TradingKey - Am Dienstag US-Ostküstenzeit legten Speicheraktien im frühen Handel geschlossen kräftig zu. Bis Redaktionsschluss stieg Western Digital ( WDC) um 9,05 %, SanDisk ( SNDK) um 8,13 %, SK Hynix ( SKHY) um 7,47 %, Seagate Technology ( STX) um 7,47 %, Micron Technology ( MU) um 6,67 %. Dabei sprang SanDisk zeitweise um über 10 % nach oben und führte diese Erholungsrunde an.
Der direkte Auslöser für die Rallye war ein optimistischer Bericht von Morgan Stanley – die Bank prognostiziert, dass die Speicherpreise zwischen dem zweiten und dritten Quartal 2026 um mindestens 25 % steigen werden, und erklärte ausdrücklich, dass sie im Speichersektor den Kursrückgang zum Einstieg nutzt („buying the dip“).

[Quelle: FutuBull]
Zuvor hatten Speicheraktien gerade einen Ausverkauf von „historischem Ausmaß“ erlebt. In diesem Moment haben sich drei große Investmentbanken in seltener Einigkeit positioniert: Diese Korrektur ist kein Zusammenbruch der Fundamentaldaten, sondern vielmehr eine Bereinigung überfüllter Trades.
Laut einem Bericht zur globalen Marktstrategie von JPMorgan ist der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) von seinem Allzeithoch Ende Juni um rund 20 % zurückgefallen und hat damit eine technische Korrektur eingeleitet. Der südkoreanische Markt, der empfindlicher auf Speicher- und KI-Hardware reagiert, erlitt noch schwerere Verluste: Der Kospi Index (KOSPI) fiel von seinem Höchststand um rund 25 % in einen Bärenmarkt, wobei die Zunahme gehebelter ETFs die Volatilität noch verstärkte.
Daten aus dem Prime Brokerage der UBS zeigen, dass Hedgefonds ihre Long-Positionen in Momentum- und Halbleiteraktien um rund 5 % des Bruttomarktwerts reduziert haben – einer der stärksten Rückgänge seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Netto-Engagement in Halbleiter- und Softwareaktien fiel damit auf das Niveau von April zurück.

[Quelle: TradingView]
Morgan Stanley-Analyst Joseph Moore stellte klar, dass der jüngste Rücksetzer bei US-Speicheraktien eine attraktive Kaufgelegenheit bietet. Die Kernbegründung liegt in der anhaltenden Knappheit bei Rechenzentrumsspeichern, und er prognostiziert, dass die Speicherpreise vom zweiten Quartal zum dritten Quartal 2026 um mindestens 25 % steigen werden.
Moore wies darauf hin, dass dieser Speicherzyklus fast ausschließlich von der Nachfrage aus Rechenzentren getrieben wird, während die vorangegangene Schwäche in den Märkten für Unterhaltungselektronik, PCs und Smartphones die Anlegerstimmung belastete. Die Vertriebskanalprüfungen (Channel-Checks) des Hauses zeigen jedoch keine Anzeichen für eine Entspannung der Lieferengpässe im Rechenzentrumsegment. Er warnte zudem, dass sich die Speicherknappheit in den Jahren 2027 und 2028 noch weiter verschärfen könnte – wobei Morgan Stanley rät, Kursrücksetzer in diesem Sektor für Käufe zu nutzen.
Das Team des J.P. Morgan-Strategen Mislav Matejka ist der Ansicht, dass der Rücksetzer bei KI- und Momentum-Aktien ein reiferes Stadium erreicht hat. Dies lege nahe, dass Anleger die sommerliche Volatilität nutzen sollten, um Kursrücksetzer bei Halbleitern für Einstiege zu nutzen.
Drei Indizienketten stützen diese Einschätzung: Erstens hat sich das technische Crowding entspannt, wobei sich der RSI des SOX rasch dem überverkauften Bereich nähert. Zweitens haben sich die Inflationsdaten abgeschwächt – Daten der US-Arbeitsstatistikbehörde (Bureau of Labor Statistics) vom 14. Juli zeigten, dass der Verbraucherpreisindex (VPI) im Juni im Monatsvergleich um 0,4 % sank, während sich die saisonbereinigte, auf Jahresbasis hochgerechnete Dreimonats-Wachstumsrate von April bis Juni auf rund 2,8 % abkühlte. Drittens lag der Anteil der Gewinn- (EPS) und Umsatzübertreffungen bei US-amerikanischen und europäischen Aktien in den ersten Ergebnisberichten für das zweite Quartal über dem historischen Durchschnitt.
Noch entscheidender ist das Auftreten eines „Spreizungs“-Signals: Die Divergenz zwischen der relativen Kursentwicklung und der relativen Gewinnentwicklung von Halbleitern vergrößert sich – die Aktienkurse fallen schneller als die Gewinnerwartungen, während sich die Ertragsseite nicht wesentlich verschlechtert hat. Dies ist ein klassisches Merkmal einer „Bewertungsanpassung“ (Valuation Reset) und nicht einer „Schwächung der Fundamentaldaten“. Das Technologie-Team des Hauses geht davon aus, dass das knappe Angebot-Nachfrage-Verhältnis bei DRAM und NAND bis 2028 bestehen bleibt und das Umsatzwachstum der Halbleiterindustrie über das Jahr 2026 hinaus anhalten wird.
Michael Romano, Leiter des Vertriebs von Aktienderivaten für Hedgefonds bei UBS, stellte in einem Kundenbericht fest, dass sich der heftige Ausverkauf bei Momentum-Aktien dem Ende zuneigen könnte. Er erwartet, dass der Ausverkauf bis Ende Juli seine Talsohle erreichen oder diese möglicherweise bereits durchschritten hat, und rät Anlegern, schrittweise wieder Positionen in KI- und Halbleiteraktien aufzubauen.
Die Intraday-Kursbewegung am vergangenen Freitag lieferte dafür Belege: Der UBS Momentum Index drehte innerhalb von nur zwei Stunden spektakulär von einem Minus von 3,5 % auf ein Plus von 2,5 %. Romano schrieb: „Ich denke, wenn sich das Blatt erst einmal wendet, könnten wir einen liquiditätsgetriebenen Schub erleben.“ Die Positionierung verschiebt sich derzeit so, dass sie eine Erholung von Momentum-Aktien zunehmend begünstigt, wobei SanDisk, Broadcom, Oracle, Datadog und Microsoft alle im Momentum-Aktienkorb von UBS enthalten sind.
Er betonte jedoch auch die Notwendigkeit eines schrittweisen Positionsaufbaus in Tranchen: „Der Risikoabbau bei Momentum-Werten war und bleibt unsere feste Überzeugung; unter diesen Marktbedingungen ist ein phasenweiser Positionsaufbau der umsichtige Ansatz.“
Insgesamt durchliefen Speicheraktien in nur einer Woche einen vollständigen Zyklus aus „Panik, Bereinigung und Trendwende“. Der Konsens der drei großen Investmentbanken führt zum selben Schluss: Dieser Rückgang ist eine Bereinigung überlaufener Trades (Crowded Trades) und kein Wendepunkt bei den Fundamentaldaten des Speichermarktes – die Nachfragelücke bei Rechenzentren bleibt bestehen, der Preiserhöhungszyklus wird mindestens bis zum dritten Quartal andauern, und das knappe Marktgleichgewicht wird voraussichtlich bis 2028 anhalten.