Der Devisenstratege Derek Halpenny von MUFG warnt, dass die anhaltende Blockade der Vereinigten Staaten in der Straße von Hormus einen erheblichen Inflationsschock für die USA und die Weltwirtschaft auslöst. Hintergrund seien stark steigende Ölpreise und höhere Kosten für Vorleistungen. Zugleich verweist er darauf, dass die Strategie von Präsident Donald Trump, Irans Energieeinnahmen zu beschneiden, zeitaufwendig und politisch riskant sei. Zunehmender Inflationsdruck und geldpolitische Reaktionen weltweit dürften den US-Dollar stärker beeinflussen.
"Die US-Blockade in der Straße von Hormus hält an, ohne dass Fortschritte in Richtung einer neuen Runde von Friedensgesprächen erkennbar sind. Präsident Trump hat die US-Marine angewiesen, auf jedes Boot zu schießen, das Minen legt, während das US-Militär mitteilte, zwei Ölsupertanker abgefangen zu haben, die versucht hätten, die Blockade zu umgehen. Der Fokus liegt nun vollständig auf der Straße von Hormus und darauf, Iran zu einem Kurswechsel zu bewegen."
"Allerdings weiß Iran, dass auch für die USA die Zeit begrenzt ist, und die inflationären Auswirkungen der Sperrung werden sowohl die USA als auch die Weltwirtschaft treffen und für Präsident Trump belastend sein. Das Risiko besteht darin, dass Irans Leidensfähigkeit erheblich ist und diese Pattsituation so lange andauern könnte, dass die Rohölpreise bald neue Höchststände erreichen und die Volatilität an den Finanzmärkten zunimmt."
"Es bleibt also eine Frage der Zeit. Sollte Präsident Trumps Strategie darauf abzielen, Iran von seinen Energieeinnahmen abzuschneiden, wird dies Zeit erfordern – Zeit, die Präsident Trump unserer Ansicht nach nicht hat. Die Preise dürften sich in den kommenden Wochen weiter verschärfen, wenn die Straße von Hormus geschlossen bleibt. Unsere Annahme eines durchschnittlichen Rohölpreises von 115 US-Dollar je Barrel im zweiten Quartal würde bedeuten, dass die jährliche Inflation im zweiten Quartal auf etwa 3,6 Prozent und im dritten sowie vierten Quartal auf rund 3,8 Prozent steigt. Auswirkungen auf raffinierte Kraftstoffe und Düngemittelpreise könnten dazu führen, dass diese Schätzungen noch zu niedrig sind."
"Dies wird selbstverständlich auch globale Inflationsfolgen haben. Für Europa gehen wir weiterhin davon aus, dass die Europäische Zentralbank und die Bank of England schneller reagieren werden als die US-Notenbank. Das dürfte die Entwicklung des US-Dollars zusätzlich belasten – insbesondere, wenn sich die Aktienmärkte weiterhin robust zeigen."