Der überraschende Ausgang der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat die Finanzmärkte auf dem falschen Fuß erwischt. Nach dem Sieg von Luiz Inácio Lula da Silva in der Stichwahl verlor der brasilianische Real (BRL) rund zehn Prozent an Wert und fiel gegenüber dem US-Dollar in Richtung 5,50 Real. Wie Commerzbank-Analyst Volkmar Baur erläutert, bleibt dem künftigen Präsidenten angesichts der hohen Staatsverschuldung und des erheblichen Haushaltsdefizits kaum finanzieller Spielraum. Entscheidend für die weitere Entwicklung der brasilianischen Währung dürfte deshalb sein, wie schnell Lula die Investoren von der Glaubwürdigkeit seiner angekündigten Reformen und Konsolidierungsmaßnahmen überzeugen kann.
„Das Ergebnis der brasilianischen Präsidentschaftswahl hat die Märkte überrascht. Nachdem die erste Wahlrunde Hoffnungen auf einen Machtwechsel geweckt hatte, setzte sich Luiz Inácio Lula da Silva, kurz Lula, in der gestrigen Stichwahl schließlich durch und wird ins Präsidentenamt zurückkehren.“
„Der Real reagierte mit erheblichen Kursverlusten. Nachdem die brasilianische Währung im Anschluss an die erste Wahlrunde zunächst aufgewertet hatte, verlor sie im dünnen asiatischen Handel rund zehn Prozent gegenüber dem US-Dollar und fiel in Richtung 5,50 Real je Dollar.“
„Wie mein Kollege Norman bereits in der vergangenen Woche betonte, dürfte sich die Aufmerksamkeit nun rasch auf die Finanzpolitik richten. Bei einer Staatsverschuldung von 83 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und einem Haushaltsdefizit von rund zehn Prozent kann sich Lula kaum Enttäuschungen leisten.“
„In den vergangenen Wochen hat er eine Konsolidierung der Staatsfinanzen versprochen, nicht zuletzt als Reaktion auf den Druck der Finanzmärkte. Diesen Ankündigungen müssen nun Taten folgen. Einfach dürfte das nicht werden, zumal Lula nach den Parlamentswahlen Anfang Oktober einem konservativer ausgerichteten Kongress gegenübersteht.“
„Der anfängliche Ausverkauf könnte durchaus übertrieben gewesen sein. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Kursverluste unmittelbar wieder umkehren werden. Die Märkte hatten sich auf einen Wahlsieg Bolsonaros und die damit verbundene Reformagenda eingestellt. Solche Positionierungen können innerhalb kurzer Zeit aufgelöst werden.“
„Für den Real wird deshalb entscheidend sein, wie schnell es Lula gelingt, die Investoren davon zu überzeugen, dass seine Reformversprechen glaubwürdig sind.“