Die chinesische Notenbank stellt die Umsetzung ihrer Geldpolitik um und richtet ihren operativen Leitzins künftig am Tagesgeldmarkt statt am siebentägigen Repo-Markt aus. Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Volkmar Baur trägt die People's Bank of China (PBoC) damit der tatsächlichen Nutzung des Geldmarktes Rechnung. Den neuen Zinssatz von 1,25 Prozent hatte die Zentralbank bereits im Rahmen entsprechender Tests signalisiert. An den Anleihe- und Finanzmärkten ist das niedrigere Zinsniveau weitgehend eingepreist. Die Commerzbank rechnet deshalb weiterhin mit einer schrittweisen Aufwertung des chinesischen Yuan (CNY), die stärker von den geldpolitischen Signalen der PBoC als von Zinsunterschieden bestimmt werden dürfte.
„Die chinesische Zentralbank (PBoC) hat gestern angekündigt, die praktische Umsetzung ihrer Geldpolitik geringfügig anzupassen. Bislang nutzt sie den Zinssatz für siebentägige Rückkaufgeschäfte, sogenannte Reverse Repos, als Leitzins. Damit steuert sie den siebentägigen Repo-Zins zwischen Einlageninstituten am Geldmarkt. Künftig soll stattdessen der Zinssatz für eintägige Reverse Repos als Leitzins dienen. Zugleich wird der Tagesgeld-Repo-Zins zwischen Banken zur neuen Zielgröße am Geldmarkt.“
„Das klingt zunächst recht technisch. Für den Wechselkurs ist jedoch vor allem eines entscheidend: Im Grunde ändert sich nichts. Zwar liegt der bisherige Zinssatz für siebentägige Reverse Repos bei 1,4 Prozent, während für den neuen Tagesgeldsatz 1,25 Prozent vorgesehen sind. Auf den ersten Blick sieht das nach einer Zinssenkung aus. Die Finanzmärkte haben diesen Schritt allerdings bereits vorweggenommen.“
„Auch die Handelsvolumina sprechen für die Umstellung. Einlageninstitute nutzen den Markt für eintägige Rückkaufgeschäfte schon seit Jahren wesentlich intensiver als den Markt für siebentägige Geschäfte. In den vergangenen fünf Jahren lag das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen am Tagesgeld-Repo-Markt etwa 30-mal so hoch wie am Markt für siebentägige Repos.“
„Auch die Anleihemärkte haben sich bereits seit Längerem auf einen niedrigeren Leitzins eingestellt. Die Renditen zweijähriger chinesischer Staatsanleihen bewegen sich seit Ende April bei rund 1,25 Prozent. Selbst dreijährige Staatspapiere rentieren seit Juni nur geringfügig darüber.“
„Hinzu kommt, dass der Yuan-Wechselkurs ohnehin stärker auf die geldpolitischen Signale der chinesischen Notenbank reagiert als auf Zinsunterschiede. Die Anpassung des geldpolitischen Rahmens dürfte daher kaum etwas an unserer Erwartung ändern, dass der Yuan auch künftig schrittweise aufwerten wird.“