TradingKey - Im vorbörslichen US-Handel am Dienstag fielen die Aktien von Micron Technology ( MU) um über 5 %, belastet durch kräftige Kursverluste bei den südkoreanischen Speicherriesen Samsung Electronics und SK Hynix.

Quelle: TradingView
Auslöser für diese Branchenkorrektur war die Prognose von Samsung Electronics für das zweite Quartal, die die Erwartungen weit übertraf – doch trotz eines atemberaubenden 19-fachen Anstiegs des Betriebsgewinns im Vergleich zum Vorjahr gelang es ihr nicht, die „Sell the News“-Stimmung des Marktes umzukehren.
Samsung Electronics gab bekannt, dass der Betriebsgewinn für den Zeitraum April bis Juni voraussichtlich 89,4 Billionen Won (ca. 58,44 Milliarden USD) erreichen wird. Dies liegt weit über den 4,7 Billionen Won im Vorjahreszeitraum und übertrifft die von LSEG SmartEstimate prognostizierten 87,3 Billionen Won. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 129 % auf 171 Billionen Won.
Diese hervorragende Entwicklung wurde durch die explosionsartige Nachfrage nach Speicherchips im Zuge des KI-Booms angetrieben, insbesondere durch starke Verkäufe von High Bandwidth Memory (HBM) und Server-DRAM.
Der Markt reagierte jedoch kühl: Die Aktie von Samsung brach im Tagesverlauf um fast 10 % ein, während SK Hynix im Gleichschritt deutlich nachgab, was die Aktienkurse von Wettbewerbern wie Micron direkt mit nach unten zog.
Dieses Phänomen des „Ausverkaufs trotz positiver Gewinne“ ist nicht neu. Daten zeigen, dass Samsung seit Anfang 2019 in 16 Quartalen die Erwartungen beim Betriebsgewinn übertroffen hat, der Aktienkurs jedoch in 10 dieser Fälle nach der Bekanntgabe fiel. Der Markt hatte die Erholung der Speicherchip-Industrie und die explodierende KI-Nachfrage bereits weit im Voraus eingepreist. Sobald die Meilensteine bei den Geschäftszahlen erreicht werden, neigen Anleger zu Gewinnmitnahmen, was zu einer „Sell-on-the-Fact“-Korrektur der Aktienkurse führt.
Derzeit ist Samsung der weltweit größte Hersteller von Speicherchips, weshalb seine Ertragsentwicklung als Branchenbarometer gilt. Dieser Kursrückgang hat eine Kettenreaktion im gesamten Sektor ausgelöst.
Neben Gewinnmitnahmen sorgen sich Investoren auch über ein künftiges Überangebot, das durch die aggressiven Expansionspläne der Chipindustrie ausgelöst werden könnte. Samsung und SK Hynix haben kombinierte Investitionen in Höhe von 2 Billionen USD angekündigt, um die Chipkapazitäten in Südkorea auszubauen, wobei der Investitionsplan von Samsung von 2026 bis 2040 laufen soll.
Obwohl Analysten davon ausgehen, dass der Lieferengpass bis ins nächste Jahr hinein anhalten wird, befürchtet der Markt mit der schrittweisen Freigabe von Kapazitäten durch die großen Hersteller ein potenzielles künftiges Überangebot, das die Preise für Speicherchips belasten und die Rentabilität der Unternehmen beeinträchtigen könnte.
Unterdessen haben die jüngsten Einschätzungen von Michael Wilson, dem Chefstrategen für US-Aktien bei Morgan Stanley ( MS ), die Sorgen des Marktes weiter verschärft.
In seinem Wochenbericht riet er den Anlegern ausdrücklich dazu, den Halbleitersektor unterzugewichten und in Hyperscale-Cloud-Computing-Anbieter umzuschichten. Wilson ist der Ansicht, dass die aktuelle Korrektur bei Speicher- und Chipaktien noch nicht abgeschlossen ist. Er stellte fest, dass ihre Entwicklung stark an die von Silber erinnert – beide verzeichneten parabolische Kursanstiege und sind eng mit dem Rohstoffmarkt verknüpft, der historisch unter starken Preisschwankungen leidet.
Diese Perspektive deutet darauf hin, dass der Speicherchipsektor in eine vorübergehende Konsolidierungsphase eingetreten sein könnte und der vorangegangene Bewertungsanstieg im Zuge des KI-Booms unter Korrekturdruck steht.