Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sieht im deutlichen Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex ein klares Signal für die Belastungen der deutschen Wirtschaft durch den Energieschock. Für das Jahr 2026 rechnet er mit einem Wachstum von rund 0,6 Prozent, kalenderbereinigt lediglich 0,3 Prozent, und warnt, dass eine anhaltende Schließung der Straße von Hormus die Rezessionsgefahr erhöht.
„Der deutliche Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex (84,4 nach 86,3) zeigt klar, wie stark der Energieschock die deutsche Wirtschaft trifft. Das Wachstum dürfte in diesem Jahr selbst dann um erhebliche 0,4 Prozentpunkte niedriger ausfallen, wenn die Straße von Hormus nach insgesamt drei Monaten Ende Mai wieder geöffnet wird. In diesem Szenario erwarten wir lediglich ein Wachstum von 0,6 Prozent. Bereinigt um die ungewöhnlich hohe Zahl an Arbeitstagen entspricht dies einem mageren Anstieg von 0,3 Prozent. Doch jeder zusätzliche Tag ohne Öllieferungen durch die Straße von Hormus erhöht das Risiko einer Rezession.“
„Insgesamt wird der kräftige fiskalische Impuls von 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts weitgehend durch fehlende umfassende Reformen, die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zollerhöhungen sowie den Energieschock neutralisiert. Daher haben wir unsere Prognose für Deutschland für 2026 bereits vor vier Wochen auf 0,6 Prozent gesenkt. Kalenderbereinigt entspricht dies einem Wachstum von nur 0,3 Prozent, was faktisch Stagnation bedeutet. Mit jedem Tag, an dem die Straße von Hormus blockiert bleibt, steigt die Gefahr einer Rezession.“