USD/CAD verliert am zweiten Tag in Folge an Boden und notiert während der europäischen Handelsstunden am Donnerstag um 1,4010. Das Paar bleibt unter Druck, da der rohstoffgebundene Kanadische Dollar (CAD) von den sich erholenden Rohölpreisen Unterstützung erhält, ein entscheidender Faktor angesichts der Stellung Kanadas als großer Ölexporteur. Nach drei aufeinanderfolgenden Verlusttagen erholte sich Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) und notierte nahe 74,90 USD pro Barrel. Die Preise wurden durch erneute Angebotsängste gestützt, nachdem ein tödlicher israelischer Luftangriff im Süden des Libanon auf Infrastruktur der Hisbollah abzielte, nachdem über Verstöße gegen die Waffenruhe berichtet worden war.
Unterdessen wägen die Marktteilnehmer geopolitische Entwicklungen gegen potenzielle Angebotsausweitungen ab, insbesondere Berichte über ein neues maritimes Abkommen zwischen Iran und Oman. Die beiden Länder finalisieren eine gemeinsame Erklärung zu einer vorübergehenden zwei- bis viermonatigen Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus. Während Teheran klarstellte, dass diese Maßnahme keine vollständige Wiedereröffnung der strategisch wichtigen Wasserstraße signalisiert, hat die Aussicht auf höhere Energieflüsse aus dem Nahen Osten die Sorgen der Märkte über schwere Versorgungsunterbrechungen etwas gedämpft.
Auf makroökonomischer Ebene zeichneten die US-Daten ein gemischtes Bild. Die ADP-Beschäftigtenzahlen im privaten Sektor stiegen im Juli nur um 44.000 und fielen damit deutlich gegenüber dem revidierten Juni-Wert von 95.000 zurück sowie unter die Erwartungen von 70.000. Andererseits deutete der ISM Services PMI auf eine stabile wirtschaftliche Dynamik hin und stieg von 54,0 im Juni auf 54,1, blieb damit jedoch leicht hinter der Prognose von 54,5 zurück. Der Fokus der Anleger richtet sich nun auf die bevorstehenden wichtigen Impulse, insbesondere die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe am Donnerstag und den wegweisenden Nonfarm Payrolls (NFP)-Bericht am Freitag.
Das FX-Team von ING hebt vor den am Freitag anstehenden Beschäftigtenzahlen den weicheren Ton der jüngsten US-Daten hervor. Die Analysten merken an, dass "die ADP-Beschäftigtenzahlen mit 44.000 etwas schwach ausfielen und der ISM-Dienstleistungsindex gestern weniger stark als erwartet auf 54,1 stieg", wobei insbesondere das Signal für den Arbeitsmarkt aus der Umfrage Sorge bereitet. Sie weisen darauf hin, dass "der Unterindex für die Beschäftigung im Dienstleistungssektor auf 47,5 eingebrochen ist, was – laut unserem Makro-Team – auf einige leichte Abwärtsrisiken für die morgigen Beschäftigtenzahlen hindeutet", und untermauern damit die Argumente für eine vorsichtige Marktpositionierung vor der Veröffentlichung.
Die Schlüsselfaktoren, die den kanadischen Dollar beeinflussen, sind vor allem die Zinspolitik der Bank of Canada, der Ölpreis als Hauptexportgut sowie die gesamtwirtschaftliche Lage des Landes. Auch das wirtschaftliche Verhältnis zu den USA spielt eine entscheidende Rolle.
Die Bank of Canada (BoC) übt erheblichen Einfluss auf den Kanadischen Dollar (CAD) aus, indem sie den Zinssatz festlegt, zu dem Banken sich gegenseitig Geld leihen. Dies wirkt sich auf die allgemeinen Zinssätze im gesamten Wirtschaftskreislauf aus. Das Hauptziel der BoC ist es, die Inflation durch Zinssatzanpassungen im Bereich von 1-3 % zu halten. Höhere Zinssätze wirken in der Regel stützend für den CAD, während quantitative Lockerungsmaßnahmen tendenziell eine abschwächende Wirkung auf die Währung haben.
Der Ölpreis spielt eine zentrale Rolle für den Wert des kanadischen Dollars. Als Kanadas wichtigstes Exportgut beeinflussen Preisschwankungen bei Erdöl den CAD unmittelbar. Steigt der Ölpreis, gewinnt auch der kanadische Dollar an Wert, da die Nachfrage nach der Währung steigt. Fällt der Ölpreis, gilt das Gegenteil. Hohe Ölpreise führen zudem häufig zu einer positiven Handelsbilanz, was den CAD zusätzlich stützt.
Inflation wurde traditionell als Bedrohung für Währungen angesehen, da sie deren Kaufkraft schmälert. Doch in einer globalisierten Welt mit gelockerten Kapitalverkehrskontrollen zeigt sich ein anderes Bild: Höhere Inflation zwingt Zentralbanken oft dazu, die Zinssätze anzuheben. Dies wiederum lockt internationale Investoren an, die nach attraktiven Anlagemöglichkeiten suchen, was die Nachfrage nach der heimischen Währung erhöht – wie im Fall des kanadischen Dollars.
Makroökonomische Datenveröffentlichungen dienen als Barometer für die wirtschaftliche Gesundheit und können den kanadischen Dollar spürbar beeinflussen. Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, Beschäftigungszahlen sowie Konsumentenstimmungsumfragen spielen hierbei eine zentrale Rolle. Eine robuste wirtschaftliche Lage stärkt den kanadischen Dollar. Sie lockt nicht nur vermehrt ausländische Investitionen an, sondern könnte die Bank of Canada dazu veranlassen, die Zinsen anzuheben, was den CAD weiter stützt. Schwache Wirtschaftsdaten hingegen dürften zu einer Abwertung der Währung führen.