TradingKey – Vor dem Hintergrund des beschleunigten weltweiten Ausbaus von KI-Rechenzentren und Investitionen in die Strominfrastruktur legte GE Vernova ( GEV) einen Quartalsbericht vor, der sich durch starke Umsätze und Rekordaufträge auszeichnete.
Da die Profitabilität jedoch hinter den Markterwartungen zurückblieb, fiel die Aktie des Unternehmens im vorbörslichen Handel um über 10 %, nachdem sie zuvor um fast 7 % gestiegen war.

Quelle: TradingView
Den Finanzergebnissen zufolge erzielte GE Vernova im zweiten Quartal einen Umsatz von 11,1 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 22 % im Jahresvergleich –, womit die Markterwartungen von 10,73 Milliarden US-Dollar übertroffen wurden. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) belief sich auf 2,47 US-Dollar und blieb damit trotz eines Wachstums im Vorjahresvergleich hinter den von Analysten allgemein erwarteten 3,04 US-Dollar zurück.
Trotz des etwas schwächeren Ergebnisses hob das Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr an. GE Vernova erwartet für 2026 nun einen Umsatz von 45,5 bis 46,5 Milliarden US-Dollar, was über der vorherigen Prognosespanne von 44,5 bis 45,5 Milliarden US-Dollar liegt, wobei auch der Mittelwert die Konsenserwartungen des Marktes übertrifft.
Unterdessen hob das Unternehmen seine Prognose für den freien Cashflow für das Gesamtjahr deutlich auf 11,5 bis 12,5 Milliarden US-Dollar an – weit mehr als die zuvor geschätzten 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar –, während das Ziel für die bereinigte EBITDA-Marge von 12 % bis 14 % unverändert blieb.
CEO Scott Strazik erklärte, dass die Nachfrage globaler Kunden nach den Produkten und integrierten Energielösungen des Unternehmens weiter zunimmt. Derzeit ist der Auftragsbestand des Unternehmens auf 176 Milliarden US-Dollar angewachsen, und Umsatz, Margen sowie Cashflow weisen einen anhaltenden Aufwärtstrend auf, was das Wachstum in den kommenden Jahren solide stützt.
Der wesentliche Treiber hinter dem Gewinnwachstum von GE Vernova bleibt die rasant steigende Stromnachfrage, die durch künstliche Intelligenz befeuert wird.
Da das Ausmaß des KI-Modelltrainings und der Inferenz kontinuierlich zunimmt, steigt auch der Stromverbrauch von Rechenzentren rasant an. Eine stabile und zuverlässige Stromversorgung wird damit zu einer unerlässlichen Voraussetzung für globale Tech-Konzerne beim Ausbau ihrer Rechenkapazitäten. Im Vergleich zu Projekten für erneuerbare Energien mit längeren Bauzyklen hat sich die Stromerzeugung aus Erdgas aufgrund ihrer schnellen Verfügbarkeit und stabilen Einspeisung zu einer wichtigen Energieoption für Großrechenzentren entwickelt. Dies treibt die Nachfrage nach den Gaskraftwerksanlagen von GE Vernova direkt an.
In diesem Quartal erreichte der Gesamtauftragseingang des Unternehmens mit 24,2 Milliarden US-Dollar ein Rekordhoch – ein Plus von 88 % im Jahresvergleich. Besonders stark entwickelte sich das Segment Stromerzeugung, in dem die Neuaufträge im Vorjahresvergleich um 134 % in die Höhe schnellten. Dies umfasste mehrere schwere Gasturbinen der HA-Klasse sowie Dutzende von aeroderivativen Gasturbinen.
Davon angetrieben weitete sich das Volumen aus Auftragsbeständen und Kapazitätsreservierungsvereinbarungen für Gaskraftwerksanlagen von 100 Gigawatt auf 116 Gigawatt aus. Das Unternehmen rechnet damit, dass diese Zahl bis Ende 2026 auf über 125 Gigawatt steigen wird.
Unterdessen baut das Unternehmen seine Produktionskapazitäten kontinuierlich aus, um die rasant wachsende Marktnachfrage zu bedienen. Den Plänen zufolge soll die jährliche Gasturbinenkapazität im dritten Quartal 2026 ein Niveau von 20 Gigawatt erreichen, anschließend im Jahr 2028 auf 24 Gigawatt steigen und bis 2030 auf 30 Gigawatt ausgebaut werden.
Neben Anlagen zur Stromerzeugung treibt der Ausbau der KI-Infrastruktur auch eine rasch steigende Nachfrage nach Stromnetzen sowie Stromübertragungs- und -verteilungsanlagen an.
Im zweiten Quartal erzielte das Segment Electrification von GE Vernova einen Umsatz von 3,6 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 68 % gegenüber dem Vorjahr entspricht, bei einem organischen Wachstum von fast 30 %. Auch die Profitabilität verbesserte sich deutlich, wobei die EBITDA-Marge im Jahresvergleich um rund 7 Prozentpunkte zulegte. Das Unternehmen erklärte, dass das anhaltende Nachfragewachstum nach Netzausrüstung, Übertragungssystemen und der dazugehörigen Infrastruktur ein wesentlicher Treiber für die Geschäftsexpansion war.
