Die Commerzbank-Ökonomen Dr. Jörg Krämer, Dr. Vincent Stamer und weitere Fachleute gehen davon aus, dass die Rohölexporte aus dem Nahen Osten dank verdeckter Tankerpassagen durch die Straße von Hormus nahezu ihr Vorkriegsniveau erreicht haben. Die hohen Risikoprämien dürften nach ihrer Einschätzung zurückgehen und die Öl-Futures von derzeit etwa 104 Dollar bis zum Jahresende in Richtung 85 Dollar fallen. Die Preise für Diesel und europäisches Erdgas dürften langsamer nachgeben, sodass die Inflation im Euroraum bis Mitte 2027 erhöht bleiben könnte.
„Die Ölexporte aus dem Nahen Osten haben sich deutlich erholt. Dazu haben teilweise auch die von uns erwarteten verdeckten Tankerpassagen durch die Straße von Hormus beigetragen. Dennoch bleiben die Preise für fossile Energieträger wie Rohöl, Diesel und Erdgas hoch.“
„Sollten die Ölexporte dank der verdeckten Passagen ihren Aufwärtstrend fortsetzen, dürften die Preise bald zu fallen beginnen. Mit 104 Dollar je Barrel am Terminmarkt bleibt der Ölpreis allerdings weiterhin hoch.“
„Ein Grund dafür ist das anhaltend hohe Risiko. Seit mehreren Wochen verstärken die Huthi im Jemen ihre Beteiligung an dem Konflikt. Dadurch wird die Durchfahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres noch gefährlicher. Auch der Iran selbst könnte seine Angriffe im Persischen Golf wieder ausweiten oder wichtige Pipelines in Saudi-Arabien ins Visier nehmen.“
„Dies erhöht die im Ölpreis enthaltene Risikoprämie. Mit der Zeit dürften diese Risiken jedoch nachlassen und die Ölpreise sinken. Bis zum Jahresende erwarten wir eine Bewegung in Richtung 85 Dollar.“