Widersprüchliche Meldungen über beschädigte Öltanker in der Straße von Hormus und steigende Öllieferungen aus dem Persischen Golf sorgen für Unsicherheit am Ölmarkt. Rabobank-Strategin Molly Schwartz warnt davor, die höheren Transportmengen als Zeichen einer Normalisierung zu werten. Steigende Versicherungskosten, teure Frachtraten und erhebliche Ineffizienzen belasten den Ölhandel weiterhin. Die Brent-Futures notieren inzwischen auf dem höchsten Stand seit April, während am physischen Markt deutliche Preisaufschläge gegenüber den Terminkontrakten verlangt werden.
„Wie die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet, sind nach iranischen Angaben sieben Öltanker in der Straße von Hormus beschädigt worden. Sollten sich diese Angaben bestätigen, wäre dies die höchste Zahl angegriffener Schiffe in der Meerenge seit Beginn des Krieges.“
„Erst vor zwei Tagen berichtete das Wall Street Journal, dass inzwischen mehr Öl aus dem Persischen Golf transportiert werde als vor dem Iran-Krieg. Als Grund wurde der Erfolg des sogenannten Hormus-Shuttles genannt. Demnach lagen die Öllieferungen aus dem Nahen Osten in der Woche bis zum 18. Oktober bei durchschnittlich mehr als 24 Millionen Barrel täglich und damit über dem Vorkriegsniveau von 23,3 Millionen Barrel.“
„Trotz dieser Schlagzeilen beschäftigt die Märkte weiterhin die iranische Warnung, dass die Straße von Hormus nach wie vor gefährlich sei. Die Brent-Futures mit einmonatiger Laufzeit schlossen gestern bei 113 US-Dollar je Barrel und damit auf dem höchsten Stand seit April.“
„Das sogenannte Hormus-Shuttle erhöht die transportierten Rohölmengen durch Umladungen in der Nähe des Omans. Steigende Versicherungskosten, eine ineffiziente Nutzung der Tanker und die anhaltenden Angriffe zeigen jedoch, dass die Märkte von einer Rückkehr zur Normalität noch weit entfernt sind.“
„Die Frachtraten für Öltransporte vom Persischen Golf nach China sind inzwischen auf 1,4 Millionen US-Dollar pro Tag gestiegen. Das verteuert den Transport um rund 13,50 US-Dollar je Barrel und belastet insbesondere asiatische Raffinerien. Physisch gehandeltes Öl der Referenzsorten Brent und Shanghai wird deshalb mit Aufschlägen von 10 bis 25 US-Dollar gegenüber den entsprechenden Terminkontrakten gehandelt. Höhere Liefermengen bedeuten somit nicht zwangsläufig günstigere Energiepreise beim Empfänger. Die Transportkosten steigen inzwischen so stark, dass sie die Erholung gefährden.“