Tesla Q2-Ergebnisvorschau: Rekordauslieferungen können Gewinndruck nicht verbergen; kann Musk auf KI und autonomes Fahren setzen, um neues Wachstumspotenzial zu erschließen?

Quelle Tradingkey

TradingKey - Tesla ( TSLA) wird am 22. Juli nach US-Börsenschluss (Eastern Time) seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal veröffentlichen. Als eines der in diesem Jahr am genauesten beobachteten Technologie- und Automobilunternehmen wird dieser Ergebnisbericht nicht nur die Erholung des Automobilgeschäfts von Tesla auf die Probe stellen, sondern Anlegern auch als wichtiges Fenster dienen, um dessen Strategien in den Bereichen KI, autonomes Fahren und Robotik neu zu bewerten.

In den vergangenen Quartalen hat Tesla einen entscheidenden Wandel von schnellem Wachstum hin zu einem reiferen Stadium durchlaufen. Die Auslieferungen des Unternehmens im zweiten Quartal erholten sich deutlich, wobei die Marktnachfrage Anzeichen einer Besserung zeigte. Gleichzeitig haben der verschärfte Wettbewerb in der Elektrofahrzeugbranche, der anhaltende Preiskampf und ein alternder Produktzyklus die Gewinnmargen des Unternehmens unter Druck gesetzt.

Umsatzwachstum für Q2 erwartet

Laut dem Marktkonsens wird für das zweite Quartal von Tesla ein Umsatz von ca. 26,14 Milliarden US-Dollar erwartet, was einem Anstieg von rund 16 % im Jahresvergleich entspricht. Der bereinigte Nettogewinn soll voraussichtlich 1,79 Milliarden US-Dollar erreichen, ein Plus von etwa 28 % gegenüber dem Vorjahr, während das bereinigte Ergebnis je Aktie voraussichtlich bei rund 0,33 US-Dollar liegen wird – nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Auf den ersten Blick dürfte die Entwicklung von Tesla im zweiten Quartal weiterhin ein Wachstum aufweisen. Die Reaktion des Marktes auf den Quartalsbericht wird jedoch wahrscheinlich nicht nur davon abhängen, ob Umsatz und Gewinn die Erwartungen übertreffen, sondern vielmehr vom Ausblick des Unternehmens auf zukünftige Wachstumstrends.

Der Aktienkurs von Tesla ist im bisherigen Jahresverlauf um mehr als 13 % gefallen, was die Sorgen der Anleger über eine nachlassende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, den sich verschärfenden Wettbewerb und die sinkende Rentabilität des Unternehmens widerspiegelt.

Rekord-Auslieferungen, aber Fahrzeug-Bruttomarge wird zur Kernkennzahl

Tesla hatte zuvor bekannt gegeben, dass seine weltweiten Auslieferungen im zweiten Quartal 480.126 Fahrzeuge erreichten, was einem Anstieg von rund 25 % im Jahresvergleich entspricht. Dies markiert das bisher beste Ergebnis des Unternehmens für diesen Zeitraum und übertrifft die vorherigen Markterwartungen von rund 400.000 Fahrzeugen deutlich.

Allerdings ist der Markt auch besorgt darüber, ob dieses Wachstum nachhaltig ist. Da einige Länder die Subventionen für alternative Energien sukzessive abbauen, könnte die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen erneut unter Druck geraten. Märkte wie Norwegen haben nach dem Auslaufen von Subventionen bereits erhebliche Absatzeinbrüche erlebt, was zeigt, dass politische Faktoren auf dem europäischen Markt für neue Energien weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Unterdessen steht der US-Markt weiterhin unter gewissem Druck. Durch Anpassungen bei den steuerlichen Anreizen für Elektrofahrzeuge, kombiniert mit dem kontinuierlichen Vorstoß etablierter Automobilhersteller und chinesischer E-Auto-Marken, die preislich wettbewerbsfähigere Modelle auf den Markt bringen, wird es für Tesla zunehmend schwieriger, seinen Marktanteil in Zukunft zu behaupten.

Bemerkenswerterweise gab der Aktienkurs von Tesla nach der Veröffentlichung der Auslieferungsdaten tatsächlich deutlich nach, was darauf hindeutet, dass sich der Fokus des Marktes verschiebt.

In der Vergangenheit war das Absatzwachstum ein wesentlicher Faktor zur Stützung der Bewertung von Tesla, während die Anleger heute verstärkt darauf achten, ob sich diese Absatzzahlen in höheren Gewinnen niederschlagen können.

In den vergangenen zwei Jahren hat Tesla zur Ankurbelung des Nachfragewachstums mehrfach Preissenkungen vorgenommen, darunter Preisanpassungen bei Fahrzeugen sowie die Einführung von Aktionsfinanzierungen. Während diese Strategien dem Unternehmen halfen, das Absatzvolumen zu stabilisieren, drückten sie zugleich auf die Profitabilität des Automobilgeschäfts.

