu, da ein gemischter britischer Inflationsbericht das britische Pfund (GBP) moderat belastet. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notiert das Währungspaar bei rund 0,8533 und setzt damit seine Erholung fort, nachdem es Anfang des Monats auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr gefallen war.
Der Verbraucherpreisindex (VPI) stieg im Juni um 0,1% und entsprach damit den Erwartungen, verlangsamte sich jedoch gegenüber dem Anstieg von 0,2% im Mai. Die jährliche Inflation ging von 2,8% auf 2,6% zurück und lag damit unter der Prognose von 2,7%. Die Kerninflation verharrte jedoch bei 2,6% und lag damit über den Erwartungen von 2,5%.
Die Daten folgen auf den britischen Arbeitsmarktbericht vom Dienstag, der auf nachlassenden Lohndruck und schwache Einstellungen hindeutete. Zusammengenommen machen die Daten eine kurzfristige Zinserhöhung der Bank of England (BoE) weniger wahrscheinlich. Allerdings bleiben die Inflationsrisiken erhöht, da die erneuten Kämpfe zwischen den USA und dem Iran die Ölströme durch die Straße von Hormus stören und die Energiepreise nach oben treiben.
Laut BBH "preist die Swaps-Kurve eine vollständige Zinserhöhung der BoE um 25 Basispunkte auf 4,00% im November und insgesamt 75 Basispunkte an Straffung in den nächsten zwölf Monaten ein." Analysten warnten jedoch, dass "eine restriktive Geldpolitik, wenn die britische Wirtschaft deutlich unter ihrem Potenzial läuft, die Wahrscheinlichkeit einer Abwärtskorrektur der Zinserwartungen der BoE gegenüber dem GBP erhöht."
Unterdessen belasten auch Sorgen über die fiskalischen Aussichten Großbritanniens das Pfund, da Anleger bewerten, wie der neue Premierminister Andy Burnham seine Ausgabenpläne finanzieren wird.
Auf der anderen Seite des Ärmelkanals ist die geldpolitische Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag das wichtigste Risikoereignis für den Euro (EUR). Es wird allgemein erwartet, dass die Zentralbank den Einlagenzins nach der Anhebung um 25 Basispunkte im Juni unverändert bei 2,25% belässt. Die Märkte erwarten im September eine weitere Zinserhöhung der EZB, da höhere Energiepreise die Inflationsrisiken im Fokus halten.
Die Europäische Zentralbank (EZB), mit Sitz in Frankfurt am Main, steuert die Geldpolitik der Eurozone. Ihr Hauptziel ist die Preisstabilität, definiert durch eine Inflationsrate von rund 2 %. Durch Anpassungen der Zinssätze beeinflusst die EZB maßgeblich den Wechselkurs des Euros, der tendenziell durch höhere Zinsen gestärkt und durch niedrigere geschwächt wird.
In extremen Situationen kann die Europäische Zentralbank ein Instrument namens Quantitative Easing (QE) einsetzen. QE bedeutet, dass die EZB Euros druckt und diese verwendet, um Vermögenswerte – in der Regel Staats- oder Unternehmensanleihen – von Banken und anderen Finanzinstitutionen zu kaufen. QE führt in der Regel zu einer Abschwächung des Euros. Es wird als letztes Mittel eingesetzt, wenn Zinssenkungen allein das Ziel der Preisstabilität nicht erreichen können. Die EZB setzte QE während der Finanzkrise 2009-2011, 2015 bei anhaltend niedriger Inflation und während der COVID-19-Pandemie ein.
Quantitative Straffung (QT) ist das Gegenteil von QE: Statt Staatsanleihen zu kaufen, stellt die EZB den Ankauf ein und reinvestiert fällige Beträge nicht mehr. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf den Euro aus, da es die Liquidität am Markt verringert.