Deutschlands Wirtschaft zeigt sich trotz anhaltender Belastungen überraschend widerstandsfähig. Darauf verweist ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski angesichts des sechsten Anstiegs des Ifo-Geschäftsklimaindex in Folge. Mit 90,2 Punkten erreichte der wichtigste deutsche Frühindikator den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Während die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage angesichts höherer Energiepreise und Zinsen bereits etwas skeptischer beurteilen, haben sich ihre Erwartungen für die kommenden Monate verbessert. Nach Einschätzung von Brzeski stützen vor allem die laufenden staatlichen Konjunkturimpulse und die vergleichsweise günstige Position Deutschlands angesichts der jüngsten globalen Verwerfungen die kurzfristigen Wachstumsaussichten.
„Die deutsche Wirtschaft beweist weiterhin ihre Widerstandsfähigkeit. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der als wichtigster Frühindikator des Landes gilt, ist nun bereits den sechsten Monat in Folge gestiegen. Im Oktober erreichte er 90,2 Punkte, nach 89,9 Punkten im September. Damit liegt der Index auf dem höchsten Stand seit mehr als drei Jahren.“
„Mit Blick auf die kommenden Monate zeigt der heutige Ifo-Index, dass die Hoffnungen für die deutsche Konjunktur weiterhin vor allem auf den laufenden staatlichen Finanzimpulsen ruhen. Entscheidend wird sein, dass deren Wirkung zunehmend in der gesamten Wirtschaft ankommt. Diese Hoffnung könnte sich durchaus erfüllen, auch wenn die Bundesregierung Schwierigkeiten hat, ihre Ausgaben- und Investitionsziele zu erreichen.“
„Je besser sich die Wirtschaft gegen kurzfristige Risiken behauptet, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass das Wachstum positiv überrascht. Nun bleibt abzuwarten, was die am Freitag anstehende erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal zeigen wird. Bislang befindet sich die deutsche Wirtschaft jedenfalls klar auf Kurs, das stärkste Jahreswachstum seit 2022 zu erzielen.“
„Insgesamt bestätigt der heutige Ifo-Index, dass sich die deutsche Wirtschaft unerwartet robust entwickelt und sogar eine leichte konjunkturelle Erholung erkennen lässt. Natürlich bedeutet eine zyklische Belebung noch keine strukturelle Gesundung. Nach der nahezu ununterbrochenen Serie schlechter Konjunkturnachrichten in den vergangenen Jahren sollte jedoch jede positive Entwicklung willkommen sein.“