Obwohl sinkende Batteriekosten, eine verbesserte Produktionseffizienz und die Optimierung der Lieferketten eine gewisse Abfederung boten, hofft der Markt weiterhin auf Anzeichen für eine Erholung der Gewinnmargen von Tesla.

Derzeit geht die Wall Street davon aus, dass die Bruttomarge von Tesla im Automobilgeschäft bei rund 18 % verharren wird. Sollte sich die Bruttomarge stabilisieren oder sogar erholen, wird der Markt dies so interpretieren, dass das Unternehmen die Folgen des Preiskriegs allmählich überwindet. Sollten die Gewinnmargen jedoch weiter sinken, könnte dies darauf hindeuten, dass das Absatzwachstum zunehmend auf Preissenkungen angewiesen ist.

KI, FSD und Robotaxi werden zum zentralen Bewertungsfaktor

Da sich das Wachstum in der Automobilindustrie verlangsamt, hat Musk in den letzten Jahren wiederholt betont, dass Teslas zukünftiger Kernwert nicht nur in der Automobilherstellung liegt, sondern vielmehr in künstlicher Intelligenz, autonomem Fahren und Robotikplattformen.

Während sich Tesla zu einem Technologieunternehmen wandelt, wird sein KI-Geschäft zur tragenden Säule seiner Bewertung. Die Anleger werden die Fortschritte bei FSD, dem Robotaxi und dem humanoiden Roboter Optimus genau beobachten.

Beim autonomen Fahren sind die Niederlande das erste EU-Land, das Teslas 'Supervised FSD' genehmigt hat, gefolgt von vier weiteren Ländern, darunter Litauen und Estland. Die Kernmärkte wie Deutschland und Frankreich warten jedoch noch auf eine einheitliche Zulassung, was bedeutet, dass sich eine europaweite Einführung bis 2027 verzögern könnte. Phase 1 des Supercomputing-Clusters Cortex 2 ist bereits online, mit einer Gesamtrechenkapazität, die 130.000 H100-Chips entspricht. Anleger erwarten, dass das 500-Megawatt-Ziel von Phase 2 bis zur Jahresmitte erreicht wird, was das groß angelegte Training für Optimus einleiten wird.

Der humanoide Roboter Optimus ist für Investoren zur obersten Priorität geworden, wobei die Aktionäre ihn zum am meisten erwarteten Thema für den Earnings Call gewählt haben. Tesla hat die Anwendungen des Roboters im Werkstransport und in der Montage demonstriert, doch der Produktionshochlauf und der Zeitplan für die Kommerzialisierung bleiben unklar.

Musk hat bereits mehrfach erklärt, dass das Robotaxi ein wichtiger Treiber für das zukünftige Wachstum von Tesla sein wird. Wenn das Geschäft Skaleneffekte erzielen kann, könnte dies den Bewertungsrahmen des Marktes für Tesla verändern.

Darüber hinaus sind auch die Erwartungen an eine potenzielle Fusion zwischen Tesla und SpaceX zu einem viel diskutierten Thema geworden, da der Markt davon ausgeht, dass dies die Synergien zwischen ihren KI- und Weltraumtechnologien weiter verstärken würde.

Kluft an der Wall Street über Tesla vertieft sich

Die Wall Street bleibt hinsichtlich der künftigen Entwicklung von Tesla sichtlich gespalten.

Optimistische Institute sind der Ansicht, dass sich der langfristige Wert von Tesla von der Automobilherstellung hin zu einer KI-Plattform verlagert hat. Morgan Stanley ( MS) und UBS ( UBS) sowie andere Institute glauben, dass FSD, Robotaxis und Optimus wichtige Treiber für das künftige Bewertungswachstum sein werden.

Konkret betonte Morgan Stanley, dass das größte zukünftige Wachstumspotenzial von Tesla nicht aus den traditionellen Automobilverkäufen resultiert, sondern vielmehr aus dem autonomen Fahren und der Kommerzialisierung der Robotik; auch UBS ist der Ansicht, dass die Positionierung des Unternehmens im KI-Bereich eine langfristige Neubewertung auslösen könnte.

Vorsichtige Beobachter sind jedoch der Ansicht, dass die aktuelle Bewertung von Tesla bereits einen erheblichen Teil der Zukunftserwartungen eingepreist hat, während das tatsächliche Geschäft weiterhin unter Druck steht.

JPMorgan ( JPM) befürchtet, dass Änderungen bei den US-Subventionen für neue Energien und eine schwache Automobilnachfrage die Absatzentwicklung beeinträchtigen könnten; Barclays ( BCS) ist der Ansicht, dass die Margen des Unternehmens nach dem Abklingen früherer einmaliger positiver Faktoren weiterhin unter Druck bleiben könnten.

HSBC nimmt unterdessen eine relativ pessimistische Haltung ein und ist der Ansicht, dass das mittelfristige Absatzwachstumspotenzial von Tesla mangels günstiger Modelle begrenzt ist, während die Kommerzialisierung von Robotaxis nach wie vor vor Herausforderungen wie Technologie, Regulierung und Verbraucherakzeptanz steht.

Haftungsausschluss: Nur zu Informationszwecken. Die bisherige Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
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