BNY-Experte Geoff Yu sieht in der Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Haushaltsstrom durch Premierminister Andy Burnham einen Test für die britische Strategie zur finanziellen Entlastung der Bevölkerung. Die Maßnahme bringt zwar eine begrenzte Entlastung und dämpft die Gesamtinflation leicht. Die Schwäche britischer Staatsanleihen und des Pfunds zeigt jedoch, dass Anleger eine nicht gegenfinanzierte Lockerung als mögliches Signal für einen umfassenderen politischen Kurswechsel betrachten. Damit könnte die Unterstützung der Haushalte zu einer Frage der finanzpolitischen Glaubwürdigkeit werden.
„Großbritannien stellt seine finanzpolitische Absicherungsstrategie auf die Probe. Die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf die Stromrechnungen privater Haushalte durch Premierminister Andy Burnham entlastet die Verbraucher unmittelbar und stützt die Realeinkommen zumindest in begrenztem Umfang. Zudem wird über Erleichterungen bei der Gewerbesteuer gesprochen.“
„Die Schwäche britischer Staatsanleihen und des Pfunds verdeutlicht jedoch den Zielkonflikt. Der Schutz der Haushalte kann schnell zu einem Glaubwürdigkeitsproblem werden, wenn Anleger bezweifeln, dass die finanzpolitische Lockerung vollständig gegenfinanziert ist, oder darin den Beginn eines umfassenderen politischen Kurswechsels sehen. Die Maßnahme selbst ist verkraftbar. Entscheidend ist das Signal, auf das die Märkte achten.“
„Der neue britische Premierminister Burnham kündigte an, die Steuer auf die Energierechnungen privater Haushalte zu senken und die Mehrwertsteuer von fünf Prozent zum 1. Oktober abzuschaffen. Dies sei der erste Schritt seines Maßnahmenpakets gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Nach Angaben der Regierung sparen Familien dadurch rund 45 Pfund im Jahr. Die Kosten von 850 Millionen Pfund im Haushaltsjahr 2026/27 sollen durch den Verzicht auf das von der Vorgängerregierung geplante digitale Identitätssystem finanziert werden.“
„Regierungsvertreter erklärten, die Maßnahme könne die Gesamtinflation um 0,1 Prozentpunkte senken. Burnham sagte, die Regelung solle den Haushalten finanziellen Spielraum verschaffen. Kritiker stellten dagegen die Finanzierung infrage und verwiesen darauf, dass der allgemeine Preisdruck im Energiesektor weiterhin hoch sei.“