Das Statistische Bundesamt Deutschland wird am Freitag um 09:00 GMT vorläufige BIP-Daten für das vierte Quartal für Deutschland veröffentlichen, während Eurostat voraussichtlich um 10:00 GMT die vorläufigen BIP-Zahlen für die Eurozone für denselben Zeitraum bekannt geben wird.
Das vorläufige BIP Deutschlands wird für das vierte Quartal voraussichtlich um 0,2% gegenüber dem Vorquartal (QoQ) wachsen, nachdem es im vorherigen Quartal stagniert hatte. Gleichzeitig wird ein stabiles Wirtschaftswachstum von 0,3% im Jahresvergleich (YoY) im vierten Quartal erwartet.
Unterdessen wird für das saisonbereinigte vorläufige BIP der Eurozone ein Anstieg um 0,2% QoQ im vierten Quartal prognostiziert, nach zuvor 0,3%, während das jährliche Wachstum auf 1,2% von 1,4% zurückgehen soll.
Das Währungspaar EUR/USD könnte unter Druck geraten, wenn die BIP-Daten aus Deutschland und der Eurozone die Erwartungen erfüllen. Die Märkte werden auch die Arbeitslosenzahlen für Dezember aus beiden Regionen sowie den Verbraucherpreisindex (VPI) Deutschlands für Januar im Blick haben.
Der geldpolitische Entscheidungsträger der Europäischen Zentralbank (EZB), Martin Kocher, warnte, dass eine weitere Aufwertung des Euro (EUR) die Zentralbank dazu veranlassen könnte, die Zinssenkungen wieder aufzunehmen. Nach seinen Kommentaren erhöhten die Märkte leicht die Erwartungen an einen Schritt im Sommer, wobei die implizite Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juli von etwa 15% auf rund 25% anstieg. Die EZB trifft sich nächste Woche und wird allgemein erwartet, die Zinsen unverändert zu lassen.
Das Währungspaar EUR/USD hat Schwierigkeiten, da der US-Dollar (USD) aufgrund von Spekulationen steigt, dass US-Präsident Donald Trump den ehemaligen Fed-Gouverneur Kevin Warsh als nächsten Vorsitzenden der Federal Reserve nominieren wird. Trump sagte am späten Donnerstag, er werde seine Wahl am Freitagmorgen bekannt geben, wobei die Märkte Warsh bevorzugen, der als hawkischer angesehen wird.
Technisch gesehen handelt das Währungspaar EUR/USD zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts bei etwa 1,1920. Die technische Analyse der Tages-Chart deutet auf eine anhaltende bullische Tendenz hin, da sich das Paar innerhalb des aufsteigenden Kanal-Musters bewegt. Das Paar könnte die erste Barriere an der oberen Grenze des Kanals um 1,2050 erreichen, gefolgt von 1,2082, dem höchsten Stand seit Juni 2021. Auf der Unterseite liegt die unmittelbare Unterstützung beim neuntägigen Exponential Moving Average (EMA) von 1,1870, gefolgt von der unteren Kanalgrenze um 1,1840.
Die deutsche Wirtschaft hat aufgrund ihrer Größe und Bedeutung innerhalb der Eurozone einen erheblichen Einfluss auf den Euro. Eine starke Wirtschaftsentwicklung in Deutschland wirkt oft stützend auf den Euro, während eine Schwächephase die Gemeinschaftswährung belastet.
Deutschland ist die größte Volkswirtschaft der Eurozone und damit ein einflussreicher Akteur in der Region. Während der Eurokrise 2009-2012 spielte Deutschland eine Schlüsselrolle bei der Einrichtung von Rettungsfonds zur Unterstützung verschuldeter Länder und trieb den „Fiskalpakt“ voran.
Bunds sind von der deutschen Regierung ausgegebene Staatsanleihen, die regelmäßige Zinszahlungen, sogenannte Kupons, an ihre Inhaber leisten. Am Ende der Laufzeit wird der vollständige Nennwert der Anleihe zurückgezahlt. Da Deutschland die größte Volkswirtschaft der Eurozone stellt, dienen Bunds als maßgeblicher Referenzpunkt für andere europäische Staatsanleihen. Langfristige Bunds gelten als besonders sichere Anlage, da sie durch das Vertrauen und die Kreditwürdigkeit des deutschen Staates gestützt werden. Aus diesem Grund werden sie von Investoren in Krisenzeiten als sicherer Hafen betrachtet, während ihr Wert in Phasen wirtschaftlicher Stabilität tendenziell fällt.
Die Renditen deutscher Bundesanleihen, die sogenannten Bund Yields, geben an, welche jährliche Rendite ein Anleger beim Halten dieser Staatsanleihen erwarten kann. Wie bei anderen Anleihen erhalten Investoren regelmäßige Zinszahlungen, den sogenannten Kupon, sowie die vollständige Rückzahlung des Nennwerts bei Fälligkeit. Während der Kupon fest ist, schwankt die Rendite, da sie die Preisentwicklung der Anleihe berücksichtigt – und damit einen realistischeren Eindruck von der tatsächlichen Rendite vermittelt. Fällt der Preis einer Bundesanleihe, steigt die Rendite, da der Kupon im Verhältnis zum Kaufpreis höher wird, und umgekehrt. Dies erklärt, warum Bund-Renditen sich entgegengesetzt zu ihren Preisen entwickeln.
Die Bundesbank ist das Herzstück der deutschen Geldpolitik und spielt eine entscheidende Rolle für die Stabilität der Wirtschaft. Ihr vorrangiges Ziel: die Inflationsrate niedrig zu halten und so für stabile Preise zu sorgen. Neben dieser Kernaufgabe überwacht die Bundesbank den Zahlungsverkehr und nimmt eine Schlüsselrolle bei der Finanzaufsicht wahr. Als eine der einflussreichsten Zentralbanken Europas ist sie bekannt für ihre konservative Haltung, die Preisstabilität stets über kurzfristiges Wirtschaftswachstum stellt. Ihre strikte Linie prägte maßgeblich die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), die heute eine zentrale Rolle im Euro-Währungsraum spielt.