TradingKey – Am 28. August US-Ostküstenzeit schlossen die drei großen US-Aktienindizes auf breiter Front im Minus. Äußerungen des US-Notenbankchefs Warsh auf dem Jackson-Hole-Symposium signalisierten eine falkenhafte Haltung, was die Marktspekulationen auf eine Zinserhöhung im September deutlich anheizte und die Renditen von US-Staatsanleihen steigen ließ. Dies kühlte die durch die Nvidia-Zahlen am Vortag angetriebene KI-Rally rasch ab. Obwohl Technologiewerte auf Wochensicht insgesamt noch Gewinne verzeichneten, rückten für Anleger Inflations- und Zinsrisiken wieder stärker in den Fokus.
Zum Handelsschluss fiel der Dow Jones Industrial Average um 0,02 % auf 53.565,35 Punkte; der S&P 500 Index sank um 0,25 % auf 7.711,76 Punkte; und der Nasdaq Composite Index gab um 0,52 % auf 26.402,42 Punkte nach.
Mit Blick auf Branchen und Einzelwerte standen Technologiewerte allgemein unter Druck. Nvidia (NVDA) gab um 4,57 % nach und büßte damit einen Teil der Gewinne nach den Zahlen wieder ein; Intel (INTC) verlor 2,85 % und Marvell Technology (MRVL) brach nach der Vorlage der Quartalszahlen um 10,28 % ein. Im Gegensatz dazu verzeichnete Workday (WDAY) ein Plus von 5,76 % und Elastic (ESTC) sprang um 19,31 % nach oben, da sich Softwarewerte weiterhin widerstandsfähig zeigten.
Bei den Rohstoffen rückte Rohöl vor Beginn des asiatischen Handels durch die erneute Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran am Wochenende in den Mittelpunkt. Nach einem US-Militärschlag am Sonntag gegen Raketenstartanlagen auf der iranischen Insel Larak stieg die Sorte Brent zu Handelsbeginn heute um über 2,5 % und kletterte über 90 US-Dollar; WTI-Öl (USOIL) legte ebenfalls um mehr als 2 % zu und erreichte in der Spitze knapp 85 US-Dollar. Die Straße von Hormus ist eine entscheidende globale Energie-Transitroute, und der sich zuspitzende militärische Konflikt hat das Risiko von Lieferunterbrechungen erneut erhöht.
Beim Gold fiel der Spot-Goldpreis (XAUUSD) am Freitag kurzzeitig auf knapp 4.445 US-Dollar. Nachdem Warsh falkenhafte Signale gesendet hatte, legten der US-Dollar und die Anleiherenditen zu, was den Goldpreis unter Druck setzte. Am Kryptomarkt schwankte Bitcoin um die Marke von 78.000 US-Dollar, während Risikoanlagen insgesamt von den sich verschiebenden Zinserwartungen belastet wurden.
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat sich am Wochenende erneut zugespitzt. Das US-Militär gab bekannt, dass US-Streitkräfte zwei Raketenstartanlagen auf der iranischen Insel Larak angegriffen haben, da dort angeblich das Verlegen von Seeminen in der Straße von Hormus vorbereitet wurde. Der Iran feuerte daraufhin Raketen auf einen US-Militärstützpunkt in Jordanien ab, die jedoch abgefangen wurden. Dieser Schusswechsel stellt den ersten direkten militärischen Zusammenstoß zwischen beiden Seiten seit mehr als einem Monat dar und schürt am Markt erneut Sorgen um die Schifffahrt durch die Straße von Hormus sowie die globale Energieversorgung.
Warsh sandte in Jackson Hole falkenhafte Signale aus und stärkte damit die Erwartungen an eine Zinserhöhung im September. Der Vorsitzende der US-Notenbank, Warsh, erklärte, dass die Fed weiterhin Maßnahmen ergreifen müsse, solange keine ausreichenden Beweise dafür vorliegen, dass die Inflation deutlich und rasch auf das 2-%-Ziel zurückkehrt. Nach der Rede stiegen die Marktwer tungen auf eine Zinserhöhung im September von zuvor etwa 35 % auf rund 57 %, während die Rendite 2-jähriger US-Staatsanleihen auf etwa 4,35 % kletterte. Der falkenhafte Wandel der Zinserwartungen wurde zu einem wesentlichen Belastungsfaktor für Technologieaktien und Gold.
Der US-Arbeitsmarktbericht außerhalb der Landwirtschaft für August ist in dieser Woche das wichtigste makroökonomische Ereignis für den Markt. Angesichts der Erwartungen an eine geldpolitische Wende der Fed im September steht der für diesen Freitag anstehende US-Arbeitsmarktbericht für August im zentralen Fokus der Märkte. Der Markt rechnet derzeit im August mit einem Stellenzuwachs von etwa 58.000 außerhalb der Landwirtschaft, wobei die Arbeitslosenquote voraussichtlich bei 4,1 % verharren dürfte. Fallen die Beschäftigungsdaten deutlich stetiger aus als erwartet, könnte dies die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung weiter verringern; schwächt sich die Beschäftigung spürbar ab, könnte dies die Märkte erneut zu Spekulationen auf eine Lockerung der Geldpolitik bewegen.
Broadcom (AVGO), Dell (DELL) und Hewlett Packard Enterprise (HPE) legen diese Woche ihre Quartalszahlen vor. Die Quartalszahlen von Nvidia haben bereits bestätigt, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur weiterhin robust ist, und der Markt richtet seine Aufmerksamkeit als Nächstes auf die Ergebnisse von Broadcom, Dell Technologies und Hewlett Packard Enterprise. Broadcom steht dabei unter besonderer Beobachtung, da das Wachstum des KI-bezogenen Geschäfts, die Aufträge für maßgeschneiderte Chips und die Prognose als wichtige Indikatoren dafür dienen werden, ob der Investitionszyklus für KI-Infrastruktur anhalten kann.
Die nachstehende Tabelle führt die zehn am aktivsten gehandelten Aktien des aktuellen Marktes auf. Gestützt auf enorme Handelsvolumina und eine außergewöhnliche Liquidität haben sich diese Titel zu zentralen Referenzwerten für die Beobachtung der globalen Marktdynamik entwickelt.