Insbesondere Rechenzentren haben sich zum am schnellsten wachsenden Kundensegment für diesen Geschäftsbereich entwickelt. Seit Jahresbeginn haben die kumulierten Aufträge des Unternehmens von Rechenzentrumskunden die Marke von 5 Milliarden US-Dollar überschritten, was mehr als eine Verdoppelung des Volumens des gesamten Vorjahres bedeutet. Unterdessen ist der Auftragsbestand des Segments auf 40,6 Milliarden US-Dollar angewachsen – ein Plus von fast 70 % im Jahresvergleich –, was auf eine weiterhin robuste zukünftige Nachfrage hindeutet.
Da sich die weltweite Entwicklung der Rechenleistung allmählich von der Beschaffung von GPUs auf den Aufbau kompletter Energiesysteme ausweitet, werden Netzmodernisierungen, Stromübertragung und intelligente Verteilungsanlagen zu nicht zu vernachlässigenden neuen Wachstumspunkten in der KI-Wertschöpfungskette.
Verglichen mit dem rasanten Wachstum der Sparten Energie und Elektrifizierung belastete das Windkraftsegment das Gesamtergebnis weiterhin. Im zweiten Quartal ging der Umsatz im Windkraftbereich im Jahresvergleich um 10 % auf rund 2 Milliarden US-Dollar zurück. Dies war primär auf geringere Auslieferungen von Onshore-Windkraftanlagen sowie steigende Kosten bei Offshore-Projekten zurückzuführen. Im Berichtsquartal weitete sich der EBITDA-Verlust der Sparte auf 275 Millionen US-Dollar aus, was zeigt, dass der Rentabilitätsdruck weiterhin hoch ist.
Auch der Auftragseingang war schwach; die neuen Aufträge im Quartal gingen im Jahresvergleich um rund 40 % zurück. Das Management geht davon aus, dass das Windkraftgeschäft in diesem Jahr einen Rückgang im niedrigen zweistelligen Prozentbereich verzeichnen wird. Der EBITDA-Verlust für das Gesamtjahr soll sich auf rund 400 Millionen US-Dollar belaufen, womit eine wesentliche Verbesserung auf kurze Sicht unwahrscheinlich bleibt.
Am Markt herrscht Konsens darüber, dass der Einfluss der Windkraft auf das Gesamtergebnis des Unternehmens mit dem steigenden Anteil wachstumsstarker Geschäftsbereiche wie Gaskraft und Netzausrüstung allmählich nachlässt. Dennoch bleibt die Sparte kurzfristig ein erhebliches Hindernis für die Entfaltung des Rentabilitätspotenzials.
Im zweiten Quartal erreichte der operative Cashflow des Unternehmens 5,5 Milliarden US-Dollar und der Free Cashflow belief sich auf 5,1 Milliarden US-Dollar. Damit wurde das Niveau des gesamten Vorjahres bereits übertroffen, was hauptsächlich durch die Optimierung des Working Capitals und eine verbesserte Profitabilität gestützt wurde. Bis zum Quartalsende stiegen die Barreserven des Unternehmens auf 13,1 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 4,3 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum Jahresbeginn.
Der solide Cashflow unterstützte zudem die Fortführung des Kapitalrückgabeprogramms des Unternehmens. Seit Jahresbeginn hat das Unternehmen kumuliert rund 4,3 Millionen eigene Aktien zurückgekauft und weiterhin vierteljährliche Dividenden gezahlt. Darüber hinaus schloss das Unternehmen die Übernahme des Automatisierungsspezialisten Robotech Automation ab, um seine Fähigkeiten im Bereich Robotik und Automatisierung weiter auszubauen.
Allerdings gab das Unternehmen auch zu bedenken, dass Veränderungen im globalen Handelsumfeld weiterhin einen gewissen Druck ausüben. Das Management rechnet damit, dass Zollfaktoren im Jahr 2026 zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 100 bis 200 Millionen US-Dollar verursachen werden. Diese Auswirkungen sind jedoch bereits in der Gesamtjahresprognose berücksichtigt und sollen durch Vertragsanpassungen sowie die Weitergabe von Kosten teilweise kompensiert werden.
Insgesamt wandelt sich die aktuelle Wachstumsstory von GE Vernova allmählich von einem traditionellen Hersteller von Energieanlagen hin zu einem Anbieter von Energieinfrastruktur im KI-Zeitalter. Da der weltweite Bau von Rechenzentren, Netzmodernisierungen und Investitionen in die Elektrifizierung weiter voranschreiten, bietet der rekordhohe Auftragsbestand des Unternehmens von 176 Milliarden US-Dollar zudem eine hohe Sicherheit für das Gewinnwachstum in den kommenden Jahren.
Allerdings wartet der Markt noch darauf zu sehen, wann sich der schnell wachsende Auftragsbestand in einer höheren Profitabilität niederschlagen kann und wann das Windkraftgeschäft seine Talsohle tatsächlich durchschreiten wird. Dies bleibt ebenfalls eine entscheidende Variable für die Bewertung des Unternehmens.