Die Analysten Chris Turner und Padhraic Garvey von ING gehen davon aus, dass die Bank of Japan (BoJ) nach der Zinserhöhung auf 1,00 % im Juni an ihrem Straffungskurs festhält. Nach ihrer Einschätzung sehen die meisten Mitglieder des geldpolitischen Rats den neutralen Leitzins in Japan bei rund 2,00 %. Zwar könnten einige Notenbanker bereits für eine weitere Zinserhöhung im September oder Oktober plädieren, ING rechnet bei der anstehenden Sitzung jedoch mit unveränderten Zinsen. Im Fokus der Märkte stehen die Abstimmung im Rat sowie die Signale von Notenbankchef Kazuo Ueda.
"Mit der Anhebung des Leitzinses auf 1,00 % im vergangenen Monat hat die BoJ ihren Straffungskurs beibehalten und deutlich gemacht, dass ein weiterer Abbau der geldpolitischen Unterstützung erforderlich sein wird. Wie immer wird der Zeitpunkt eines solchen Schritts von der Entwicklung der Konjunktur, der Inflation und der Finanzierungsbedingungen abhängen."
"Die Schwäche des Yen nach der - wenig überraschend - begrenzten Wirkung der Devisenmarktinterventionen der BoJ im April und Mai dieses Jahres hat Spekulationen ausgelöst, dass die Notenbank ihren Straffungszyklus beschleunigen könnte. Viele Mitglieder des BoJ-Rats gehen davon aus, dass der neutrale Leitzins in Japan näher bei 2,00 % liegt. Die entscheidende Frage ist daher, wie schnell dieses Niveau erreicht wird."
"Jüngste Medienberichte deuten darauf hin, dass einige Mitglieder des BoJ-Rats bereits eine weitere Zinserhöhung im September oder Oktober befürworten könnten, anstatt wie bisher einem schrittweisen Rhythmus mit einer weiteren Anhebung im Dezember zu folgen."
"Mit Blick auf die anstehende Entscheidung wäre alles andere als ein unveränderter Leitzins von 1,00 % eine Überraschung. Aufmerksamkeit dürfte auch den Abstimmungsergebnissen gelten. Notenbankchef Kazuo Ueda wird nach einer kürzlichen Erkrankung voraussichtlich zurückkehren, womit der geldpolitische Rat wieder aus neun Mitgliedern bestehen wird. Entscheidend wird sein, ob eines der Ratsmitglieder für eine erneute Zinserhöhung unmittelbar nach der jüngsten Anhebung stimmt. Hajime Nakata hatte dies bereits im Januar getan und könnte dies auch in dieser Woche wieder tun. Eine noch größere Überraschung wäre es, wenn sich die beiden weiteren als restriktiv geltenden Ratsmitglieder Junko Nakagawa und Naoki Tamura anschließen würden."
"Auch die Pressekonferenz von Notenbankchef Ueda dürfte aufmerksam verfolgt werden. Sollten sich jedoch keine Hinweise auf einen schnelleren Straffungskurs ergeben, ist kaum mit einer nennenswerten Marktreaktion zu rechnen. Zu beachten ist zudem, dass Vertreter des japanischen Kabinettsamts an den Sitzungen teilnehmen und sich ihre Einschätzungen auch in den Sitzungsprotokollen der BoJ wiederfinden. Dort wird betont, dass der Übergang Japans zu einer wachstumsorientierten Wirtschaft von zentraler Bedeutung sei. Aus Sicht vieler Investoren unterliegt die BoJ damit einem stärkeren politischen Einfluss auf ihre Geldpolitik als zahlreiche andere Zentralbanken der G10."