Die asiatischen Aktienmärkte spiegeln am Freitag eine starke Nachfrage wider, da Händler ihre hawkischen Erwartungen an die US-Notenbank (Fed) überdenken und niedrigere Ölpreise aufgrund nachlassender geopolitischer Spannungen die Nachfrage nach risikosensitiven Anlagen angekurbelt haben.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung liegt der Nikkei 225 um 1 % höher bei knapp 69.500, der Shanghai-Index steigt um 0,45 % auf rund 4.050, der Hang Seng klettert um 1 % auf knapp 23.280 und der KOSPI schießt um über 5,8 % auf rund 8.090 nach oben.
Laut dem CME FedWatch-Tool haben sich die Chancen, dass die Fed bei der geldpolitischen Sitzung im September mindestens eine Zinserhöhung vornimmt, von fast 64 % am Mittwoch auf 53,2 % verringert.
Händler passen ihre Zinserwartungen an die Fed nach der Veröffentlichung der US Nonfarm Payrolls (NFP)-Daten am Donnerstag an, die zeigten, dass die Wirtschaft im Juni 57.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat, was deutlich unter den Schätzungen von 110.000 liegt. Außerdem wurden die Mai-Daten von 172.000 auf 129.000 nach unten revidiert.
Unterdessen sind niedrigere Ölpreise ein gutes Zeichen für Volkswirtschaften, die stark auf Ölimporte zur Deckung ihres Energiebedarfs angewiesen sind. Der WTI-Ölpreis notiert nahe seinem Niveau vor dem Nahost-Krieg, da Oman Fortschritte bei indirekten Gesprächen zwischen den USA und dem Iran signalisiert hat.
Der KOSPI übertrifft den asiatischen Markt, da seine Technologieriesen Samsung Electronics und SK Hynix sich nach einem Rückgang von über 17 % in den letzten zwei Handelstagen stark erholt haben.
Asien trägt rund 70 Prozent zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei und beheimatet mehrere bedeutende Börsenbarometer. In den entwickelten Volkswirtschaften der Region ragen vor allem der Nikkei 225, der 225 Unternehmen an der Börse Tokio umfasst, sowie der südkoreanische KOSPI heraus. China verfügt mit dem Hang Seng Index, dem Shanghai Composite und dem Shenzhen Composite über drei zentrale Indizes. Als große Schwellenwirtschaft rückt zudem Indien stärker in den Fokus internationaler Investoren, die vermehrt in Unternehmen investieren, die im BSE Sensex und im Nifty 50 gelistet sind.
Die großen Volkswirtschaften Asiens unterscheiden sich deutlich in ihrer Struktur, entsprechend variieren auch die prägenden Sektoren. Technologieunternehmen haben in Japan und Südkorea ein starkes Gewicht und gewinnen auch in China zunehmend an Bedeutung. Finanzdienstleister prägen insbesondere Börsenplätze wie Hongkong oder Singapur, die als wichtige regionale Finanzzentren gelten. In China und Japan spielt zudem die Industrie eine zentrale Rolle, etwa in der Automobilproduktion oder der Elektronikfertigung. Mit dem Wachstum der Mittelschicht in Ländern wie China und Indien gewinnen außerdem Einzelhandel und E-Commerce an Bedeutung.
Die Entwicklung asiatischer Aktienindizes wird von einer Vielzahl an Faktoren beeinflusst. Maßgeblich sind vor allem die Geschäftszahlen der im jeweiligen Index enthaltenen Unternehmen, die im Rahmen von Quartals- und Jahresberichten veröffentlicht werden. Darüber hinaus spielen die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der einzelnen Länder, geldpolitische Entscheidungen der Zentralbanken sowie die Fiskalpolitik der Regierungen eine wichtige Rolle. Auch politische Stabilität, technologischer Fortschritt und die Rechtsstaatlichkeit können die Märkte beeinflussen. Hinzu kommt die Entwicklung der US-Börsen, da sich viele asiatische Märkte häufig an den Vorgaben der Wall Street orientieren. Schließlich wirkt sich auch die allgemeine Risikostimmung an den Finanzmärkten aus, da Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren als risikoreichere Anlageform gelten.
Aktieninvestitionen sind grundsätzlich mit Risiken verbunden. In Asien kommen spezifische regionale Faktoren hinzu. Die politischen Systeme reichen von gefestigten Demokratien bis hin zu autoritären Strukturen, wodurch sich Stabilität, Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und Anforderungen an die Unternehmensführung teils deutlich unterscheiden. Geopolitische Spannungen wie Handelskonflikte oder territoriale Auseinandersetzungen können ebenso für Kursschwankungen sorgen wie Naturkatastrophen. Zudem beeinflussen Wechselkursbewegungen die Bewertung von Aktienmärkten in der Region. Besonders exportorientierte Volkswirtschaften reagieren empfindlich auf Währungsschwankungen: Eine starke Landeswährung kann die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland beeinträchtigen, während eine schwächere Währung die Exportchancen verbessert.