Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichte am Donnerstag die Protokolle ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung und zeigte damit wachsende Besorgnis der Entscheidungsträger über anhaltende inflationsbedingte Risiken. Die Diskussionen zeigen einen Konsens im EZB-Rat, dass die Risiken für den Inflationsausblick im Vergleich zu den Basisszenarien der EZB-Mitarbeiter nach oben verzerrt sind.
Die Protokolle deuten darauf hin, dass die Gesamtinflation im Sommer weiter steigen und bis zur ersten Hälfte des Jahres 2027 deutlich über dem Zielwert von 2 % bleiben wird. Dieser Ausblick erfolgt trotz der Tatsache, dass die Projektionen bereits fast drei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte enthalten.
Die Entscheidungsträger stellten außerdem fest, dass der Ausblick noch herausfordernder sein könnte, falls die Energiepreise nicht im Einklang mit den Erwartungen des Terminmarkts sinken. In diesem Szenario würde eine über dem Ziel liegende Inflation wahrscheinlich deutlich hartnäckiger werden.
Die Diskussionen legen dennoch nahe, dass die Mitglieder des EZB-Rats erwarten, dass der aktuelle Energieschock eine kürzere Wirkung entfaltet als die vorherige Episode. Sie warnten jedoch auch, dass Unternehmen und Arbeitnehmer diesmal wahrscheinlich schneller auf steigende Preise reagieren werden, da die Inflation in wirtschaftlichen Entscheidungen stärker berücksichtigt wird.
Die Protokolle heben ferner hervor, dass die Straffung der Finanzbedingungen seit Ausbruch des Krieges bisher nur eine begrenzte dämpfende Wirkung auf die Wirtschaft hatte. Gleichzeitig argumentierten einige Mitglieder, dass der jüngste Anstieg der langfristigen Zinssätze und strengere Kreditvergabestandards der Banken die Kreditnachfrage allmählich reduzieren, die Investitionen belasten und das wirtschaftliche Momentum abschwächen sollten.
Abschließend waren sich die Entscheidungsträger einig, dass die EZB eine neutrale Kommunikation beibehalten sollte. Sie betonten, dass weder angedeutet werden sollte, dass die jüngste Entscheidung den Beginn einer Reihe von Zinserhöhungen markiert, noch dass es sich um eine einmalige Maßnahme handelt.
Der Euro (EUR) zeigte auf die Veröffentlichung kaum eine unmittelbare Reaktion. EUR/USD setzte am Donnerstag seinen Handel im positiven Bereich fort und gewann am Tag 0,16 %, wobei er zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts nahe 1,1435 notierte, was darauf hindeutet, dass die wichtigsten Botschaften von den Marktteilnehmern bereits weitgehend eingepreist waren.
Die Europäische Zentralbank (EZB), mit Sitz in Frankfurt am Main, steuert die Geldpolitik der Eurozone. Ihr Hauptziel ist die Preisstabilität, definiert durch eine Inflationsrate von rund 2 %. Durch Anpassungen der Zinssätze beeinflusst die EZB maßgeblich den Wechselkurs des Euros, der tendenziell durch höhere Zinsen gestärkt und durch niedrigere geschwächt wird.
In extremen Situationen kann die Europäische Zentralbank ein Instrument namens Quantitative Easing (QE) einsetzen. QE bedeutet, dass die EZB Euros druckt und diese verwendet, um Vermögenswerte – in der Regel Staats- oder Unternehmensanleihen – von Banken und anderen Finanzinstitutionen zu kaufen. QE führt in der Regel zu einer Abschwächung des Euros. Es wird als letztes Mittel eingesetzt, wenn Zinssenkungen allein das Ziel der Preisstabilität nicht erreichen können. Die EZB setzte QE während der Finanzkrise 2009-2011, 2015 bei anhaltend niedriger Inflation und während der COVID-19-Pandemie ein.
Quantitative Straffung (QT) ist das Gegenteil von QE: Statt Staatsanleihen zu kaufen, stellt die EZB den Ankauf ein und reinvestiert fällige Beträge nicht mehr. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf den Euro aus, da es die Liquidität am Markt verringert.