Der BNY-Stratege John Velis sieht die März-Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank im Rahmen der Erwartungen. Es habe keine Zinsänderung und kaum Signale für den weiteren Kurs gegeben, während die Märkte rasch eine restriktivere Zinsperspektive eingepreist hätten. Zugleich hätten der Nahostkonflikt und gestiegene Energiepreise die Inflationserwartungen nach oben getrieben. Dies lasse die Federal Reserve vorerst abwarten und mache den weiteren Zinsausblick äußerst unsicher.
„Die März-Sitzung des FOMC entsprach unseren Erwartungen: keine Zinsänderungen, keine wesentlichen Anpassungen in den Wirtschaftsprojektionen und kaum – wenn überhaupt – Hinweise auf den künftigen Zinskurs. Das überrascht uns nicht, auch wenn die Märkte anschließend rasch einen restriktiveren Zinspfad einpreisten. Auch das ist angesichts steigender Inflationserwartungen durch höhere Energie- und Rohstoffpreise sowie einer derzeit abwartenden Fed nicht sonderlich überraschend.“
„Am 27. Februar, einen Tag vor Beginn des Nahostkonflikts, signalisierten die aus der OIS-Kurve abgeleiteten Erwartungen Zinssenkungen von rund 60 Basispunkten bis Dezember dieses Jahres. Zum jetzigen Zeitpunkt, kurz vor Handelsbeginn am Montag in den USA, geht der Markt nun von einer Straffung um nahezu 18 Basispunkte aus – also von zwei Zinssenkungen hin zu nahezu einer vollständigen Zinserhöhung bis Jahresende.“
„Diese Neubewertung ist zwar nachvollziehbar, doch wir halten den künftigen Zinsverlauf keineswegs für festgelegt. Die Dauer des Krieges sowie die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise bleiben zentrale Unbekannte. Bereits heute Morgen haben Berichte über ein mögliches Zurückweichen der USA die Märkte vorübergehend bewegt.“
„Es fällt uns schwer, einzelnen Szenarien belastbare Wahrscheinlichkeiten zuzuordnen. Denkbar ist jedoch auch, dass die Inflation hoch bleibt oder weiter steigt und damit die Inflationserwartungen weiter anzieht. In diesem Fall würde bei unveränderten Zinsen der reale Leitzins – also bereinigt um die Inflation – sinken. Das würde die Fed daran hindern, die nominalen Zinsen im weiteren Jahresverlauf zu senken.“