TradingKey - Novo Nordisk ( NVO) hat offiziell Klage beim US-Bezirksgericht für den Distrikt New Jersey eingereicht und wirft Eli Lilly ( LLY) irreführende Werbung für sein meistverkauftes Abnehmpräparat Zepbound und sein Diabetes-Injektionspräparat Mounjaro vor, was gegen Bundes- und einzelstaatliche Gesetze bezüglich irreführender Werbung und unlauteren Wettbewerbs verstößt.
Der Kern dieser Klage ist ein Datenkrieg zwischen den beiden Pharmagiganten um den Hundert-Milliarden-Dollar-Markt für GLP-1-Medikamente – und die wichtigste Waffe auf dem Schlachtfeld ist ein Satz klinischer Vergleichsdaten, denen vorgeworfen wird, "veraltet" zu sein.
Bei Redaktionsschluss schwankten die Aktienkurse der beiden Hersteller von Abnehmpräparaten nur geringfügig; Eli Lilly stieg um 1,25 % auf 1.161,19 US-Dollar, während Novo Nordisk um 0,51 % auf 49,36 US-Dollar nachgab.

Quelle: TradingView
Im Mittelpunkt der Klage von Novo Nordisk steht ein Fernsehspot, den Eli Lilly seit April landesweit ausstrahlt. John Kuckelman, Chefjurist von Novo Nordisk, sagte in einem Interview, dass die Werbung Ergebnisse aus einer Direktvergleichsstudie der beiden Medikamente zitiere und behaupte, dass Patienten, die Zepbound einnehmen, im Durchschnitt 50 Pfund abgenommen hätten, während es bei Wegovy-Anwendern im Durchschnitt 33 Pfund gewesen seien.
Die Vorwürfe von Novo Nordisk richten sich gegen die „selektive“ Auswahl dieser Daten: Eli Lilly habe in dem Spot die Höchstdosis des eigenen Medikaments mit einer niedrigeren Dosis des Präparats von Novo Nordisk verglichen und dabei die neuesten klinischen Daten zur höher dosierten Version von Novo Nordisk bewusst weggelassen.
Kuckelman sagte, dass Novo Nordisk im April eine formelle Unterlassungsaufforderung an Eli Lilly geschickt habe. Eli Lilly habe sich jedoch nicht nur geweigert, die Werbung zurückzuziehen, sondern stattdessen einen rechtlichen Hinweis hinzugefügt, den Novo Nordisk als „unzureichend“ bezeichnete.
„Sie haben dafür gesorgt, dass sich Fehlinformationen verbreiten, und jetzt müssen sie das richtigstellen“, sagte Kuckelman.
Die Logik von Novo Nordisk: Die in der Werbung von Eli Lilly zitierte klinische Direktvergleichsstudie verwendete Wegovy-Dosen von 1,7 mg und 2,4 mg. Novo Nordisk erhielt jedoch in der Folge die Zulassung für eine höhere Dosis – 7,2 mg Wegovy, die im März 2026 auf den Markt kam, wobei klinische Studien zeigten, dass sie Patienten hilft, im Durchschnitt 47 Pfund (etwa eine Reduktion des Körpergewichts um 19 %) abzunehmen. Novo Nordisk ist der Ansicht, dass ein angemessenerer Vergleich auf zwei verschiedene Studien verweisen sollte: eine, die zeigt, dass das hochdosierte Wegovy zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 47 Pfund führte, und eine andere, die zeigt, dass Zepbound einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 48 Pfund erreichte – was sie „klinisch konsistent“ macht. Mit anderen Worten: Bei ihren jeweils höchsten Dosierungen ist die Wirksamkeit der beiden Medikamente bei der Gewichtsabnahme nahezu gleichwertig.
Novo Nordisk wies zudem darauf hin, dass Eli Lilly die Existenz des hochdosierten Wegovy in seiner Werbung nur in einer „kleinen Fußnote“ erwähnte, diese Fußnote jedoch „vage, verwirrend, fast unleserlich und völlig unzureichend“ gewesen sei – womit sie die entscheidende Tatsache nicht vermittelt habe, dass die hochdosierte Version der niedrigdosierten Version deutlich überlegen ist.
Die Logik von Eli Lilly: Eli Lilly stellte am Dienstag in einer Erklärung klar, dass das Unternehmen „fest hinter unserer Werbung steht“. Das Unternehmen betonte, dass „der Goldstandard für den Vergleich von Medikamenten eine streng konzipierte, gut durchgeführte direkte klinische Vergleichsstudie ist“ – und die von ihm verwendete Studie sei die bis dato einzige klinische Studie, die beide Medikamente direkt miteinander vergleicht.
Zugleich enthüllten die Prozessakten einen wichtigen Datenpunkt: Seit der Einführung Ende April haben die Fernsehwerbespots von Eli Lilly für Zepbound mehr als 700 Millionen Impressionen erzielt. Novo Nordisk nutzt diese Zahl als direkten Beleg für das „Ausmaß des wettbewerblichen Schadens“. Die gleiche Logik gilt für den Bereich der Diabetes-Medikamente. Novo Nordisk wirft Eli Lilly vor, dass dessen Werbung für Mounjaro die höchste Dosis von 15 mg mit der 1-mg-Version von Ozempic von Novo Nordisk vergleiche, ohne dabei die seit Jahren zugelassene höhere Erhaltungsdosis von 2 mg zu erwähnen.