Strategen der Standard Chartered, Christopher Graham und John Davies, erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagensatz am 30. April bei 2,00 Prozent belässt. Begründet wird dies mit einer abwartenden Haltung angesichts der sich entwickelnden Lage im Nahen Osten. Sollte die Straße von Hormus faktisch geschlossen bleiben, sehen sie ein steigendes Risiko für eine Zinserhöhung im Juni. Für April wird in der Eurozone eine Inflationsrate von 2,9 Prozent insgesamt sowie 2,2 Prozent in der Kernrate erwartet, was kurzfristige Risiken für eine Zinserhöhung im April begrenzt.
„Wir erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagensatz auf ihrer Sitzung am 30. April unverändert bei 2,00 Prozent belässt.“
„Präsidentin Lagarde dürfte erneut betonen, dass es noch zu früh ist, um belastbare Schlussfolgerungen über die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen zu ziehen. Gleichzeitig könnte sie sich jedoch nicht deutlich gegen das Ausmaß der vom Markt eingepreisten Zinserhöhungen stellen, sondern vielmehr darauf verweisen, dass sich die EZB alle Optionen offenhält und bei Bedarf handlungsbereit ist.“
„Die seit der Sitzung im März veröffentlichten Konjunkturdaten verdeutlichen das Dilemma, vor dem die EZB steht: ob sie sich ausschließlich auf die Aufwärtsrisiken für die Inflation infolge steigender Energiepreise konzentriert oder den Abwärtsrisiken für das Wachstum gleiches Gewicht beimisst.“
„Einerseits ist die Gesamtinflation im März deutlich gestiegen, da höhere Ölpreise rasch auf die Kraftstoffpreise durchschlugen. Andererseits gab die Kerninflation nach und blieb bislang von dem Energieschub weitgehend unberührt. Zudem sind die Einkaufsmanagerindizes im April unerwartet in den kontraktiven Bereich gefallen.“
„Wir erwarten, dass die Inflationsdaten für April (Veröffentlichung am 30. April vor der EZB-Sitzung) ein ähnliches Bild zeigen werden: Die Gesamtinflation dürfte auf 2,9 Prozent steigen, während die Kerninflation auf 2,2 Prozent zurückgehen dürfte.“