Das Paar EUR/USD startet die neue Woche mit einem schwächeren Auftakt, zeigt jedoch kein starkes Anschlussverkaufssignal, was vor einer Positionierung für eine Ausweitung des Pullbacks vom fast vier Wochen hohen Stand am vergangenen Mittwoch Vorsicht gebietet. Die Kassapreise notieren derzeit um die Marke von 1,1430 und fallen zum dritten Mal in Folge, da der Fokus weiterhin auf der Nahost-Krise liegt.
Das US-Militär teilte mit, dass es in der neunten Nacht in Folge Angriffe gegen den Iran durchgeführt habe, die darauf abzielen, iranische Fähigkeiten zu schwächen, die zum Angriff auf Handelsschiffe und zivile Seeleute im Persischen Golf genutzt werden. Zudem meldeten US-Verbündete in der Region am Sonntag eine neue Angriffswelle, was auf eine weitere Eskalation des Konflikts hindeutet. Dies veranlasst Händler weiterhin, die geopolitische Risikoprämie einzupreisen, die den sicheren Hafenstatus des US-Dollars (USD) stützt und als Gegenwind für das Paar EUR/USD wirkt.
Unterdessen sind die Rohölpreise seit dem 12. Juni auf ein neues Hoch gestiegen, da die Schließung der wichtigen Straße von Hormus sowie die US-Blockade iranischer Häfen Befürchtungen über weitere Versorgungsunterbrechungen im Nahen Osten schüren. Dieser plötzliche Preisanstieg bei Öl verstärkt die Ängste vor einer Wiederbeschleunigung der globalen Inflation, die große Zentralbanken, einschließlich der US-Notenbank (Fed), zu einer restriktiveren Haltung zwingen könnte. Dies wird als weiterer Faktor gesehen, der den Greenback unterstützt und für die Bullen im EUR/USD Vorsicht geboten macht.
Im weiteren Verlauf werden Händler diese Woche die geldpolitische Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag genau beobachten, die eine Schlüsselrolle bei der Beeinflussung der Gemeinschaftswährung spielen wird. Abgesehen davon könnten neue geopolitische Entwicklungen weiterhin Volatilität an den Finanzmärkten erzeugen, was die USD-Nachfrage antreiben und dem Paar EUR/USD einen bedeutenden Impuls verleihen würde. In der Zwischenzeit gebietet der oben genannte fundamentale Hintergrund den Bullen Vorsicht, bevor sie sich für eine nennenswerte Aufwertung positionieren.
Der Euro ist die Währung der 19 Länder der Europäischen Union, die zur Eurozone gehören. Nach dem US-Dollar ist er die am zweithäufigsten gehandelte Währung der Welt. Im Jahr 2022 machte er 31 % aller Devisentransaktionen aus, mit einem durchschnittlichen Tagesumsatz von über 2,2 Billionen US-Dollar pro Tag. Der EUR/USD ist das am meisten gehandelte Währungspaar der Welt und macht schätzungsweise 30 % aller Transaktionen aus. Es folgen der EUR/JPY mit 4 %, der EUR/GBP mit 3 % und der EUR/AUD mit 2 %.
Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt, Deutschland, ist die Zentralbank der Eurozone. Sie legt die Zinssätze fest und steuert die Geldpolitik. Das Hauptziel der EZB ist die Preisstabilität, was entweder die Kontrolle der Inflation oder die Förderung des Wachstums bedeutet. Ihr wichtigstes Instrument ist die Anhebung oder Senkung der Zinssätze. Relativ hohe Zinssätze oder die Erwartung höherer Zinssätze stärken in der Regel den Euro und umgekehrt. Der EZB-Rat trifft geldpolitische Entscheidungen in acht Sitzungen pro Jahr. Diese werden von den Leitern der nationalen Zentralbanken der Eurozone und sechs ständigen Mitgliedern, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde, getroffen.
Die Inflation in der Eurozone, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), ist ein entscheidender Faktor für den Euro. Übertrifft die Inflation die Erwartungen und das Ziel von 2 % der Europäischen Zentralbank (EZB), wird die EZB wahrscheinlich die Zinsen anheben müssen, um die Preisstabilität zu sichern. Höhere Zinsen im Vergleich zu anderen Währungsräumen machen den Euro attraktiver für globale Investoren und stärken somit die Währung.
Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten beeinflussen die Gesundheit der Wirtschaft und somit den Euro. Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), Einkaufsmanagerindizes (PMI), Beschäftigungszahlen und Konsumentenstimmung geben Hinweise auf die Entwicklung der gemeinsamen Währung. Eine starke Wirtschaft stützt den Euro, da sie ausländische Investitionen anzieht und möglicherweise die Europäische Zentralbank (EZB) zu Zinserhöhungen bewegt. Schwache Daten hingegen lassen den Euro oft fallen. Besonders relevant sind hierbei die Daten der vier größten Volkswirtschaften des Euroraums – Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien –, die rund 75 % der Eurozonen-Wirtschaft ausmachen.
Ein entscheidender Faktor für den Euro ist die Handelsbilanz, die den Unterschied zwischen den Einnahmen aus Exporten und den Ausgaben für Importe eines Landes über einen bestimmten Zeitraum misst. Wenn ein Land gefragte Exportgüter herstellt, erhöht sich die Nachfrage nach seiner Währung, da ausländische Käufer diese Waren erwerben wollen. Eine positive Handelsbilanz stärkt somit den Euro, während ein Handelsdefizit die Währung unter Druck setzen kann.