TradingKey – Nach einer neuen Runde von Offensivschlägen des US-Militärs gegen den Iran reagierte der internationale Rohölmarkt prompt, wobei sowohl WTI ( USOIL) als auch die Sorte Brent zulegten. Nach Angaben des US Central Command war die Operation eine Reaktion auf die jüngsten Angriffe des Irans auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus. Zu den angegriffenen Zielen gehörten iranische Luftabwehrsysteme, Führungs- und Kontrollnetzwerke, Küstenradar und Anti-Schiffs-Raketenkapazitäten, wobei auch mehrere Boote der iranischen Revolutionsgarde in den betroffenen Gewässern zerstört wurden.

WTI-Rohölpreis im Tageschart, Quelle: TradingView
Nach der Bekanntgabe setzte der Rohölmarkt seine Aufwärtsdynamik fort. Bei Redaktionsschluss stieg Brent-Rohöl über 75 USD, während sich WTI-Rohöl nach einem Intraday-Hoch von 71,75 USD wieder fest über 70 USD etablierte und bei 72,20 USD notierte, womit sich beide Sorten deutlich von ihren jüngsten Tiefständen erholten. Der Markt ist der Ansicht, dass der Anstieg der Ölpreise nicht nur eine Reaktion auf eine einzelne militärische Aktion ist, sondern vor allem widerspiegelt, dass Investoren das Risiko von Versorgungsunterbrechungen in der Straße von Hormus wieder einpreisen. Die Straße von Hormus ist eine kritische Passage für den weltweiten Transport von Rohöl und verflüssigtem Erdgas; sobald sich die Sicherheit der Schifffahrt in dieser Region verschlechtert, wird die Risikoprämie auf dem Rohölmarkt rasch steigen.
Zuvor waren die Rohölpreise durch OPEC+-Fördererhöhungen, die Senkung der offiziellen Verkaufspreise Saudi-Arabiens für Asien und Marktbedenken über eine sich verlangsamende Nachfrage gedämpft worden, wobei sich die Handelslogik allmählich von der Geopolitik auf die Fundamentaldaten von Angebot und Nachfrage verlagerte. Die US-Militärschläge haben den Markt jedoch daran erinnert, dass die Lage im Nahen Osten den Abwärtstrend der Ölpreise nach wie vor jederzeit unterbrechen könnte. Insbesondere nach den Angriffen auf mehrere Handelsschiffe könnten steigende Schiffsversicherungskosten, das Risiko von Tankerumleitungen und Unsicherheiten beim Energietransport die Rohölpreise wieder in die Höhe treiben.
Kurzfristig wird die Entwicklung der Ölpreise von zwei Faktoren abhängen: erstens, ob die Schifffahrt in der Straße von Hormus weiterhin beeinträchtigt wird, und zweitens, ob der Iran weitere Reaktionen auf die US-Angriffe zeigt. Sollten die Angriffe auf Handelsschiffe oder die militärischen Operationen weiter eskalieren, könnten Brent und WTI ihre Stärke beibehalten; falls beide Seiten jedoch zu einem Verhandlungsrahmen zurückkehren, könnte das Aufwärtspotenzial der Ölpreise durch die Erwartungen bezüglich der OPEC+-Fördererhöhungen und einer sich verlangsamenden Nachfrage begrenzt sein.