John Velis von BNY Markets rechnet in seinem Zinsausblick nicht mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve im Oktober. Auch die Finanzmärkte halten einen unmittelbar bevorstehenden Zinsschritt für wenig wahrscheinlich. Nach Einschätzung des Strategen dürfte die Fed ihre Leitzinsen frühestens im Dezember erneut anheben. Zugleich könnte dies die letzte Zinserhöhung im laufenden Zyklus sein. Die an den Märkten eingepreisten Zinserwartungen bis Dezember 2027 sind inzwischen von ihren restriktivsten Niveaus zurückgekommen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass der Inflationsdruck weiterhin überwiegend von der Angebotsseite ausgeht.
„Wir erwarten bei der Sitzung in der kommenden Woche keine Zinserhöhung im Oktober. Diese Einschätzung deckt sich mit den Erwartungen der Finanzmärkte. Derzeit wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) lediglich auf 17 Prozent beziffert.“
„Der Anstieg der Verbraucher- und Erzeugerpreise fällt unserer Ansicht nach nicht stark genug aus, um auf eine weitere Verschärfung der Inflation über das derzeitige Niveau hinaus schließen zu lassen. Der Preisdruck geht nach wie vor vor allem auf angebotsseitige Faktoren zurück, etwa bei Flugpreisen. Hinzu kommen Entwicklungen bei der Preisgestaltung, die nicht unmittelbar mit der geldpolitischen Ausrichtung zusammenhängen. Dazu zählen beispielsweise persönliche Dienstleistungen, Wohnen und Gesundheitsversorgung.“
„Wir halten den Dezember für den wahrscheinlichsten Zeitpunkt der nächsten Leitzinserhöhung. Zugleich gehen wir davon aus, dass es sich dabei um den letzten Zinsschritt in diesem Zyklus handeln wird.“
„Der am Markt eingepreiste Leitzins für Dezember 2027 liegt inzwischen bei nur noch 4,64 Prozent. Das entspricht zusätzlichen Zinserhöhungen von insgesamt knapp 75 Basispunkten. Damit liegen die aktuellen Markterwartungen sogar leicht unter den besonders restriktiven Niveaus, die noch vor wenigen Wochen erreicht wurden.“
„Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass sich die zwischenzeitlich eingepreisten Zinserhöhungen von insgesamt 100 Basispunkten, einschließlich des Zinsschritts im September, nur schwer verwirklichen lassen dürften. Das gilt insbesondere mit Blick auf März und April 2027, wenn Basiseffekte dazu beitragen werden, die jährliche Inflationsrate zu senken.“