Commerzbank-Ökonom Dr. Marco Wagner analysiert, wie sich die bisherigen und mögliche künftige Angriffe von Donald Trump auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auf deren Unabhängigkeit auswirken. Anhand des Central Bank Pressure Index zeigt er, dass Trumps Kritik nach der Ernennung von Kevin Warsh zum Fed-Vorsitzenden nachgelassen hat. Wagner warnt jedoch, dass ein erneuter Inflationsschub und mögliche Zinserhöhungen schnell zu neuen politischen Einmischungen und verbalen Attacken auf die Fed führen könnten.
„Die Federal Reserve hat in der Vergangenheit zwei große verbale Angriffswellen erlebt, die beide in die Amtszeiten von Präsident Donald Trump fielen (2017 bis 2021 sowie seit 2025). Erstmals brachte Trump 2019 und 2020 deutlich seinen Unmut über die Federal Reserve und ihren Vorsitzenden Jerome Powell zum Ausdruck.“
„Gleich zu Beginn seiner neuen Amtszeit Anfang 2025 forderte Trump die Fed erneut auf, die Zinsen schneller zu senken, und verschärfte seinen Ton mit persönlichen Angriffen. Er verunglimpfte den Vorsitzenden als ‚Zu-spät-Powell‘ und forderte ihn sowie Lisa Cook zum Rücktritt auf.“
„Daran dürfte auch die Ernennung von Kevin Warsh wenig ändern. Schließlich hatte Trump bereits acht Jahre zuvor Jerome Powell für den Vorsitz der Fed nominiert, weil er davon ausging, dass Powell die Geldpolitik konsequent nach seinen Vorstellungen ausrichten würde. Als Powell dies nicht tat, geriet er schnell ins Visier.“
„Mit dem Wechsel an der Spitze der Fed von Powell zu Kevin Warsh sind die Angriffe des US-Präsidenten auf die Notenbank zunächst zum Erliegen gekommen. Zudem dürfte sich Trumps Aufmerksamkeit derzeit stärker auf den Krieg mit dem Iran richten.“
„Das könnte sich allerdings schnell ändern. Sollte der Inflationsdruck in den USA die Federal Reserve in die unangenehme Lage bringen, die Zinsen anheben zu müssen - immerhin stimmten zuletzt drei der zwölf Mitglieder des Offenmarktausschusses FOMC für einen solchen Schritt -, könnte Trump die Fed erneut ins Visier nehmen.“