Laut einer Mehrheit von Ökonomen in einer Reuters-Umfrage wird die Bank of Japan (BoJ) ihren Zinssatz bis Ende Dezember erneut anheben und möglicherweise schon im Oktober, wobei weitere Zinserhöhungen auch im kommenden Jahr im Blick bleiben.
86% der Ökonomen erwarten, dass die BoJ ihren Leitzins bis Ende des vierten Quartals (Q4) auf 1,25% anheben wird, leicht mehr als die 79% in einer Umfrage vom Juni.
70% der Ökonomen gehen davon aus, dass die BoJ die Zinsen im zweiten Quartal 2027 auf mindestens 1,50% anheben wird, während 51% der Befragten 1,50% als Endzins sehen.
58% der Ökonomen sehen die Auswirkungen des Anstiegs der Renditen japanischer Staatsanleihen (JGB) auf die Schuldenfinanzierungskosten Japans in den nächsten 2-3 Jahren als „sehr“ oder „etwas“ besorgniserregend an.
79% der Ökonomen sagten, dass das Währungspaar USD/JPY um das Niveau von 160 im Verhältnis zu den wirtschaftlichen Fundamentaldaten Japans zu schwach sei.
Bei Redaktionsschluss liegt das Paar USD/JPY 0,05% im Minus bei 163,07.
Die Bank of Japan (BoJ) steuert die japanische Geldpolitik und hat ein Inflationsziel von rund 2 %. Ihre Maßnahmen haben einen wesentlichen Einfluss auf den japanischen Yen.
Die Bank of Japan implementierte im Jahr 2013 eine extrem expansive Geldpolitik, um die wirtschaftliche Aktivität zu stimulieren und in einem deflationären Umfeld Inflation zu erzeugen. Diese Politik, basierend auf quantitativer und qualitativer Lockerung (QQE), beinhaltete den Ankauf von Vermögenswerten wie Staats- und Unternehmensanleihen durch die Schaffung von Zentralbankgeld, um zusätzliche Liquidität bereitzustellen. Im Jahr 2016 intensivierte die BoJ diese Maßnahmen, führte Negativzinsen ein und begann, die Renditen von 10-jährigen Staatsanleihen direkt zu steuern. Im März 2024 vollzog die Bank eine Kehrtwende, indem sie die Zinsen anhob und sich damit von ihrer ultra-expansiven Geldpolitik distanzierte.
In den vergangenen zehn Jahren hat die entschlossene Haltung der Bank of Japan, an ihrer ultralockeren Geldpolitik festzuhalten, zu einer wachsenden geldpolitischen Divergenz im Vergleich zu anderen Zentralbanken, insbesondere der US-Notenbank, geführt. Dies verstärkte die Renditedifferenz zwischen 10-jährigen US-Staatsanleihen und japanischen Staatsanleihen und stärkte den US-Dollar gegenüber dem japanischen Yen. Mit der Entscheidung der BoJ im Jahr 2024, ihre expansive Geldpolitik schrittweise zu lockern, und dem gleichzeitigen Beginn von Zinssenkungen in anderen großen Zentralbanken, wird diese Differenz nun zunehmend eingeengt.
Der schwächere Yen und steigende globale Energiepreise haben die Inflation in Japan über das Ziel der BoJ von 2 % hinausgetrieben. Zusätzlich hat die Erwartung steigender Löhne – ein zentraler Treiber der Inflation – diese Entwicklung weiter verstärkt.