Die zunehmenden Spannungen am französischen Staatsanleihemarkt haben den Euro bislang kaum belastet. Nach Einschätzung von ING-Devisenstratege Francesco Pesole könnte sich das jedoch schnell ändern, sollten die Renditeaufschläge französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen und italienischen Papieren weiter steigen. Besonders kritisch wäre ein Anstieg des Renditeabstands zu zehnjährigen Bundesanleihen in Richtung 200 Basispunkte. Pesole bleibt für den Euro insgesamt pessimistisch. Als wichtigen Gradmesser für die Risiken europäischer Staatsanleihen sieht er das Währungspaar EUR/CHF. Sollte die Unruhe an den Anleihemärkten anhalten, könnte EUR/USD erneut sein Tief vom 14. Oktober bei 1,1120 testen.
„Der Renditeabstand zwischen zehnjährigen französischen Staatsanleihen und Bundesanleihen schloss bei 174 Basispunkten, nachdem er gestern zwischenzeitlich 178 Basispunkte erreicht hatte. Allerdings weiteten sich gestern nicht nur die Renditeaufschläge französischer Staatsanleihen aus. Auch andere europäische Staatspapiere waren betroffen. Bundesanleihen profitierten von der Nachfrage nach sicheren Anlagen und entwickelten sich um neun Basispunkte besser. Zudem spielten die Energiepreise eine Rolle.“
„Französische Staatsanleihen waren allerdings die einzigen europäischen Staatspapiere, deren zehnjährige Renditen stiegen, und zwar um sechs Basispunkte. Gleichzeitig hat der Renditeabstand zwischen französischen und italienischen Staatsanleihen die bedenkliche Marke von 50 Basispunkten erreicht. Da sich die Haushaltslage und die politische Situation in Frankreich nicht erkennbar verschlechtert haben, dürfte die Entwicklung vor allem darauf zurückzuführen sein, dass französische Staatsanleihen stärker auf globale Einflussfaktoren reagieren. Möglicherweise spielen auch Sorgen vor erneuten sozialen Unruhen am kommenden Wochenende in Frankreich eine Rolle.“
„Die Empfindlichkeit des Euro gegenüber den Entwicklungen in Frankreich hat deutlich nachgelassen. Gestern schnitt die Gemeinschaftswährung gegenüber den anderen wichtigen Währungen der G10-Staaten nicht wesentlich schlechter ab. Dieser Zusammenhang könnte allerdings sehr schnell wieder an Bedeutung gewinnen, sollte eine neue kritische Schwelle, möglicherweise bei 200 Basispunkten, überschritten werden. Vorerst rechnen wir nicht mit einer derart starken weiteren Ausweitung der Renditeaufschläge. Die Risiken sind jedoch eindeutig vorhanden, und der Euro bleibt aus unserer Sicht insgesamt wenig attraktiv.“
„EUR/CHF ist derzeit der aussagekräftigste Weg, um die Risiken europäischer Staatsanleihen am Devisenmarkt abzubilden. Sollte die Unruhe an den Anleihemärkten anhalten, dürfte EUR/USD zudem rasch erneut das Tief vom 14. Oktober bei 1,1120 testen.“