TradingKey – Am 8. Juli Ostküstenzeit gab das japanische Mondfahrtunternehmen ispace (9348) eine Partnerschaft mit SpaceX ( SPCX) bekannt, um Starship-Kapazitäten für kostengünstige Mondfrachttransporte zu sichern. Nach dieser Ankündigung stieg der Aktienkurs von ispace am japanischen Markt im Tagesverlauf um fast 20 % und schloss letztlich mit einem Plus von 18,69 %.
Im Rahmen der Vereinbarung investierte ispace 50 Millionen US-Dollar, um 500 Kilogramm Nutzlastkapazität für den Mond auf dem Starship zu erwerben, wobei die Mission bereits für das Jahr 2030 geplant ist. ispace beabsichtigt, unabhängig ein Mondfahrzeug zu entwickeln, um verschiedene Mondforschung-Nutzlasten von globalen Kunden anzunehmen und zu bündeln, die dann gemeinsam mit dem Starship zum Mond transportiert werden.
Hideaki Kamiya, Executive Vice President von ispace, definierte dieses neue Geschäftsfeld als „Mondzugangs-Integrator“ und zog eine anschauliche Analogie: Wenn die selbst entwickelte Mondlandefähre des Unternehmens ein „Taxi“ zum Mond ist, dann ist dieser neue, auf dem Starship basierende Service ein „Bus“ – er bietet eine größere Kapazität und niedrigere Stückkosten, obwohl sich die Klientel von „Exklusivkunden“ hin zu „Mitfahrern“ verschiebt.
Diese beiden Geschäftsbereiche ergänzen einander. Im Wesentlichen verfolgt ispace dasselbe Ziel mit zwei völlig unterschiedlichen Bilanzstrukturen: Einerseits die anlagenintensive Eigenentwicklung (das Lander-Projekt „Ultra“, das bis 2030 drei selbst entwickelte Landefähren zum Mond schicken will, darunter Missionen im Rahmen der Commercial Lunar Payload Services der NASA); andererseits die anlagenleichte Integration (Einkauf von Kapazitäten und deren Weiterverkauf an kleine und mittlere Kunden).
Als wichtiger Hintergrund sei erwähnt, dass die beiden vorherigen Versuche von ispace zur sanften Mondlandung jeweils im Scheitern endeten. CEO Takeshi Hakamada verriet, dass das Konzept für dieses Integrationsgeschäft ursprünglich proaktiv von SpaceX vorgeschlagen wurde.
Für SpaceX benötigt Starship – als voll funktionsfähiges, wiederverwendbares Transportsystem, das zu Direktflügen zum Mond und sogar zum Mars fähig ist – mehr Kunden für kleine Nutzlasten, um seine Kapazitäten auszulasten und die Grenzkosten zu senken. Stephanie Bednarek, Vice President of Commercial Sales bei SpaceX, erklärte in einer Mitteilung, dass die Integrationsdienste von ispace „einen wertvollen Weg für kleine Nutzlasten eröffnen, um den Mond zu erreichen“. Öffentliche Informationen zeigen, dass Starship plant, im Jahr 2028 Mondfrachtflüge zu starten, wobei jeder Flug mit rund 100 Millionen Dollar veranschlagt wird.
Die Vereinbarung selbst ist nicht exklusiv. Wettbewerber wie das US-Mondrover-Startup Astrolab haben ebenfalls künftige Kapazitäten auf Starship gebucht. Sollte SpaceX sich dazu entschließen, direkt mit den Endkunden in Kontakt zu treten, würde die Rolle von ispace als Vermittler umgangen.
Der aktuelle Vorteil von ispace liegt in seiner End-to-End-Servicekompetenz, die von der Integration der Nutzlast bis hin zu den Bodenoperationen nach der Landung auf dem Mond reicht. Dies ist ein Bereich, in dem SpaceX derzeit nicht direkt aktiv ist. Da die NASA plant, Starship im Jahr 2028 im Rahmen der bemannten Mondlandemission „Artemis“ erstmals einzusetzen, bleibt abzuwarten, wie viel Marktpotenzial für Integratoren vorhanden ist.
Offiziellen Finanzberichten zufolge verzeichnete ispace für das Geschäftsjahr 2026 (das im März 2026 endete) einen Nettoumsatz von 3,307 Milliarden Yen (ca. 22 Millionen US-Dollar), einen Betriebsverlust von 11,58 Milliarden Yen (ca. 77 Millionen US-Dollar) und einen Nettoverlust von 8,152 Milliarden Yen (ca. 54 Millionen US-Dollar).
Die Prognose für das Geschäftsjahr 2027 zeigt, dass das Unternehmen einen Nettoumsatz von 3,3 Milliarden Yen, einen Betriebsverlust von 17,7 Milliarden Yen und einen Nettoverlust von 13,0 Milliarden Yen erwartet. Das Unternehmen befindet sich weiterhin in einer Phase hoher Investitionen, und eine Trendwende bei den Betriebsverlusten ist kurzfristig unwahrscheinlich.
Die Geschäftstätigkeit des Unternehmens ist stark von den SBIR-Subventionen der japanischen Regierung und der Unterstützung durch den Space Strategy Fund abhängig. Im Geschäftsjahr 2026 erreichten die Projektinvestitionen (einschließlich Subventionen) 5,89 Milliarden Yen, wobei die Subventionseinnahmen einen erheblichen Teil ausmachten. Sollten staatliche Projekte zurückgehen oder Subventionen ausgesetzt werden, wird der Cashflow von ispace unmittelbar unter Druck geraten.
Der Kern dieses Geschäfts besteht darin, dass ispace Beschaffungskosten für Startkapazitäten in Höhe von 50 Millionen US-Dollar einsetzt, um darauf zu wetten, dass es seine Nische als Integrator festigen kann, bevor SpaceX die vertikale Integration seiner Mondtransportkapazitäten abschließt.
Der Schlüssel dazu, ob sich diese Rallye in langfristigen Wert ummünzen lässt, liegt nicht darin, ob ispace die Kosten von 50 Millionen US-Dollar in Umsatz umwandeln kann, sondern darin, ob es in den kommenden Quartalen genügend Nutzlastaufträge von Drittanbietern gegenüber Konkurrenten wie Astrolab sichern kann und ob es den Übergang von einem reinen Integrator zu einem Betreiber auf der Mondoberfläche mit Preismacht vollziehen kann, bevor SpaceX nach und nach seine eigenen Dienstleistungskapazitäten auf der Mondoberfläche etabliert.