TradingKey - Im Vorfeld der bevorstehenden Veröffentlichung der Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 hat Intel ( INTC) erneut eine organisatorische Umstrukturierung eingeleitet.
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat Intel die Mitarbeiter seiner Data Center & AI Group (DCG) darüber informiert, dass das Unternehmen eine neue Runde des Stellenabbaus umsetzen wird.
Das Unternehmen nannte jedoch keine genaue Zahl der betroffenen Mitarbeiter und erklärte lediglich, dass diese Anpassung Teil seines umfassenden Restrukturierungsplans sei und die bestehende Produkt-Roadmap sowie die Lieferpläne für Kunden nicht beeinträchtigen werde.
Dies ist das dritte Jahr in Folge, in dem Intel einen massiven Stellenabbau vorantreibt. Dies verdeutlicht, dass der traditionsreiche Chipriese vor dem Hintergrund der KI-Welle, die die Markterwartungen neu entfacht hat, weiterhin interne Reformen vorantreibt, in der Hoffnung, seine Wettbewerbsfähigkeit durch eine schlankere Organisationsstruktur zu steigern.
Der Stellenabbau zielt genau auf das Rechenzentrumsgeschäft von Intel ab, das in den letzten Quartalen eine deutliche Verbesserung verzeichnet hat.
Im ersten Quartal dieses Jahres erwirtschaftete der Geschäftsbereich Data Center und KI einen Umsatz von rund 5,1 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 22 % im Jahresvergleich entspricht. Damit ist er einer der wenigen Geschäftsbereiche des Unternehmens, die ein schnelles Wachstum beibehalten konnten. Da die Nachfrage nach KI-Training, Inferenz und Enterprise-Servern weiter steigt, erwartet der Markt allgemein, dass diese Sparte in den kommenden Jahren ein wichtiger Wachstumsmotor für Intel bleiben wird.
Doch trotz der geschäftlichen Erholung hat das Management das Reformtempo nicht verlangsamt.
Intel erklärte, dass diese organisatorische Anpassung darauf abzielt, die Stellenstrukturen und die Verteilung von Kompetenzen zu optimieren, damit sich die Teams stärker auf die Schlüsselbereiche konzentrieren können, während gleichzeitig die Führungsebenen reduziert werden, um die Effizienz der Entscheidungsfindung und das Tempo bei der Produktumsetzung zu verbessern. Das Unternehmen betonte, dass die Restrukturierung weder bestehende Produktpläne ändern noch zukünftige Technologie-Roadmaps beeinträchtigen wird, sondern darauf abzielt, das langfristige Wachstum durch ein schlankeres Betriebsmodell zu unterstützen.
Für Intel, das seine Anpassungen im Management gerade erst abgeschlossen hat, ist die Verbesserung der organisatorischen Effizienz derzeit zu einer der wichtigsten Aufgaben geworden.
CEO Lip-Bu Tan hat bereits mehrfach erklärt, dass die bisherige Organisationsstruktur des Unternehmens zu komplex war, wobei redundante Hierarchieebenen die Produktentwicklung und die Effizienz der Entscheidungsfindung verlangsamten, und dass das Unternehmen auch in Zukunft flache Hierarchien fördern wird, damit Forschung und Entwicklung, Fertigung und Marketing schneller auf Branchenveränderungen reagieren können.
Tatsächlich ist der Stellenabbau nur der jüngste Schritt in Intels fortlaufendem Stellenabbauplan.
In den letzten Jahren hat das Unternehmen die größte organisatorische Umstrukturierung seiner jüngeren Geschichte durchlaufen. Seit 2022 ist die weltweite Belegschaft von Intel von rund 132.000 auf etwa 81.000 Mitarbeiter geschrumpft, was einem kumulierten Rückgang von fast 40 % entspricht.
Trotz des anhaltenden Stellenabbaus haben sich die Erwartungen des Kapitalmarkts für Intel deutlich verbessert.
Im vergangenen Jahr hat der Aktienkurs des Unternehmens kumuliert um über 300 % zugelegt und stieg zeitweise von rund 23 US-Dollar auf fast 142 US-Dollar. Obwohl er jüngst wieder etwas nachgegeben hat, liegt er weiterhin deutlich über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.
Ein Haupttreiber dieser Bewertungserholung ist der erneute Optimismus des Marktes hinsichtlich der Wachstumschancen von Intel im KI-Zeitalter.
Einerseits erwartet der Markt angesichts des rasanten Nachfragewachstums bei KI-Servern eine allmähliche Erholung der CPU-Nachfrage im Unternehmensbereich. Andererseits wird weithin erwartet, dass große Tech-Konzerne wie Apple künftig einige Aufträge zur Chipherstellung an die Foundry von Intel auslagern könnten, was die Entwicklungsaussichten des eigenen Wafer-Foundry-Geschäfts weiter stärken würde.
Unterdessen baut Intel seine Investitionen in KI-Prozessoren, fortschrittliche Gehäusetechnologien (Advanced Packaging) und die Foundry-Fertigung weiter aus, in der Hoffnung, die Welle des KI-Infrastrukturaufbaus zu nutzen, um im Wettbewerb wieder die Initiative zu übernehmen.
Den Markterwartungen zufolge wird Intel seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 am 23. Juli nach US-Börsenschluss vorlegen.
Analysten erwarten für das Quartal einen Umsatz des Unternehmens von rund 14,45 Milliarden US-Dollar sowie ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von etwa 0,22 US-Dollar, was eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Verlust von 0,10 US-Dollar je Aktie im Vorjahreszeitraum darstellen würde. Sollten die endgültigen Ergebnisse die Markterwartungen erfüllen oder sogar übertreffen, würde dies zudem bestätigen, dass sich die operative Lage des Unternehmens allmählich erholt.
Im Vergleich zur Quartalsperformance richten Anleger ihr Augenmerk jedoch verstärkt auf die jüngste Einschätzung des Managements bezüglich der Nachfrage nach KI-Servern in der zweiten Jahreshälfte, die Fortschritte im Foundry-Geschäft sowie künftige Pläne zur Kostenkontrolle.
Der Stellenabbau in der Rechenzentrum-Sparte zeigt zudem, dass die Reformen von Intel eine neue Phase erreicht haben. Nach jahrelangem, großflächigem Personalabbau steht nun eine präzisere organisatorische Optimierung der Kerngeschäfte im Vordergrund. Damit hat sich der strategische Schwerpunkt des Unternehmens schrittweise von der bloßen Kostensenkung hin zur Verbesserung der operativen Effizienz und der Ressourcenallokation verschoben.
Für Intel eröffnen die durch KI entstehenden Branchenchancen zwar neuen Wachstumsspielraum, doch ob dem Konzern durch die organisatorische Neuausrichtung und Produkt-Upgrades tatsächlich ein Comeback gelingt, müssen die Finanzergebnisse der kommenden Quartale erst noch unter Beweis stellen.